Das Buch „Der Schwarm“ hat Frank Schätzing bekannt gemacht. Foto: dpa

Mit vielen prominenten Gästen hat der Bestsellerautor Frank Schätzing sein Debütalbum eingespielt. Für einen „Anfänger“ schlägt er sich dabei sehr gut.

Stuttgart - Jetzt singt sie auch noch“: mit solch zugegebenermaßen feiner Ironie ­betitelte Barbara Schöneberger im Jahr 2007 ihr Debütalbum, das ihr fortan in Deutschlands Fernsehlandschaft zu noch größerer Allgegenwart verhelfen sollte als ohnehin schon. Ähnliches wird Frank Schätzing nicht im Sinn haben, denn die Öffentlichkeit sucht er nicht häufiger als nötig. Er kann zurückgelehnt buchstäblich vom Umstand zehren, dass sich sein im Jahr 2004 erschienener und mittlerweile in 27 Sprachen übersetzter Roman „Der Schwarm“ bis dato knapp vier Millionen Mal verkauft hat. Zumal seine Bücher „Die dunkle Seite“ und „Mordshunger“ für RTL verfilmt wurden und auch sein aktueller und achter Roman „Die Tyrannei des Schmetterlings“ diverse Wochen auf Platz Eins der „Spiegel“-Bestsellerliste stand.

Ein lang gehegter Traum wird wahr

Doch singe, wem Gesang gegeben, und so erfüllte sich der Kölner nun einen – wie er verlauten lässt – seit 45 Jahren gehegten Traum, nämlich jenen von einem eigenen Musikalbum. Mit selbst geschriebenen Songs, zu denen er alle Instrumente bis auf das Schlagzeug selbst einspielen wollte. So weit, so gut, und weil Schätzing ganz offenkundig gut vernetzt ist, hat er als Koproduzenten den Gitarristen Markus Reuter gewinnen können. Der wiederum spielt in der Band Stick Men, wie auch der geniale Bassist und Weltstar Tony Levin, und so konnte kurzerhand auch Levin als Mitstreiter für Schätzings Album verpflichtet werden.

Dazu ­gesellten sich noch andere Größen des Fachs, der ­David-Bowie-Pianist Mike Garson, das ­Pedal-Steel-As B. J. Cole (der von R.E.M. über Björk bis zu Depeche Mode seine Meriten gesammelt hat) oder der Guano-Apes-Produzent Fabio Trentini. Und schon lagen die 15 Stücke vor, die auf Frank Schätzings Debüt unter dem Namen „Taxi Galaxi“ versammelt sind und – hoffentlich kein böses Omen – am Freitag, dem 13. September erscheinen werden.

Schätzing sucht die „Perfect Illusion“

Interessant ist insbesondere die Verpflichtung des sehr erfahrenen Musikers Garson (es heißt, er hätte bei über tausend Konzerten von Bowie gespielt), weil Schätzing bekennt, Bowie seit dessen Konzeptalbum „Aladdin Sane“ zu bewundern. Und das wiederum hört man „Taxi Galaxi“ überdeutlich an. Schon im Opener „Modern ­Entertainment“ eifert seine Gesangsstimme der des großen Idols nach, ein Stück wie „Perfect Illusion“ vermittelt sogar die nahezu perfekte ­Illusion, hier ein unbekanntes Frühwerk Bowies zu hören. Insgesamt macht Frank Schätzing seine Sache, zumal für einen „Anfänger“, also verblüffend gut. Wesentliche neue Impulse kann er jedoch, die Bowie-Retroanklänge deuten es an, nicht bieten.

„Taxi Galaxi“ ist ein solides, reichlich rückwärtsgewandtes Album im Dunstkreis von Artpop und Glamrock, das mit ein paar erstaunlichen Wendungen aufwartet, in seinem offenkundigen Streben nach Facettenreichtum aber teilweise in der Stückabfolge auch ein wenig unsortiert wirkt. Auf „Taxi Galaxi“ kann Schätzing in jedem Fall aufbauen, und auch darin hat er ja Übung: Ehe er mit dem „Schwarm“ einen Millionenerfolg feierte, hatte der Bestsellerautor schon fünf Romane mit eher bescheidenem Erfolg veröffentlicht.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: