So detailliert sieht man Wespen selten. Die fantatischen Tiere nehmen die meisten als nimmersatte Plagegeister im Garten und auf dem Balkon wahr. Foto: dpa

Sommerzeit – Wespenzeit. Die fliegenden Süßmäuler scheinen in diesem Jahr so viel wie nie zu sein. Hier einige Tipps für ein gutes Miteinander mit diesen beeindruckenden Tierchen.

Stuttgart - Bzzz! Bzzz! Bzzz! Panik. Der erste Reflex: Fuchtel! Klatsch! Das Ende: „Autsch! Das Mistvieh hat mich gestochen!“

So liest oder ähnlich sich die Kurzform jener Dramen, die sich derzeit hundertausendfach in Deutschlands Gärten abspielen. Ihre Protagonisten: Auf der einen Seite sonnenhungrige Gartenbesitzer, der Kaffee und Kuchen, Limo und Bier in Ruhe genießen wollen. Auf der anderen Seite kleine stachelbewehrte Plagegeister und Flugakrobaten, die sich im Stuka-Stil auf alles Süßes stürzen.

Lesen Sie auch: Bienen, Wespen, Hornissen - Wie gefährlich sind Insektenstiche?

Die Rede ist von der Echten Wespe, genauer der hier zu Lande am verbreiteten Deutsche Wespe, Gemeinen Wespe und Hornisse. Die schwarz-gelb geringelten Insekten sind berüchtigt für ihren Heißhunger und ihre Unverfrorenheit. In diesem Sommer fallen sie in solcher Zahl über die Bundesbürger her – vor allem die im wärmeren Süden Deutschlands –, dass man schon von einer „Wespenplage“ spricht. Die Insekten mögen es warm und trocken. Durch das milde Klima im Frühjahr begünstigt, haben sie sich kräftiger vermehrt als in anderen Jahren, die zu Beginn kühl und regnerisch waren. Die Hitze kann ihnen nicht mehr viel anhaben, so dass sie sich mit aller Energie über alles Süße hermachen können.Was kann man gegen die Invasoren tun kann und was sollte man lassen, verraten wir hier:

1. Nicht rumfuchteln

Das ist die Mutter aller Regeln: In Ruhe lassen, nicht reizen! Wer panisch mit den Armen herumfuchtelt, ist selber schuld, wenn er von einer Wespe gepikst wird. Bienen und Wespen werten hektische Bewegungen als Angriffssignal und greifen an. Das kann ihnen keiner übel nehmen, schließlich ist es ein natürlicher Reflex, um sich und ihr Volk zu schützen. Im Gegensatz zu den Bienen können Wespen beliebig oft zustechen und dabei ihr Gift einspritzen. Vorsicht! Der Stichreflex ist selbst bei zerteilten oder gerade verendeten Tieren noch vorhanden.

2. Nicht füttern

Der Duft von Lebensmitteln lockt Wespen an. Mit ihrem Beißwerkzeug nagen sie am Grillfleisch und an anderen eiweißhaltigen Spezereien, mit denen sie ihre Brut füttern. Wenn ab August die Jungen flügge sind, steht zuckerhaltige Nahrung, die schnelle Energie liefert, auf dem Speisezettel. Wespen lieben Fallobst, verschmähen aber auch keine Torte und Süßspeise. Für Wespen ist ein gemütliches Kaffeekränzchen oder ein Grillnachmittag wie ein Ausflug ins Schlaraffenland. Je üppiger die Tafel, desto mehr Tiere werden angelockt. Am Besten sollte man nur so viel Essen nach draußen tragen, wie man auch wirklich verspeist. So verfliegt der einladende Geruch schneller und man hat länger seine Ruhe.

3. Nicht kokeln

Wespen sind Hemerophile – also Kulturfolger, die sich in der Nähe von menschlichen Behausungen wohl fühlen. Hier gibt jede Menge künstliche Behausungen wie Rollladenkästen oder Dachgestühle, in denen sie ihre Nester bauen. Es gibt allerlei Hausmittel, um der Plagegeister Herr zu werden. Man kann zum Beispiel Kaffeepulver in einen Aschenbecher schütten und anzünden. Das Pulver schwelt langsam vor sich hin und der Rauch soll Wespen fernhalten. Manche schwören drauf, andere halten es für groben Unfug. Tatsche ist: Hungrige Wespen lassen sich durch für sie unangenehme Gerüche von Duft- und Räucherkerzen oder Rauchschwaden nicht so einfach vertreiben.

4. Ordentlich essen

Das Allerwichtigste: Keine Wespe aus Versehen verschlucken! Aufmerksam und mit Bedacht essen ist ohnehin gesünder als schlingen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte alle Speisen und Getränke abdecken und Strohhalme verwenden. Gezuckerte Essensreste auf der Kleidung und am Mund sind für Wespen eine willkommene Einladung. Diesen Umstand können sich Eltern pädagogisch zunutze machen, indem sie ihre Kinder mahnen: Wenn Du den Kuchen nicht ordentlich isst, kommen die Wespen. Der Nachwuchs wird schnell merken, dass dies ein sehr gut gemeinter Rat ist.

5. Nicht pusten

Auch ein häufig gemachter Fehler: Die Wespe wird angepustet in der Hoffnung, dass sie sich verzieht. Das in der Atemluft enthaltene Kohlenstoffdioxid macht Wespen allerdings so aggressiv, dass sie gleich zum Angriff übergehen. Kohlenstoffdioxid ist für Wespen ein Warnsignal, dass sie von einem Feind angegriffen werden.

6. Kühlen, kühlen, kühlen

Autsch. Nun hat sie doch gestochen. Der Körper reagiert auf die Histamine und andere Botenstoffe im Wespen- und Bienengift mit schmerzenden Rötungen und Schwellungen, die übel jucken. Nur keine Panik: Die Symptome sind in der Regel lokal begrenzt und werden innerhalb von 24 Stunden deutlich weniger. Auf gar keinen Fall kratzen und scheuern, wenn’s juckt. Dann besteht die Gefahr, dass sich die Einstichstelle entzündet. Am besten den Stachel vorsichtig entfernen uns die Stichstelle schnell mit Eis oder kaltem Wasser ein paar Minuten kühlen, um die Schwellung zu verringern. Man kann auch ein geeignetes Gel auftragen. Eine Zwiebelhälfte hilft genauso, weil die Verdunstungskälte und die ätherischen Öle Schwellungen vorbeugen.

7. Ruhe bewahren

In den meisten Fällen sind Wespenstiche harmlos. Wer allerdings das Pech hat zu den rund drei Millionen Allergikern in Deutschland zu gehören, die auf Bienen- oder Wespenstiche heftiger reagieren, sollte gewappnet sein. Bei einer allergischen Reaktion kann der Blutdruck in den Keller gehen, die Stichstelle abnorm anschwellen und es kann einem schwindlig werden. Im schlimmsten Fall kann ein solcher anaphylaktischer Schock zum Tod führen. In Deutschland sterben pro Jahr rund 20 Menschen an den Folgen eines Insektenstichs. Allergiker sollten deshalb immer ein Notfall-Set dabei haben: ein Antihistaminikum, ein Kortisonpräparat und Adrenalin. Bei einem anaphylaktischen Notfall zuerst das Adrenalin in den Oberschenkelmuskel spritzen.

8. Mund zu

„Am Tisch isst man mit zuem Mund.“ Diese Mahnung gehört zum Grundinventar einer jeder guten Erziehung. Tatsächlich: Wer schmatzt, lebt gefährlicher. Ein Stich in die Lippe tut höllisch weh. In den Rachenraum aber kann er lebensbedrohlich werden, wenn Erstickungsgefahr durch Zuschwellen der Atemwege droht. Deshalb: Bei empfindlichen Stellen wie Atemwege, Schleimhäute oder Augenbereich sollte man ganz besonders vorsichtig sein. Wird man trotzdem in Mund, Zunge oder Rachen gestochen, sofort Eiswürfel lutschen und wenn’s schlimmer wird sich zum nächsten Krankenhaus fahren lassen.

9. Spritzen hilft

Wer besonders stark auf Insektenstiche reagiert, muss sich hypersensibilisieren lassen. Über mehrere Jahre wird – erst alle vier, später sechs Wochen - Insektengift injiziert. Der Körper entwickelt mit der Zeit eine Toleranz gegenüber dem Gift, die Reaktion auf Stiche fällt weniger heftig aus. Auch wenn die Therapie anschlägt, sollte man sich später ein anderes Hobby als die Imkerei aussuchen.

