Das Team um Ladenchefin Tanja Rapp (rechts) hofft, dass die Tafel die Existenzkrise überlebt. Foto: Werner Kuhnle

Rund 440 Menschen sind auf die Marbacher Tafel angewiesen – nicht nur wegen der Lebensmittel, sondern auch wegen des Miteinanders. Doch nun kämpft die Einrichtung selbst ums Überleben.

Die Regale im Laden weisen mehr Lücken als sonst auf, das Personal ist verunsichert. Über allem liegt die Frage, wie lange die Marbacher Tafel noch so weitermachen kann. Denn die Einrichtung, die Woche für Woche rund 440 Menschen mit billigen Lebensmitteln versorgt, ist ernsthaft in ihrer Existenz bedroht – wenn jetzt nichts passiert, droht bis Ende des Jahres das Aus.

 

Dabei wirkt zunächst alles wie immer: der helle Raum, die vertrauten Ecken mit Geschirr, Vasen und Weihnachtskugeln für Menschen, denen das Nötigste in der Wohnung fehlt. Der dezente Geruch nach Karton und Ware. Und mittendrin Tanja Rapp, die Frau, ohne die hier kaum etwas funktionieren würde. Sie sortiert Ravioli-Dosen und Pasta-Tüten, kontrolliert Haltbarkeitsdaten, telefoniert und beruhigt.

Nicht immer ist das Angebot so üppig wie an diesem Tag. Es gibt manchmal Engpässe, die den Umsatz drücken. Foto: Werner Kuhnle

Die hauptamtliche Ladenchefin nennt sich selbst nicht so – viele, die hier ein- und ausgehen, sehen in ihr die gute Seele des Hauses. Eine, die auch spätabends noch herkommt, wenn jemand mit einer Spende vor der Tür steht. „Bis 11 Uhr müssen die Regale gefüllt sein“, sagt Tanja Rapp. Doch die letzten Tage, sagt sie, waren „mager“. Die Discounter, aus denen die Lebensmittel kurz vor dem Ablaufdatum stammen, können so früh morgens häufig nicht mehr viel Frischware bereitstellen.

Engpässe, die leise beginnen – und laut enden

Dass es so weit kommen konnte, hat Gründe, die nicht spektakulär wirken, aber in ihrer Summe gefährlich sind. Die großen Supermärkte sind laut Rapp durch Krankheit ausgedünnt. Es heißt auch, die Lebensmittelketten wirtschaften nachhaltiger. Oft fährt der Transportwagen zurück – mit weniger Diesel, aber auch weniger Ausbeute. Für die Menschen, die hier auf günstige Lebensmittel angewiesen sind, bedeutet das: Unsicherheit an einem Ort, der eigentlich Sicherheit geben soll. Viele kommen, weil es ihnen im Supermarkt zu teuer geworden ist.

Die Marbacher Tafel ächzt außerdem unter finanziellen Belastungen, die wie kleine Stiche wirken, aber tief treffen. Der Wirtschaftskontrolldienst verlangte einen neuen Anstrich der Decke, berichtet Rapp. Dann brauchte der Kühlschrank eine neue Dichtung für 70 Euro – eine Summe, die für die Tafel spürbar ist.

Und irgendwann gab das alte Transportfahrzeug auf und musste durch ein modernes Kühlfahrzeug ersetzt werden. Lohnkosten für Fahrer und Ladenleitung belasten den Etat zusätzlich. Alles nachvollziehbare Ausgaben, aber in einer Zeit, in der Lebensmittel wie Reis, Öl oder Mehl teurer werden, geraten selbst gut gemeinte Pläne ins Rutschen.

Seitdem die Tafel vor Kurzem an die Öffentlichkeit ging, gab es schon einige Rückmeldungen. Kartons mit Reis und Nudeln wurden angeliefert. „Manche rufen an und fragen uns, ob wir lieber eine Geldspende oder Waren haben wollen“, erzählt Tanja Rapp. Die Wahrheit ist: Die Tafel braucht beides. Ware, weil Großspenden von Lebensmitteln schon oft nach zwei Wochen aufgebraucht sind. Geldspenden, weil der Verein in die roten Zahlen zu geraten droht.

Ob die Marbacher Stadtgesellschaft die Tafel retten kann, erscheint offen. Bürgermeister Jan Trost weiß seit Oktober von der kritischen Lage. Die Stadt habe mit der Firma Lidl und Schwarz Kontakt aufgenommen, ob mehr Lebensmittelspenden möglich wären, sagt Trost. Er informierte auch die Kreissparkasse Ludwigsburg und die Nachbarkommunen, deren Bürger ebenfalls die Tafel in Marbach besuchen.

Kreissparkasse Ludwigsburg spendet 4000 Euro

Die Kreissparkasse Ludwigsburg habe als Soforthilfe 4000 Euro an die Tafel überwiesen, berichtet Jan Trost. „Dafür bin ich sehr dankbar – es zeigt die große soziale Verantwortung der Kreissparkasse.“ Die Tafel sei eine sehr wichtige Anlaufstelle für Bedürftige und somit wichtig für das soziale Miteinander – gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise.

Wie die Marbacher Tafel das monatliche Delta zwischen Einnahmen und Ausgaben schließen kann, darüber macht sich die zweite Vorsitzende Gundula Hübsch derzeit Gedanken. „Uns kann nur ein Weihnachtswunder retten“, sagt sie, die seit Wochen alle Hebel in Bewegung setzt, um die Tafel am Leben zu erhalten.

Eine breite Welle an Spenden könnte den Verein im Dezember vor der Schließung bewahren, glaubt Gundula Hübsch. Auch Menschen, die Lebensmittel wie Reis und Nudeln bringen, könnten für Konstanz sorgen, aber mehr noch regelmäßige Zahlungen. „Ich denke an Firmen, auch wenn sie zurzeit selbst alle sparen müssen.“ Vor allem aber hofft sie auf eine hohe Hilfsbereitschaft in der Stadtgesellschaft und im Bottwartal.

Spenden

Geldspenden
Wer der Marbacher Tafel mit Geld unter die Arme greifen will, kann das mit der IBAN: DE92 6045 0050 0003 0897 81 bei der Kreissparkasse Ludwigsburg. Der Name des Empfängers lautet „Fair-Kauf Marbach und Umgebung“.

Sachspenden
Wer Lebensmittel, Haushaltsartikel, Spielwaren oder andere Sachspenden abgeben möchte, sollte die Marbacher Tafel kontaktieren. Dies ist unter anderem telefonisch möglich unter der Nummer 07144/860800. Die Abgabe ist von Dienstag bis Freitag von 10 bis 11 Uhr möglich.