Enttäuschte Spieler beim VfB um Kapitän Atakan Karazor (Mitte), Jeff Chabot (li.) und Jamie Leweling. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

Die komplett überforderten Stuttgarter bekommen von Paris Saint-Germain beim 1:4 die Grenzen aufgezeigt. Durch die Niederlage ist das Hoeneß-Team ausgeschieden, denn Manchester City und Dinamo Zagreb ziehen mit Siegen vorbei.

Fassungslos schauten die bereits ausgewechselten Nationalspieler Angelo Stiller und Deniz Undav bei Schlusspfiff von der Reservebank aus in den dunklen Nachthimmel, während die VfB-Kollegen auf dem Platz die Köpfe hängen ließen. Am Ende hatte es nicht sein sollen. Gegen das brillant aufspielende Team von Paris Saint-Germain haben die Stuttgarter bei der 1:4 (0:3)-Niederlage so gut wie keinen Stich gemacht – und sind daher nach einem rabenschwarzen Abend in der Champions League als 26. der Tabelle ausgeschieden. Denn mit Siegen sind Manchester City und Dinamo Zagreb an den Stuttgartern vorbei gezogen.

 

Zu einem Finale furioso am letzten Spieltag der Ligaphase ist es nicht gekommen, weil der französische Meister anders als der VfB der Größe der Aufgabe gewachsen war. Mental lag der PSG klar vorne – und zog auch fußballerisch deutlich überlegen nach Toren von Bradley Barcola (6.) und dem überragenden Dreierpacker Ousmane Dembélé (17., 35., 54.) bei einem Eigentor von Willian Pacho (78.) in die Zwischenrunde ein. Der VfB ist derweil wie alle zwölf Teams am unteren Ende der 36er-Tabelle ausgeschieden. „Der Gegner hat uns an die Grenzen geführt. Es war eine verdiente Niederlage“, sagte VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth.

Personell gab es für das so hoffnungsfroh in den Finaltag gestartete Team von Trainer Sebastian Hoeneß eine gravierende Änderung: Für den erkälteten Stammkeeper Alexander Nübel hütete Fabian Bredlow das Tor, kam zu seinem ersten Einsatz in der Champions League überhaupt. Ohne den gelbgesperrten Anthony Rouault spielte sonst die erste Garde.

Atakan Karazor ist zweimal zu nachlässig

Der indisponierte VfB musste früh den ersten Nackenschlag hinnehmen: Erst schenkte Atakan Karazor dem PSG durch einen schlampigen Rückpass einen Eckball – dann war der Kapitän am kurzen Pfosten nicht zur Stelle, als Desiré Doué verlängerte. So rammte Bradley Barcola am linken Pfosten den Ball per Kopf ins Netz – 0:1 (6.). Der Fehlstart für die Stuttgarter vor mit 60 000 Fans ausverkauftem Haus war perfekt.

Der französische Meister drückte weiter auf die Tube, spielte druckvoll und mit ganz breiter Brust auf. So hatte das Team von Trainer Luis Enrique in der Anfangsviertelstunde gleich mal 75 Prozent Ballbesitz, als der VfB den ersten, sanften Akzent setzte: Jamie Leweling zog über links im Vollsprint davon, ehe Chris Führich im Strafraum aus halbrechter Position am PSG-Keeper Gianluigi Donnarumma scheiterte. Doch der VfB stolperte weiter von einem Problem zum nächsten, weil sich das Team zu viele Fehlpässe leistete, nicht in die Zweikämpfe kam – und auch die beiden zentralen Spielgestalter Karazor und Angelo Stiller überfordert waren.

Daher folgte nach der Führich-Chance postwendend der nächste Rückschlag: VfB-Rechtsverteidiger Josha Vagnoman, der einen rabenschwarzen Tag erwischte, war komplett orientierungslos, ließ Barcola auf dem linken Flügel ziehen, der dann mustergültig in den Lauf von Ousmane Dembélé quer legte. Der Ex-Dortmunder hatte so keine Probleme, das 0:2 zu erzielen (17.).

Fabian Bredlow im Stuttgarter Kasten konnte einem zunehmend leid tun. Keinen Ball bekam der Nübel-Ersatz zu fassen, musste zweimal hinter sich greifen. Und es spielten auch in der Folgezeit nur die in Blau gekleideten Gäste von der Seine. Der deutsche Vizemeister war gegen den französischen Champion komplett überfordert, als Bredlow sein Team kurzfristig vor dem dritten Gegentreffer bewahrte: Wieder war Barcola seinem Bewacher Vagnoman enteilt, doch der VfB-Keeper rettete gegen Doué zweimal direkt auf der Linie. (28.)

Das 0:3 fiel dann wenig später, als Dembélé diesmal auf dem rechten Flügel Maximilian Mittelstädt die Grenzen aufzeigte – und mit einem druckvollen Schuss aus spitzem Winkel Bredlow keine Chance ließ (35.). Unterm Strich war es eine Hälfte zum Vergessen für die Stuttgarter. Undav konnte sich vorne überhaupt nicht durchsetzen.

Nach dem Wechsel dann Dembélés dritter Streich, als vier Stuttgarter im eigenen Strafraum den Stürmer nicht davon abgehalten konnten, den Ball gekonnt ins rechte Eck zu schlenzen (54.). Während Dembélé fast nach Belieben traf, kam der VfB nun etwas besser ins Spiel, weil Paris den Hausherren das Feld etwas überließ.

Nach Pass von Mittelstädt erzielte Willian Pacho per Eigentor den Stuttgarter Ehrentreffer (78.) an einem Fußballabend, der ein Festtag hätte werden sollen. Doch unterm Strich stand die Erkenntnis, dass der VfB von den europäischen Topteams in Galaform noch ein ganzes Stück entfernt ist.