Das Lamparterhaus liegt am Ortsausgang von Vaihingen/Enz in Richtung Roßwag. Auf dem Berg im Hintergrund sieht man das Schloss Kaltenstein. Foto: factum/Granville

Thomas Hitschler wohnt in einem denkmalgeschützten Haus in Vaihingen an der Enz. Die Renovierungen sind aufwendig und teuer – und manchmal findet Hitschler skurrile Dinge.

Vaihingen/Enz - Fide, sed vide cui“ – „trau, aber schau, wem“, steht auf dem Inschriftenstein des Hauses an der Mühlstraße 21 in Vaihingen/Enz. „Das habe ich als Wahlspruch übernommen“, sagt Thomas Hitschler. Viel Vertrauen musste der Bauingenieur auch mitbringen, als er im Jahr 1997 das Lamparter-Haus in Vaihingen/Enz kaufte: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Vertrauen in das Können der Handwerker und Vertrauen in die Kooperationsbereitschaft des Landesdenkmalamts.

Denn Hitschler hat nicht irgendein Haus gekauft: das Lamparter-Haus wurde im Jahr 1617 erbaut und ist damit eines der ältesten erhaltenen Gebäude in der Stadt. Den Namen hat es von seinen letzten Besitzern, der Familie Lamparter.

„Als ich das Haus zum ersten Mal gesehen habe, war ich so ergriffen, das war wie Liebe auf den ersten Blick“, sagt er. In den kommenden Jahren steckte er viel Zeit, Geld und Herzblut in die Renovierung des maroden Gebäudes. „Im Dachgeschoss lag der Taubenkot zehn Zentimeter hoch“, erinnert Hitschler sich. In der ersten Sanierungsphase von 1997 bis 2000 machte er die unteren Geschosse flott, so dass der ehemalige Gasthof nun drei Wohneinheiten bietet. Dafür gab’s den Denkmalschutzpreis in Baden-Württemberg. Seit Dezember ist Hitschler in Rente, „und jetzt mache ich den Rest“, sagt er mit Blick auf die drei Dachgeschosse. Dass er im Grunde seit 20 Jahren auf einer Baustelle lebt, macht ihm nichts aus.

Mehr als 5000 Stunden Eigenarbeit

Er schätzt, dass er mehr als 5000 Stunden Eigenarbeit in das Haus gesteckt hat. Wie viel Geld genau er für Handwerker, Restauratoren und Material ausgegeben hat, will er nicht öffentlich sagen – es war ein oberer sechsstelliger Euro-Betrag. Vom Landesdenkmalamtgibt es Zuschüsse von bis zu 50 Prozent der Ausgaben, jedoch nur für so genannte „denkmalbedingte Mehrkosten“. Für einen Wandputz, der historisch korrekt aufgetragen wird und der Originalfarbe nahekommt, gibt es beispielsweise 20 Prozent. Dafür muss Hitschler alles akribisch fotografieren, ausmessen und skizzieren.

Dass es nicht einfach ist, ein so altes Haus zu renovieren, erklärt Hitschler anhand von zwei Beispielen. Zum einen sei es heute schwer, Handwerker zu finden, die noch traditionelle Techniken beherrschen. „Da müssen sie Spezialisten suchen und das wird teuer“, sagt er. Zum anderen fehle zum Teil auch das Material. So gebe es auch keine Holzdielen mehr jenseits der Breite von 20 Zentimetern. „Die Verkäufer haben Angst, dass das Holz sich biegt. Heutzutage werden die Bretter keine 20 Jahre mehr gelagert, ehe sie verkauft werden.“

Umfangreiche Dokumentation auf der Homepage

Wer ein denkmalgeschütztes Haus erwirbt, sollte sich keinen Illusionen hingeben, sagt Hischler: „Man braucht einen starken finanziellen Hintergrund und natürlich viel Liebe und Hingabe zum Objekt.“ Die Tatsache, dass er von Beruf Bauingenieur ist, habe auch geholfen. Ein historisches Interesse ist bei ihm auch vorhanden, auf seiner Homepage dokumentiert er Wissenswertes zum Haus. Beispielsweise, dass für den Bau des Hauses auch Holz verwendet wurde, das per Floß auf der Enz vom Schwarzwald nach Vaihingen transportiert worden war.

Ein gruseliger Fund am Morgen

Ein besonders gruseliger Fund aber waren die Leichen zweier Katzen, die im Boden zwischen Obergeschoss und Erdgeschoss nahe eines Kamins eingebaut waren. „Als ich da die Bretter abgenommen habe, kamen mir diese Katzenmumien entgegen – und ich hatte noch nicht mal gefrühstückt“, erinnert sich Hitschler. Er schätzt, dass die Tiere als Bauopfer lebendig begraben worden waren. Sie sollten wohl Hexen und Dämonen fernhalten. Auch ein Fund: ein Getreidekreis mit zwei Ziegenbock-Füßen. Er sollte wohl den Teufel bannen.

Bis Ende 2017 muss die Renovierung fertig sein, sonst könnten Fördermittel des Landes verloren gehen. Zum Tag des offenen Denkmals will Hitschler sein Haus für Interessierte öffnen. Und danach? „Irgendwann will ich auch ein Buch schreiben über die Restaurierung.“

Gebäude Das Haus Lamparter ist ein repräsentatives Bürgerhaus aus dem Jahr 1617. Es wurde 1929 als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung eingetragen. Lange als Gasthaus genutzt, stand es seit 1989 leer, wurde dann an eine Baugesellschaft verkauft und nach deren Insolvenz von Thomas Hitschler grundlegend instandgesetzt.

Führung Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag können Interessierte das Haus von 10 bis 18 Uhr besichtigen. Führungen mit Thomas Hitschler gibt es um 10, 14 und 17 Uhr.

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