Wer möchte, kann Poetisches per Lyriktelefon ordern. Foto: dpa-tmn/Christin Klose

Die neue Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs Marbach setzt Dichter wie Hölderlin in Szene. Wer möchte, kann deren Gedichte von Schauspielern per Telefon hören.

Krisenzeiten sind Hochzeiten der Nachbarschaftshilfe: Für das Lyriktelefon kooperiert das Schauspiel Stuttgart mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, das seit Samstag im Literaturmuseum der Moderne die Ausstellung „Hölderlin, Celan und die Sprachen der Poesie“ zeigt. So stehen im Lyriktelefon Dichterinnen und Dichter im Vordergrund, deren Handschriften in Marbach zu sehen sind: Neben Friedrich Hölderlin und Paul Celan werden das unter anderem sein: Nelly Sachs, Gertrud Kolmar, Rainer Maria Rilke, Hilde Domin und Else Lasker-Schüler.

Von Montag bis Freitag, 17 bis 19 Uhr, ist das Lyriktelefon aktiv: Zuhörerinnen und Zuhörer können online kostenlos einen Termin buchen, an dem sie angerufen werden möchten, und ihre Telefonnummer hinterlassen. Die Schauspielerinnen und Schauspieler rufen sie zum verabredeten Zeitpunkt an, um ihnen eine Auswahl von Gedichten persönlich am Telefon vorzulesen.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Théâtrophone berühmt: Mit Hilfe des Telefons wurden damals Opern- und Theateraufführungen in die Salons des Pariser Bürgertums übertragen – live. Nicht nur der Schriftsteller Marcel Proust gehörte zu den begeisterten Zuhörern dieses telefonischen Theaters. Dial-A-Poem nannte der amerikanische Performancekünstler und Lyriker John Giorno 1968 seine Aktion, bei der auf Tonbändern aufgenommene Gedichte telefonisch abgehört werden konnten. In Zeiten reduzierter sozialer Kontakte, in denen unsere Bühnen geschlossen sind, entdecken wir das Telefon als künstlerisches Medium wieder. Am Lyriktelefon lesen Schauspielerinnen und Schauspieler des Schauspiels Stuttgart Zuhörerinnen und Zuhörern live Gedichte vor. Der Fernsprecher imaginiert persönliche Anwesenheit. So werden die eigenen vier Wände zum Raum für Fantasien, ja zur Bühne.

Diese Woche lesen Anke Schubert, Katharina Hauter, Klaus Rodewald und Elmar Roloff Gedichte von Friedrich Hölderlin und der Nobelpreisträgerin Nelly Sachs. In der folgenden Woche geht es weiter mit Gedichten von Paul Celan und Gertrud Kolmar. Das aktuelle Wochenprogramm und Informationen zu den gelesenen Gedichten finden Sie unter www.dla-marbach.de. Kostenlose Termine buchen Sie unter www.schauspiel-stuttgart.de/ spielplan.

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