Schon vor 80 Jahren fuhr die Straßenbahn durchs Nordbahnhofviertel. In der Bildergalerie spazieren wir durch ein Quartier im Wandel. Foto: Stadtarchiv/101 FN 250

Das Nordbahnhofviertel überzeugt mit historischer Bausubstanz, wenig Verkehr und Parknähe. Stuttgart 21 wird in dieser Gegend viel verändern. Wir schauen, wie es im und ums Eisenbahnerdörfle vor 80 Jahren aussah.

Das Eisenbahnerdörfle auf der Prag ist ein Quartier im Wandel. Entlang der Nordbahnhofstraße wird seit Jahren eifrig gebaut. Auf der anderen Seite der Gleise wird nach der Eröffnung des Tiefbahnhofs das Rosensteinquartier dazukommen, einschließlich Interims-Opernhaus. Die einst im Niemandsland zwischen Stuttgart und dem damals noch selbstständigen Cannstatt gebaute Siedlung liegt im Herzen eines ganz neuen Stadtteils.

 

Vor achtzig Jahren war das Eisenbahnerdörfle gerade erst einige Jahre wirklich fertig gebaut. Wegen des ersten Weltkriegs kam es zu Verzögerungen bei der Bebauung, die bis dahin von einer Gesellschaft der Eisenbahn geleistet wurde. In der Knollstraße wurden die von der Landesbaugenossenschaft der der Verkehrsbeamten und Arbeiter sowie der Post errichteten Häuser erst zwischen 1929 und 1938 fertig.

12 000 Bilder aus Stuttgart 1942

Die Bilder aus unserem Projekt „Stuttgart 1942“ zeigen auch den Zustand des Eisenbahnerdörfles in jenem Jahr. Damals wurden fast alle Straßen der Stadt systematisch fotografiert; mit unserer Bildersuche kann man den Bestand nach Straßennamen durchsuchen. Nicht in den Bildern zu finden ist der innere Nordbahnhof, von wo aus seit 1941 mehr als 2600 jüdische Menschen deportiert wurden.

Das Viertel war schon vor 80 Jahren von einer spannenden Mischung geprägt, wie der virtuelle Spaziergang in der Bildergalerie zeigt. Wohnen traf dort unmittelbar auf Gewerbe und Industrie. Unter anderem hatte Stuttgarter Hofbräu dort seine Mälzerei. Außerdem war dort die Südmilch AG beheimatet, deren Milchhof heute zumindest der Bahnhaltestelle noch den Namen leiht.

Auf der Prag ist man traditionell unter sich. Das galt früher für die Bahnangestellten und -beamten, nach dem Krieg für die Gastarbeiter. Mit dem Verkauf der LBBW-Wohnungen und den vielen Neubauten kommt jedoch Bewegung in die Sozialstruktur. Wie sich das Viertel verändern wird? Keiner weiß es. Wie es früher aussah, zeigen die Fotos von 1942.