In „Spectre“ 2015 zum vierten Mal als Geheimagent James Bond zu sehen: Daniel Craig Foto: Sony Pictures Deutschland

Pompöses Popcornkino bestimmt die Kinokollektion 2015 wie selten zuvor. Comic-Verfilmungen, Science-Fiction-Spektakel sowie die Fortsetzungen bewährter Kassenknüller wirft die Traumfabrik derart massiv auf den Markt, dass eine Kannibalisierung der Blockbuster kaum ausbleiben dürfte.

Große Weihnachtsauswahl

Kaum waren die erste Mini-Schnipsel von „Star Wars: Episode VII“ (Kinostart: 17. 12.) in den sozialen Netzwerken verfügbar und wurden sogleich superlative 58 Millionen Mal angeklickt, da melden sich schon die Macher von James Bond zu Wort und kündigen mit viel Medienauftrieb und Twittergewitter den Drehstart von „Spectre“ (Kinostart: 29. 10.) an, dem 24. Spektakel der Agenten-Reihe. Daniel Craig bekommt es bei seinem vierten Auftritt als 007 mit einer dubiosen Geheimorganisation zu tun und mit Christoph Waltz als Gegenspieler.

In das lukrative Weihnachtsgeschäft drängen zudem die Astronauten-Saga „The Martians“ (Kinostart: 26. 11.) von „Alien“-Vater Ridley Scott, der zweite Streich von „Die Tribute von Panem“ (Kinostart: 19. 11.) sowie der fünfte Aufguss von „Mission: Impossible“ (Kinostart: 23. 12.), bei dem Tom Cruise diesmal vor der Kulisse der Wiener Staatsoper seine Actioneinlagen als Geheimagent absolviert.

Ein Jahr der Comebacks

Gleichfalls in die fünfte Runde geht der gute alte „Terminator“ (Kinostart: 9. 7.), bei dem der 67-jährige Arnold Schwarzenegger ein sommerliches „I’ll be back“-Comeback als futuristischer Cyborg versucht. Andere Klassiker werden ebenfalls neu aufgelegt. Die Dinosaurier toben in 3-D in „Jurassic Park IV“ (Kinostart: 11. 6.), das Spektrum der Animationsabenteuer reicht von „Asterix im Land der Götter“ (Kinostart: 26. 2.) über „SpongeBob“ (Kinostart: 19. 2.) und die „Schlümpfe“ (Kinostart: 1. 8.) bis zu den „Peanuts“ (Kinostart: 3. 12.).

Weibliche Selbstfindungen

Nur für Erwachsene ist dagegen „Fifty Shades Of Grey“ (Kinostart: 12. 2.), die Verfilmung des gleichnamigen Erotik-Bestsellers, bei der eine junge Literaturstudentin zum Lustobjekt eines älteren Milliardärs mit allerlei Sadomaso-Fantasien wird. Der Film feiert seine Premiere auf der diesjährigen Berlinale.

Dezenter fällt der Selbstfindungskurs in der Romanverfilmung „Der große Trip – Wild“ (Kinostart: 15. 1.) aus. Frühzeitig sicherte sich Oscar-Preisträgerin Reese Witherspoon („Walk The Line“) die Filmrechte an dieser wahren Wandergeschichte und übernahm die Rolle der Cheryl Strayed, die drei Monate lang 800 Kilometer auf einem Fernwanderweg durch die einsame Wildnis im Westen der USA marschierte.

Bürgerrechtler Emmerich

Eine andere Geschichte aus dem wahren Leben erzählt „The Imitation Game“ (Kinostart: 22. 1.). Der mit „Sherlock“ zum Kult-Mimen avancierte Benedict Cumberbatch gibt das verschrobene Mathematik-Genie Alan Turing, der die Codierung der deutschen Enigma-Maschine knackte und mit diesem Wissen den Zweiten Weltkrieg entscheidend beeinflusste. Seine Meisterleistung bleibt jahrzehntelang topsecret. Schlimmer noch: Wegen seiner Homosexualität wird der Wissenschaftler in den 50er Jahren verurteilt und in den Suizid getrieben. Erst 2013 wird Turing von der Queen rehabilitiert – und bekommt mit diesem bewegenden Drama ein eindrucksvolles Denkmal, das höchst Oscar-verdächtig ist.

Um Zeitgeschichte kümmert sich nun auch Roland Emmerich. Bislang auf spektakuläre Fantasy-Streifen abonniert, schildert der Hollywood-Auswanderer aus Stuttgart in „Stonewall“ (noch ohne Termin) ein entscheidendes Kapitel der Schwulenbewegung: Nach einer Razzia im New Yorker „Stonewall Inn“ wehren sich die Besucher 1969 gegen die Polizeiwillkür und fordern Gleichberechtigung – woran bis heute in den Christopher-Street-Day-Paraden erinnert wird.

Wenders und Tykwer

Auf Englisch drehte Wim Wenders seinen jüngsten Spielfilm. Das Sühne-Drama „Every Thing Will Be Fine” (noch ohne Termin) erzählt von einem Schriftsteller, der bei einem Verkehrsunfall ein Kind tötet und mit seiner Schuld nicht fertig wird. Neben dem angesagten US-Star James Franco spielt die französische Schauspiel-Ikone Charlotte Gainsbourg mit, und wie schon in seiner Oscar-nominierten Tanz-Hommage „Pina“ setzt Wim Wenders erneut aufs stereoskopische 3-D-Format.

Auch Tom Tykwer präsentiert sich international. Mit Tom Hanks in der Hauptrolle erzählt „Ein Hologramm für den König“ (noch ohne Termin) von einem finanzklammen Geschäftsmann, der dem saudischen König ein neuartiges Kommunikationssystem verkaufen will.

Elser und Kehlmann

Damit nicht genug der renommierten deutschen Filmemacher. Vom deutschen Widerstand gegen das NS-Regime handelt „Elser“ (Kinostart: 2. 4.), das Porträt des schwäbischen Schreiners Georg Elser, der am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller ein Bombenattentat auf Adolf Hitler plant. Der Anschlag misslingt, weil Hitler 13 Minuten vor der Explosion den Ort verlässt. Inszeniert wurde das Biopic von Oliver Hirschbiegel, der 2005 für „Der Untergang“ für den Oscar nominiert war.

„Good Bye Lenin!“-Regisseur Wolfgang Becker verfilmte nach langer Kreativpause Daniel Kehlmanns Roman „Ich und Kaminski“ (noch ohne Termin). Daniel Brühl gibt darin einen erfolglosen Kunstkritiker, der die Biografie des sagenumwobenen Malers Kaminski schreiben will, was allerlei Tricks und Kniffe erfordert. Während Skandalfilmer Oskar Roehler mit „Tod den Hippies, es lebe der Punk“ (Kinostart: 19. 3.) eine Zeitreise in das Westberlin der 1980er Jahre bietet, inszeniert Wolfgang Murnberger mit „Das ewige Leben“ (Kinostart: 5. 3.) einen weiteren Krimi von Wolf Haas mit Josef Hader als kauzigem Ermittler.

M’Barek contra Craig

Last, not least steht auch der größte anzunehmende Kassenerfolg des kommenden Jahres so gut wie fest: Elyas M’Barek geht als Aushilfslehrer Zeki Müller mit „Fack Ju Göhte 2“ (Kinostart: 10. 9.) in die zweite Runde. Das Original hat im deutschsprachigen Raum über acht Millionen Zuschauer gelockt – da muss sich Blockbuster-Konkurrent 007 tatsächlich anstrengen.