Alte Bekannte: VfB-Manager Michael Reschke, Ex-Trainer Christoph Daum Foto: Baumann

Der Meistercoach von 1992 will seinem Ex-Club bei der Trainersuche keine Ratschläge geben. Der 64-Jährige hat aber eine klare Vorstellung davon, wie der Neue den Tabellenletzten wieder in die Spur bringen kann.

Stuttgart - Christoph Daum ist dem VfB Stuttgart noch immer eng verbunden. Als Meistercoach von 1992 lebt der 64-Jährige im kollektiven Fan-Gedächtnis fort, außerdem unterhält er bis heute gute Kontakte zur Vereinsführung. „Die Mannschaft“, sagt Daum, „ist nicht ohne Grund Tabellenletzter.“

Herr Daum, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation bei Ihrem Ex-Club VfB Stuttgart?

Ich fürchte, ich bin nicht nah genug dran, um sie seriös beurteilen zu können.

Sie haben doch einen engen Draht zu den aktuell Verantwortlichen. Und könnten Ihnen einen neuen Trainer vorschlagen.

Um Himmels Willen! Das würde ich nie tun. Schon gar nicht über die Medien.

Gut. Aber zur Entlassung von Tayfun Korkut haben Sie bestimmt eine Meinung?

Michael Reschke ist erfahren genug, die Strömungen innerhalb von Verein und Mannschaft zu erkennen und entsprechend zu handeln. Das hat er getan.

„Es geht jetzt nicht darum, Beton anzurühren“

Welcher Trainertyp wäre jetzt der Richtige?

Die Frage ist vielmehr, auf was es jetzt ankommt.

Nämlich?

Die Mannschaft ist Tabellenletzter und das sicher nicht ohne Grund. Sie braucht zunächst einmal wieder eine klare Struktur und Stabilität. Damit das Selbstvertrauen und darüber bald auch wieder gute Ergebnisse zurückkommen.

Das heißt, der Neue muss dasselbe machen wie Tayfun Korkut bei seinem Amtsantritt. Hinten dicht und vorne hilft Mario Gomez.

Es geht nicht darum, Beton anzurühren. Damit gewinnst Du heute keinen Blumentopf mehr. Entscheidend ist das Spiel gegen den Ball. Da muss wieder eine klare Ordnung her. So ähnlich, wie Deutschland das nach der verkorksten WM in seinem ersten Spiel danach beim 0:0 gegen Frankreich praktiziert hat. Das ist vielleicht nicht schön, aber effizient. Das ist entscheidend. Oder schauen Sie sich Borussia Mönchengladbach an. Die gewinnen 3:0 bei den Bayern, obwohl sie weniger Ballbesitz haben und weniger Zweikämpfe gewinnen. Die Ordnung aber war 90 Minuten lang top!

Also alles wieder zurück auf Null. Dabei hatten die VfB-Fans gehofft, ihre Mannschaft hätte sich weiterentwickelt.

Der Kader ist gut genug für einen Mittelfeldplatz, dabei bleibe ich. Aber jetzt geht es nicht darum, den FC Barcelona zu kopieren oder um irgendeinen bleibenden künstlerischen Wert, sondern um Punkte. Die Kür muss warten.

„Mit dem Kader lässt sich etwas anfangen“

Inwieweit muss der neue Trainer zur Mannschaft passen?

Soweit ich das beurteilen kann, hat der Kader von allem etwas. In der vergangenen Saison hat die Mannschaft durch ihre defensive Stabilität beeindruckt. Jetzt ist sie auch offensiv verstärkt worden. Damit lässt sich schon etwas anfangen.

Was heißt das für die taktische Herangehensweise?

Die ist nicht so wichtig. Die allermeisten Trainer sind doch in der Lage, mehrere Systeme einzustudieren. Über all dem steht die Ansprache an die Mannschaft und die Frage, wie ich aus einem Nebeneinander wieder ein Miteinander und im Idealfall ein Füreinander hinbekomme.

Das wäre doch eine Aufgabe für Sie!

Das Anforderungsprofil erstellt Michael Reschke und ich bin mir sicher, dass er die richtige Entscheidung treffen wird.

Sehen Sie im Video: Wer soll der neue VfB-Trainer werden?

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: