Miamis Center Edrice Femi Adebayo, genannt Bam Foto: AP/Mark J. Terrill

Der Außenseiter Miami Heat setzt im NBA-Finale gegen die Lakers auf Edrice Femi Adebayo.

Miami - Bam-Bam ist eigentlich der kleine putzige Junge mit Keule, der in der Comicserie „Familie Feuerstein“ allerdings über Bärenkräfte verfügt und seinen Vater Barney Geröllheimer immer an den Füßen packt und auf den Boden schleudert. In Anlehnung an Bam-Bam heißt der 2,08 Meter große NBA-Spieler Edrice Femi Adebayo nicht wie er heißt, sondern einfach nur Bam Adebayo, das hat sich so eingebürgert. Den Spitznamen hat er seiner Mutter zu verdanken. Sie hätte den riesigen Burschen ja auch Hase oder Mäuschen nennen können, doch dieser Kelch ging an ihm vorüber.

Bam Adebayo ist dieser Tage im sonnigen Florida ein Held des Basketballsports, denn auch dank seines bemerkenswerten Auftritts im Halbfinale gegen die Rekordmeister von den Boston Celtics steht Miami Heat nach sechs Jahren Pause endlich mal wieder im NBA-Finale, das an diesem Mittwoch mit der Best-of-seven-Serie startet. Gegner sind die Los Angeles Lakers als beste Mannschaft der Western Conference. Im Osten war es das Team aus Miami. Nicht zuletzt, weil Bam so gut in Form war.

Schwer zu greifen

Sie sind als Außenseiter ins Halbfinale gegen Boston gestartet, doch Adebayo war als Center schwer zu greifen. Der Celtics-Coach war sich am Ende gar nicht sicher, ob sie vor der Partie ausreichend über die Physis der Miami-Spieler gesprochen hätten, und wenn ja, dann haben sie das Thema fürchterlich unterschätzt. „Sie sind stark, sie sind körperlich, sie sind tough. Und besonders Adebayo dominierte das vierte Viertel“, sagte der Trainer nach dem verpatzten Finaleinzug und musste anerkennen: „Ich glaube, sie sind im Osten das beste Team.“

Sie sind tatsächlich das beste Team im Osten gewesen – was für eine Überraschung. Das war zuletzt nicht immer so. In den Jahren 2012 und 2013 hatte die Mannschaft aus Florida den Titel geholt, 2014 stand sie immerhin im Finale – doch dann begann die Talfahrt. Die war ganz eng verbunden mit dem Abgang des Superstars LeBron James, einer Ikone des US-Basketballs. Mit ihm wurden die beiden Titel geholt, aber ohne ihn qualifizierte sich die Mannschaft in der Saison 2014/2015 nicht einmal für die Play-offs. In den Folgejahren passierte das noch zwei weitere Male, zuletzt in der vergangenen Saison. Einer wie James, der fehlte an allen Ecken und Enden.

Gegen Rassismus positioniert

Jetzt steht die Mannschaft im Finale, und in den USA fasziniert dieser Tage die wundersame Rückkehr der Miami Heat. „Black Lives matter“ ist die erste Botschaft, die die Mannschaft auf ihrer Internetseite ihren Fans mitteilt und mit der sie sich ehrbar gegen Rassismus positioniert. Daneben ist das Jubelfoto platziert, auf dem sich die Jungs diebisch über den unerwarteten Finaleinzug freuen. „Wir sind Außenseiter, denn niemand dachte, dass wir so weit kommen“, sagte der so hochgelobte Bam Adebayo nach dem finalen 125:113-Sieg, der den 4:2-Erfolg gegen Boston zementiert hatte. Und: „Ich liebe dieses Team, weil wir die Underdogs sind.“ Trainer Erik Spoelstra ist derweil ist ganz begeistert von der Berufsauffassung seines 23 Jahre alten Centers, der kämpft und keinen Ball verloren gibt. „Man kann Bams Spiel nicht analytisch angehen, deswegen wurde er wahrscheinlich auch im College übersehen“, sagt der Coach.

Im großen Finale gegen die Los Angeles Lakers geht es derweil gegen einen alten Bekannten, und der ist nicht irgendwer: Es ist LeBron James, der Supermann der NBA. Auf das Wiedersehen mit ihrem ehemaligen Star freuen sie sich in Miami aber nur bedingt. Der Schlüssel zu einem als von den Experten unrealistisch eingestuften Erfolges gegen die Lakers liegt nämlich darin, James einigermaßen auszuschalten. Nur wenn das gelingt, dürfen die Jungs aus Miami vom Titel träumen.

Droht ein Debakel?

Andernfalls droht ein Debakel. Auch wenn James viele gute Spieler um sich herum weiß, die zentrale Figur ist er, und ihm gilt es das Handwerk zu legen. „Am Ende des Tages läuft es normalerweise nur darauf hinaus“, sagt der Miami-Spieler Jimmy Butler in weiser Voraussicht auf das schwierige Finale. „Man bekommt immer wieder den gleichen Test, bis man ihn besteht – und dieser Test heißt LeBron James.“

Aber auch Butlers Teamkollege Bam Adebayo ist derzeit nicht zu unterschätzen: Er wird die Keule schwingen, um zu gewinnen. Es wäre ein bisschen wie bei David und Goliath. Aber vor allem ganz im Sinne seine Mutter.

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