Wladimir Putin hat Russland auf die Weltbühne zurück gebracht. Foto: AP

Vor 25 Jahren zerfiel die Sowjetunion. Was danach folgte, war alles andere als eine Erfolgsgeschichte.

Stuttgart - In Wiskuli, mitten im weißrussischen Urwald, begann der Anfang vom Ende. Boris Jelzin, Leonid Krawtschuk und Stanislaw Schuschkewitsch trafen sich Anfang Dezember 1991 unter allerhöchster Geheimhaltung in dem staatlichen Jagdhof unweit der Grenze zwischen Weißrussland und Polen. Die Staatschefs von Russland, der Ukraine und Weißrussland sahen den Zusammenbruch des riesigen Reiches nahen und schmiedeten erste Pläne für die Zukunft. Der Sowjetunion sollte – im Falle des Falles – die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) folgen. Wahrscheinlich hatten aber auch die drei Verschwörer nicht geahnt, dass die UdSSR nur noch wenige Wochen existieren sollte. In jenen Tagen aber überschlugen sich die Ereignisse, bis schließlich der Oberste Sowjet der Sowjetunion am 26. Dezember 1991 erklärte, die Sowjetunion werde zum Jahresende völkerrechtlich aufgelöst.

Das Volk hat andere Probleme

Das Volk in Russland nahm diese Nachricht allerdings eher apathisch zur Kenntnis. Die Menschen hatten andere Probleme, sie kämpften jeden Tag ums Überleben, Politik, selbst das Schicksal des eigenen Landes, war nebensächlich geworden. Viele Lebensmittel waren knapp, Fleisch gab es schon lange nicht mehr, Zucker war rationiert. Moskau war angewiesen auf die Unterstützung der USA, die in Transportmaschinen viele Tonnen an Essensrationen der US-Armee einflogen.

Staten versinken im Elend

Doch auch die neue Freiheit brachte nicht die erhoffte Wende – im Gegenteil. In den ersten Jahren versanken die meisten Teilstaaten im Elend. In Russland übernahm Boris Jelzin als Präsident das Ruder – für die Bewohner folgte eine turbulente Zeit mit zahlreichen Privatisierungen, von der vor allem einige wenige Oligarchen profitierten. Die schlechte Wirtschaftslage führte zu etwas, das die Russen bis dahin nicht kannten: sozialer Ungleichheit.

Die Zeit des Wladimir Putin

Im Jahr 2000 löste Wladimir Putin, zu Sowjetzeiten KGB-Agent unter anderem in Dresden, Boris Jelzin als Präsidenten ab. Ihm gelang es, die Verhältnisse zu stabilisieren, und wegen des Ölbooms begann sogar ein wirtschaftlicher Aufschwung. Für den neuen Präsidenten, der die „gelenkte Demokratie“ einführte und erst dieser Tage wieder mit mehr Atomwaffen wie einst im Kalten Krieg drohte, war der Zusammenbruch der Sowjetunion die „größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“. So sehen es heute auch viele Russen. In der russischen Bevölkerung bedauern immer noch 56 Prozent, dass die Sowjetunion zerfallen ist. 28 Prozent der Russen tut der Verlust dagegen nicht leid, wie eine Umfrage des unabhängigen Lewada-Zentrums zum Jahrestag ergab. Mit kleinen Schwankungen ist der Anteil der Sowjetnostalgiker über die Jahre aber leicht gesunken.

Glasnot und Perestroika

Der ehemalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow, der den Zerfall mit seinen Reformen von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) aufhalten wollte und das Gegenteil bewirkt hat, wird von vielen Menschen verachtet. Aber auch 25 Jahre nach seinem Scheitern ist er von seinem Tun überzeugt. Die Union hätte gerettet werden können, sagte Gorbatschow in einem Interview zum Jahrestag. „Man hätte eine Dezentralisierung durchführen müssen, dann wären die neuen Republiken stark geworden, wirtschaftlich wie sozial“, sagte der 85-Jährige der Agentur Tass. Doch auf den Friedensnobelpreisträger, der im Westen für sein damals überaus mutiges Vorgehen verehrt wird, will in seiner Heimat keiner mehr hören.

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