Mehrbettzimmer sind passé: wer es sich leisten kann, wohnt im Einzelzimmer auf der Komfort-Station fast wie im Hotel. Links im Bild Liza Bartsch, Referentin der Geschäftsführung, rechts Geschäftsführer Sebastian Stief. Foto: Tilman Baur

Das Karl-Olga-Krankenhaus im Stuttgarter Osten hat seit seiner Gründung im Jahr 1894 einige Wandlungen durchgemacht. Am Samstag feierte es sein 125-jähriges Bestehen.

S-Ost - Die in einer Vitrine ausgestellte Büste der Königin begrüßt Besucher des Karl-Olga-Krankenhauses nur wenige Schritte hinter dem Haupteingang. Die zentrale Positionierung des Abbilds der Förderin des Krankenhauses ist kein Zufall. Sie erinnert an die Entstehungsgeschichte. „Der Geist der Diakonissen ist noch allgegenwärtig“, sagte Liza Bartsch, Referentin der Geschäftsführung, am Samstag bei einer Hausführung im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich des 125-jährigen Geburtstags.

Die im „Verein für Krankenpflegerinnen“ organisierten Diakonissen, also Mitglieder einer evangelischen Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft, gründeten das Krankenhaus am 1. April 1894. Die württembergische Königin hatte sie zu diesem Zweck als Olgaschwestern von Heilbronn nach Stuttgart gerufen. Die Einrichtung sollte die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung des damals noch jungen östlichen Stuttgarter Stadtteils garantieren.

Heute gibt es noch sieben Olgaschwestern

„Die Schwestern haben ein Taschengeld bekommen, verzichteten aber auf ein Einkommen. Dafür garantierte ihnen das Mutterhaus, dass sie bis zum Lebensende versorgt sein würden“, erklärte Stefan Loos, Diakonischer Vorstand des Diakonissen-Mutterhauses. Heute gibt es noch sieben Olgaschwestern, die in einem eigenen Gebäude auf dem Areal der Klinik leben.

Die Verantwortlichen betonen, dass der christliche Geist noch im Haus waltet, auch wenn sich durch die Beteiligung der privaten Krankenhausgruppe Sana Klinken AG im Jahr 1985 einiges verändert hat. „Wir leben diese Verbindung mit den Olgaschwestern noch immer“, sagte Geschäftsführer Sebastian Stief.

Immerhin halte das Mutterhaus noch 26 Prozent der Anteile am Unternehmen. Vom Hauptgebäude aus ging es weiter auf die Dachterrasse. Dort können Patienten die Ruhe genießen oder den Ausblick auf die Stadt. „Schön hier oben, da kann man mal einen Familienausflug her machen“, meinte ein älterer Herr. Die Dachterrasse ermöglicht auch einen Rundumblick auf die drei Gebäude des Krankenhauses, das nach und nach anwuchs.

Ohnehin könne man die historische Entwicklung nicht von der medizinischen trennen, betonte Sebastian Stief. Im Jahr 1894 habe das Krankenhaus lediglich zwei Abteilungen gehabt: die Chirurgie und die innere Medizin. Mittlerweile seien daraus zwölf geworden. Allein der technische Fortschritt und die Vielzahl an Appara­turen habe dazu geführt, dass Krankenhäuser mehr Platz brauchten und anbauen mussten.

Mehrbettzimmer gehörten mittlerweile der Vergangenheit an

Ein weiterer Kontrast zu den Anfangszeiten seien die Bedingungen in den Zimmern: Mehrbettzimmer gehörten mittlerweile der Vergangenheit an, sagte Stief, maximal zwei Menschen teilten sich heute im Karl-Olga-Krankenhaus einen Raum. Selbstzahler können aber auch Einzelzimmer beziehen und fast wie im Hotel wohnen, wie der Blick in die Komfort-Station zeigte – inklusive Wäscheservice und eigenem Bademantel. Stief zufolge liegt die Besonderheit des Krankenhauses in seiner Größe begründet: groß genug nämlich, um viele Fachabteilungen ausdifferenziert abzubilden, klein genug, um eine familiäre Atmosphäre zu gewährleisten.

„Man kann sich hier auch aus einer niedrigen Position heraus hocharbeiten“

Viele Mitarbeiter seien schon 30 Jahre im Haus tätig. Technik-Chef Christian Balzer bestätigte diese Einschätzung. Er gilt als gute Seele des Hauses und gehört seit 25 Jahren zum Team. „Man kann sich hier auch aus einer niedrigen Position heraus hocharbeiten, das ist fantastisch“, so der Elektromechaniker. Man komme einfach gern zum Arbeiten: sogar in seiner Hochzeitsnacht sei er kurz hergefahren, um eine technische Schwierigkeit zu beheben.

Auf die Führungen allein beschränkte sich das Jubiläumsprogramm jedoch nicht. Zahlreiche Fachvorträge standen zur Auswahl: die Themen reichten von chronischen Schmerzen, Adipositas und Durchblutungsstörungen in den Beinen bis hin zu „Neuem und Bewährtem in der Hüft- und Knieendoprothetik“. Info-Stände gaben Einblick in die Welt der Medizin. An einem demonstrierte eine Mitarbeiterin Behandlungsinstrumente, die in der Gefäßchirurgie zum Einsatz kommen.

An einem anderen animierte Krankenhaushygieniker Hans-Josef Lemmen Besucher zur Hände-Desinfektion und zur anschließenden Kontrolle unter einer Schwarzlicht-Vorrichtung, die zeigte, welche Stellen man ausgelassen hatte. Studien zufolge reichen 30 Sekunden Händedesinfektion aus, um die Infektionsgefahr für sich und andere drastisch zu verringern.

Wer Studien Studien sein lassen wollte, konnte sich mit Bratwürsten stärken oder einer Akkordeon-Kapelle lauschen. Dem Geist des Hauses entsprechend erlebten Besucher am Samstag nämlich keine reine Info-Veranstaltung, sondern auch ein kleines Familienfest.

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