In der Kfz-Zulassungsstelle im neuen Esslinger Landratsamt ist der Betrieb reibungslos angelaufen. Foto: Roberto Bulgrin

Der Neubau des Esslinger Landratsamts ist zu Wochenbeginn in Betrieb gegangen. Größere Anlaufschwierigkeiten hat es nicht gegeben: zumindest nicht für die Kundschaft.

Bereits das Ankommen ist entspannt. Draußen vor dem Neubau des Esslinger Landratsamts sind zahlreiche Parkplätze frei. Das war in früheren Zeiten oft anders. Man musste mit dem Auto warten, darauf lauern, dass eine Lücke frei wird und diese dann schnell in Beschlag nehmen.

 

Auch drinnen im Foyer geht es ruhig zu. Mal davon abgesehen, dass ein paar Handwerker noch mit Montagearbeiten beschäftigt sind. Es gibt keine Hektik, keine lautstarken Diskussionen am Info-Point und keine Warteschlangen. Klar, allzu oft hat Otto-Normalbürger in einer Kreisbehörde auch nicht zu tun. Es sei denn, er muss auf die Kfz-Zulassungsstelle.

Online-Terminvergabe erleichtert die Abläufe

Diese befindet sich – anders als früher – direkt neben dem Haupteingang und ist, wie es im Amtsdeutsch heißt, „publikumsintensiv“. Immerhin gibt es mehr als 400 000 Fahrzeuge mit den Kennzeichen „ES“ und „NT“, die an-, um- oder abgemeldet werden müssen. Natürlich nicht alle gleichzeitig und nicht ständig. Es kommt aber Woche für Woche einiges zusammen.

Mehrere Faktoren sorgen dafür, dass es dabei inzwischen gelassener zugeht, als das vor einigen Jahren im Altbau noch der Fall war. Die Termine werden allesamt online vergeben, lassen sich also von den Arbeitsabläufen her viel besser kalkulieren, als das einst beim obligatorischen Zettelchen-Ziehen der Fall war.

Freie Zeitfenster gibt es oft „tagesaktuell“

Relativ spontan kann die „Kundschaft“ dennoch sein. Freie Zeitfenster gibt es oft sogar am selben Tag, spätestens jedoch am nächsten. Und: Als zusätzliches dezentrales Serviceangebot stehen weiterhin die Dependancen der Kfz-Zulassung an den Standorten Nürtingen, Filderstadt oder Kirchheim zur Verfügung.

Noch steht im Foyer des Landratsamts ein Baugerüst. Foto: Roberto Bulgrin

Und mittlerweile geht fast alles digital. Zum einen ist da die internetbasierte Fahrzeugzulassung (i-KfZ) des Bundesverkehrsministeriums, aber eben auch die Online-Terminvergabe für den Besuch vor Ort. „Physisch erscheinen muss man, sowohl in der Kfz-Zulassung wie auch in der Führerscheinstelle, nur noch ein einziges Mal“, sagt Andrea Wangner, die Pressesprecherin des Landratsamts.

Dass die besagte Führerscheinstelle ihren Sitz in Plochingen hat, kann Wangner ebenfalls begründen: „Im Zuge des laufenden Pflichtumtausches war es sinnvoll, die zuständigen Fachleute an einem Ort zu bündeln“, betont sie, fügt aber sogleich hinzu: „Die Führerscheine zum Pflichtumtausch können, jedoch nur nach Erhalt eines entsprechenden Schreibens, auch an der jeweiligen Außenstelle abgeholt werden.“

Bei der Zulassung geht es jetzt flott voran

Doch zurück in den Esslinger Neubau: Dort sitzen nur selten mehr als drei Leute im Wartebereich der Kfz-Zulassung – und wenn, dann nicht sehr lange. Auch an den „Schaltern“, die keine mehr sind, geht alles flott voran. „Ich habe rasch einen Termin bekommen, wurde pünktlich aufgerufen und nach nicht einmal zehn Minuten war alles erledigt“, freut sich etwa Chrysoula Lykidou und fügt ein „einwandfrei“ hinzu.

Kerim Kokud war mit den Abläufen ebenfalls „sehr zufrieden“. Es sei alles total schnell gegangen. „Das war früher anders, aber daran gewöhne ich mich gerne“, erklärt er. Auch sonst findet er, „dass alles sehr schön geworden ist“. Herbert Esters, der im Auftrag eines Autohauses und damit häufiger mal da ist, sieht das genauso: „Es sieht gut aus, ist sehr freundlich geworden und funktioniert“, fasst er seine ersten Eindrücke zusammen.

Telefonisch reservieren ist ebenfalls möglich

Und was machen Menschen, die keine Möglichkeit haben, online einen Termin zu buchen? Melis Bottari, Sachbearbeiterin in der Zulassungsstelle, antwortet freundlich: „Die Leute können bei uns auch telefonisch reservieren oder herkommen und wir helfen dann bei allem Weiteren.“

Ein paar Dinge müssen noch „nachjustiert“ werden

„Alles Weitere“ ist dabei ein gutes Stichwort, denn noch gibt es im Neubau zu tun: So muss bei der Heizleistung – gerade in der Kfz-Zulassungsstelle – dringend nachjustiert werden. Das was in den alten Räumlichkeiten viel zu viel war, ist jetzt deutlich zu wenig, gerade für die Beschäftigten.

Auch im Foyer und an anderen Stellen ist noch so manches im Werden. An den Wänden stehen Gerüste, weil es weitere Kunstobjekte zu installieren gilt. Der künftige Sitzbereich harrt in einer Ecke auf einer Palette seiner Bestimmung und die Beschilderungswürfel fehlen ebenfalls noch.

Draußen muss der Bautrupp ebenfalls wieder ran. So bedürfen die Leiteinrichtungen für Blinde und Sehbehinderte einer Korrektur, damit diese Leute nicht an kleinen Mauern hängen bleiben oder im Grünen landen. Andrea Wangner ist zuversichtlich, dass bis zur Adventszeit „alles so weit ist“.

Und bis dahin gilt eben die Devise: Noch nicht ganz fertig, funktioniert aber schon ganz gut.

Der Neubau in den Pulverwiesen

Bauzeit
Im Mai 2022 begann der Abriss des alten Esslinger Landratsamts, das 1978 errichtet worden war. An gleicher Stelle in den Esslinger Pulverwiesen entstand der zu Beginn dieser Woche eröffnete Neubau. Der Grundstein dafür wurde im Mai 2023 gelegt. Im Frühjahr 2024 stieg das Richtfest. Gut eineinhalb Jahre später wurde der Betrieb wieder aufgenommen – und zwar wie ursprünglich geplant, was alles andere als selbstverständlich ist.

Kosten
Im Plan – und das ist ebenfalls alles andere als selbstverständlich – sind mit etwas mehr als 143 Millionen auch die Kosten geblieben. Der Kreistag hatte ursprünglich zwar eine Kostenobergrenze von knapp 130 Millionen Euro festgeklopft. Das war allerdings vor dem Krieg in der Ukraine und den unter anderem dadurch entstandenen konjunkturellen Verwerfungen. Die 2022 vereinbarten 143,4 Millionen Euro wurden indes gehalten.

Ämter
Die während des Baus verteilten Ämter sind oder werden sukzessive wieder in die Pulverwiesen zurückkehren. Viele sind bereits „angekommen“. Das Kreisjugendamt, das Amt für Integration und Flüchtlingsaufnahme sowie das Amt für Bauen und Naturschutz folgen im nächsten Frühjahr.