Schirm auf: In Stuttgart gab es im Mai 15 Tage mit Regen. Foto:  

Der letzte Frühlingsmonat 2019 bescherte der Stadt vor allem viel Regen. Den es auch dringend gebraucht hat. Von einem Rekord war man aber noch weit entfernt – der datiert aus dem Jahr 2018.

Stuttgart - Bewegung ist gesund, heißt es. So gesehen hat uns das Wetter im Mai sehr gut getan. Nachdem viele Menschen im staubtrockenen und um Ostern herum frühsommerlich milden April die Restbestände an schwerem Rotwein in den Keller gebracht, die Gartenstühle auf den Balkon geschleppt und das Fahrrad aus den Untiefen der Garage geborgen haben, hieß es im Mai Kommando zurück und Heizung wieder an. Dazu den Wein wieder hoch, die Stühle runter und wo um alles in der Welt ist eigentlich die Skijacke abgeblieben?

Der Regen im Mai war dringend nötig

Kein Zweifel – der Mai war mit einer Durchschnittstemperatur von 12,1 Grad gut 1,2 Grad kühler als ein statistisch unauffälliger letzter Frühlingsmonat (13,3 Grad). Und im Vergleich zum Mai 2018 war es sogar regelrecht kalt. Vor einem Jahr wurde für die Wetterstation Stuttgart-Schnarrenberg eine mittlere Temperatur von 16,9 Grad ermittelt, das war Rekord für einen Mai seit Beginn der Messungen 1951 und satte 4,8 Grad wärmer als in diesem Jahr. Wobei der Mai auch noch härter kann als 2018. „1957 war der bisher kühlste Mai mit 10,6 Grad“, sagt dazu Andreas Pfaffenzeller, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart.

Aber Meckern gilt nicht: Schließlich firmiert der Mai ja auch als Wonnemonat – und das war er vor allem für die Freunde einer frischen, grünen Landschaft. Während vor einem Jahr unter Dauersonne und Trockenheit der Rasenmähermarkt völlig zusammenbrach und verzweifelte männliche Mähbürger ihre 8-PS-Monster zu Gokarts oder Hochleistungs-Teichpumpen umbauten, sprießte das Grün im Mai 2019 derart, dass jeden Samstag die Motoren knatterten, als hätten Mofas ihre Schalldämpfer verloren. Das Mäh-Inferno lag am Regen, der so reichlich fiel, wie er auch benötigt wurde. Insgesamt kamen knapp 105 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel, das waren satte 60 Liter mehr als 2018 und immerhin noch 21 Liter mehr als im Mittel.

Fast 100 Liter Wasser an einem Maitag 1978

Darüber haben sich allerdings nur die beschwert, denen die Balance der Natur egal ist oder die partout die auf Sommerruhe umgeschaltete Heizung nicht mehr aktivieren wollten, weil man das nach dem 15. April eben nicht mehr tut. Am meisten Regen fiel am 21. Mai mit 25,5 Litern pro Quadratmeter. An diesem Dienstag regnete es gefühlt nur einmal und das heftig. Wobei das durchaus noch nasser geht. Viel nasser. Der absolute Regenrekord für Stuttgart datiert vom 22. Mai 1978 mit knapp 97 Litern. Die Stuttgarter Zeitungen schrieben damals vom „größten Unwetter seit Menschengedenken“.

Ob der viele Regen im Mai 2019 dazu führt, dass heuer nicht das dritte zu trockene Jahr nacheinander wird, ist natürlich noch offen. Aber es könnte durchaus klappen. Januar, März und auch der Mai waren nasser als der Schnitt, es sieht also durchaus erfreulich aus für die durchgetrockneten Böden. „Insgesamt waren die meteorologischen Frühjahrsmonate März, April und Mai zu warm, sonnenreich und nahezu durchschnittlich nass“, sagt Andreas Pfaffenzeller, der 1,2 Grad für die drei Monate über dem Schnitt, etwa 115 Prozent Sonnenscheindauer und knapp 98 Prozent Regen für das Stuttgarter Frühjahr 2019 errechnet hat.

Der Sommer kommt mit Schauern

Und jetzt kommt der Sommer. Seit vergangenen Samstag mit Macht und Hitze, von der Wochenmitte an dann mit ein paar kurzen Temperaturdellen, aber wohl doch mit deutlich höheren Werten als im Mai. Ob das auf einen Supersommer auf den Spuren von 2018 schließen lässt, ist aber so ungewiss wie die Zukunft von CDU und SPD als Volksparteien. Wettervorhersagen über fünf Tage hinaus haben kaum mehr Qualität als eine Prognose der Lottozahlen.

Zumindest für die nächsten Tage wird aber eine eher wechselhafte West-Wetterlage in Stuttgart erhalten bleiben, die immer mal wieder Schauer und Gewitter im Gepäck haben kann. Staubtrocken dürfte es also nicht werden, allen Freunden des gepflegten Rasenmähens droht also kein arbeitsloser Monat wie 2018.

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