10. Nicht morden

Wespenfallen mit Lockstoffen sind in Wespen-Sommern wie diesem heiß begehrt. Sie sind genauso effektiv wie selbst gebastelte Fallen aus Gläsern. Wespen drin, Schwups, Deckel drauf. Dass die nützlichen Tiere in diesen Mord-Installationen einen qualvollen Erstickungstod erleiden, sollte zu denken geben. Der Trick hilft auch nur bei alten und schwachen Tieren. Junge und kräftige Wespen haben Besseres zu tun, als darauf reinzufallen. Und wenn’s schief geht, ist die Wespe erst recht sauer und bedankt sich mit einem Stich. Die sterbenden Tiere geben im Todeskampf einen Duftstoff (Pheromon) ab, der weitere kampfeslustige Artgenossen anlockt.

11. Nicht abkupfern

Wespen haben’s angeblich nicht so mit dem Geld. Kupfermünzen zwischen den Fingern gerieben und auf dem Tisch verteilt, sollen die kleinen Racker abhalten. Der metallische Geruch soll sie vertreiben. Gehört auch eher ins Reich der Fabel und Legenden.

12. Nicht stochern

Wespen sind bei der Verteidigung ihres Nestes nicht zimperlich. Wer sich ihm nähert oder darin rumstochert, wird unbarmherzig attackiert. Ein Mindestabstand von sechs Metern zu einem Nest ist ratsam. Sollte sich das Nest im Garten oder am Haus befinden, muss ein Kammerjäger kommen und es entfernen. Wespen können ihre Artgenossen mit Geruchsstoffen warnen und Angreifer damit markieren. Wer einem Wespennest zu nahe kommt und angegriffen wird, sollte zügig das Weite suchen.

13. Weiß statt Pink

Wer im Garten oder auf dem Balkon seine Ruhe haben will, sollte auf bunte Kleidung verzichten. Pink, Neon und andere grelle Farben ziehen Wespen an, weiße Kleidung dagegen ist für sie optisch öde. Auch Parfüms und stark duftende Cremes können sie anlocken. Also besser ein bisschen Miefen.

14. Lesen statt schlagen

Das Dümmste, was man mit der Zeitung machen kann, ist mit ihr nach Wespen zu schlagen. Hat man eine erwischt, bedeutet das noch lange nicht das Ende der Story. Der Korpsgeist unter Wespen ist so stark, dass der Tod einer Artgenossin die anderen nur noch mehr anstachelt.

15. Ablenken hilft

Eine Methode hilft immer: Wespen kann man mit überreifen Früchten weglocken. Eine Schale fünf bis zehn Meter von Tisch entfernt aufstellen. Die Tiere lernen schnell, dass es dort etwas zu holen gibt. Der Nachteil: Es spricht sich bei den angrenzenden Wespenkolonien schnell herum, dass es in dieser Ecke der Gärten was zu holen gibt. Es kommen immer mehr Wespen, die die Umgebung abfliegen und wieder auf dem Kaffeetisch landen.

16. Natürlich stänkern

Hölzer oder Kissen mit pflanzlichen Duftstoffen wie Nelken- oder Teebaumöl sind eine wirkungsvolle Alternative zur chemischen Keule. Allerdings hilft das nur in kleinen Räumen, in denen das Öl nicht so schnell verfliegt wie draußen.

17. Schützen statt meucheln

Wespen stehen genauso wie Wildbienen, Hummeln und Hornissen unter Artenschutz. Sie sind Nützlinge, die ihre Larven mit Fliegen, Spinnen, Heuschrecken, Mücken, Raupen und Aas füttern. Vor allem Blattläuse und deren süßliche Ausscheidungen gehören zu ihren bevorzugten Leckereien. Ein starkes Wespenvolk vertilgt pro Tag bis zu 500 Gramm Insekten und Schädlinge. Eine starke Population ist folglich ein gutes Zeichen, dass die Natur intakt ist und der heimische Garten ein ideales Biotop für alles ist, was kreucht und fleucht. Mal ehrlich: Ist das nicht sehr viel wichtiger als das bisschen „Bzzz Bzzz Bzzz“ bei schönem Wetter und ein kleiner Stich?

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: