2015 „retten“ Malteser eine Person aus 21 Metern Tiefe Foto: Ralf Willers

Das Pommerlesloch bei Mötzingen ist eine bedeutende Schachthöhle – aber leicht zu übersehen. Menschen und Tiere sollen darin schon zu Tode gekommen sein.

Es wirkt unscheinbar – und ist genau deshalb tückisch. Das Pommerlesloch bei Mötzingen, bei dem es sich um die einzige bekannte Höhle im Kreis Böblingen handelt. In der Vergangenheit wurde sie Mensch und Tier schon zum Verhängnis. Allein ihr Name, der auf einer Legende beruht, ist Indiz dafür. Doch das liegt bereits etliche Jahre zurück. Inzwischen erfüllt die Höhle vor allem eine wichtige Funktion: Sie dient Fledermäusen als Überwinterungsquartier.

 

Markus Bihler vom Naturschutzbund Mötzingen-Gäufelden (Nabu) zeigt den Weg zum Pommerlesloch. Der Nabu kümmert sich darum und schneidet den Fledermäusen die Einflugschneise frei. Die Höhle ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und darf nur mit Sondergenehmigung betreten werden. Hinweisschilder gibt es deshalb nicht. Bihler führt quer durch den Wald unter Sträuchern hindurch, die sich weit über den Pfad beugen. Bis zum Pommerlesloch.

Wie die Höhle zu ihrem Namen kam

Und das ist es tatsächlich: ein schlichtes Loch im Boden mit einem Durchmesser von etwa eineinhalb Metern. Wäre es nicht mit einem Gitter verschlossen und von Zäunen umgeben, würde es kaum auffallen. Früher reichte ein falscher Schritt und es ging senkrecht nach unten. Erst nach etwa sieben Metern kommt eine Stufe, von der aus es rund 40 Meter weiter in die Tiefe geht. Das ist einem Aufsatz der Höhlenforscher Max Wisshak und Matthias López Correa zu entnehmen, die 1997 die Höhle erkundet haben. An mehreren Stellen verbreitert sich der Schacht. Diese Stufen oder Ausbuchtungen tragen Namen wie Krötenhalle, Dolomithalle, nasse Halle oder Pommerles letzte Ruhe. Auf das Hündchen Pommerle und sein tragisches Ende geht der Name der Höhle zurück. Ein Edelmann soll im Jahr 1750 mit seinem Hund zur Jagd geritten sein. Das Tier stürzte in die Tiefe und alle Versuche, das Pommerle zu retten, scheiterten.

Markus Bihler und sein Team vom Nabu kümmern sich um die Höhle. Foto: Eibner-Pressefoto/Manuel Flierl

Aber das Hündchen war offenbar nicht das einzige Opfer. In der Vergangenheit sollen mindestens zwei Menschen in der Höhle ums Leben gekommen sein, weil sie ohne Hilfe nicht mehr herauskamen. Ein weiterer konnte gerettet werden. Das war im Winter 1965, als ein Spaziergänger aus Magstadt ins Pommerlesloch stürzte. So hat es unter anderem der damalige Vorsitzende der Nabu-Gruppe Mötzingen-Gäufelden, Hans Sommer, aufgezeichnet. Je nach Quelle musste der Mann bis zu drei Tage in der Höhle ausharren, bis ihn schließlich Spaziergänger fanden. Durch lautes Rufen hatte er auf sich aufmerksam gemacht.

Nabu-Mitglieder steigen in die Höhle hinab

Die Beschaffenheit der Höhle ist ein Grund, weshalb sie gesichert ist, die Fledermäuse sind ein anderer. Mausohren- und Bechsteinfledermäuse hätten sie unter anderem darin nachgewiesen, berichtet Bihler. Der erste Vorsitzende des Nabu in Mötzingen ist einer der wenigen, der bereits im Inneren der Höhle war. Allerdings nur bis zur ersten Stufe. Sie seien hineingestiegen, um zu schauen, welche Fledermausarten darin überwintern. „Wir mussten uns ganz warm anziehen, damit wir keine Körperwärme abstrahlen und die Fledermäuse stören.“

Ein Nabu-Kollege, Ralf Willers, der zweite Vorsitzende, wagte sich bei einer Höhlenrettungsübung der Malteser 2015 weiter hinunter. „Das war ein Erlebnis, das mir niemand mehr nehmen kann“, sagt er. Dabei muss das Innere der Höhle nicht sonderlich überwältigend sein. „Da unten ist nichts. Wir haben nur zwei Knochen gefunden und liegen lassen“, berichtet Willers.

Das Pommerlesloch wirkt auf den ersten Blick ziemlich unscheinbar. Foto: M/anuel Flierl

Seine Sichtung steht in einer Reihe kurioser Dinge, die ihren Weg in die Höhle gefunden haben. 1957 entdeckte die Gemeinde Mötzingen laut den Aufzeichnungen von Sommer bei einer Reinigungsaktion Munition auf dem ersten Vorsprung. Vielleicht hatte das Pommerlesloch in den letzten Kriegswochen als Versteck gedient? 1961 bargen Höhlenforscher Menschenknochen auf dem Grund der Höhle und übergaben sie der Gerichtsmedizin in Tübingen, berichten die beiden Forscher, die 1997 die Höhle untersuchten. In ihrem Aufsatz sprechen sie von allerlei „Unrat“, den sie bei ihrer Begehung entdeckten. Bis auf das übliche Holz und einige Knochen hätten sie Schaufelreste, Fahrradteile, Töpfe und in circa 25 Metern Tiefe vor sich hinrostende Gasflaschen gesichtet. Dieser Fund war ihnen sogar ein Ausrufezeichen wert.

Illegale Müllentsorgung ist ein Ärgernis

Noch heute landet Abfall in der Höhle, der dort natürlich nichts zu suchen hat. Mit diesen unschönen „Funden“ muss sich dann der Nabu herumschlagen. „Da hat jemand das Schloss am Zaun aufgebrochen und hat sieben oder acht Kubikmeter Müll reingeworfen“, sagt Bihler, der sicher ist: „Da wollte jemand den Fledermäusen schaden.“ Oder wollte doch nur jemand ungesehen seinen Müll abladen? In jedem Fall bleibt zu hoffen, dass die Höhle nicht einen traurigen Rekord als Abfallloch aufstellt, sondern in Ruhe gelassen wird und für das bekannt bleibt, was sie ist: ein Fledermaus-Refugium und die einzige Höhle im Kreis Böblingen.

Höher, größer, schneller – in unserer Serie „Rekordverdächtig“ stellen wir Orte in der Region Stuttgart vor, die auf besondere Weise herausragend sind.

Die Höhle und die Rettungsaktion

Pommerlesloch
Beim Pommerlesloch handelt es sich um eine Schachthöhle im Muschelkalk und ein geschütztes Geotop. Sie entstand vermutlich, weil versickerndes Wasser im wasserlöslichen Gestein Hohlräume verursachte, das nichtwasserlösliche Gestein der Umgebung wurde instabil und brach ein. Dem Landratsamt sind bis auf Dolinen keine weiteren Höhlen im Kreis bekannt.

Höhlenrettungsaktion
2015 haben die Malteser im Pommerlesloch für eine Höhlenrettung trainiert. Sie simulierten die Rettung einer Person aus 21 Metern Tiefe. Ralf Willers nutzte damals die Gelegenheit, selbst einen Blick in die Höhle zu werfen.