Zeitunglesen verbindet: beim Trickfilm-Festival auch Wolf und Schwinchen in „Revolting Rhymes“. Foto: ITFS

Kleine und große Zuschauer, Laien und Profis, Sinn- und Gaudisucher: Das Trickfilm-Festival will wieder alle glücklich machen. Vom 24. bis zum 29. April lädt es wieder Kunst und Kommerz zur Begegnung ein – unter anderem zum Open-Air-Kino auf dem Schlossplatz.

Stuttgart - Über solch eine Erfolgsgeschichte könnte man glatt mal einen Film drehen. Bei diesem Festival laufen bloß schon so viele andere tolle, wunderliche, einfallsreiche, poetische, schrille, zarte und tiefsinnige Filme, dass für einen mehr weder Zeit noch Platz übrig wäre. Trotzdem darf man staunen: Das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart, das vom 24. bis zum 29. April die Gegend rund um den Schlossplatz wieder einmal zum Zentrum der Animationswelt macht, hat sich unglaublich gemausert.

Innerhalb von 36 Jahren und 25 Durchgängen – anfangs fand es nur alle zwei Jahre statt – ist es vom äußersten Rand des Stuttgarter Kulturuntergrunds ins Herz der Stadt vorgerückt. Es hat sich vom Arbeitsprobentreff einiger Kunststudenten zum wichtigen Szenetreff einer globalen Milliardenindustrie entwickelt und hat sich zugleich vom Geheimtipp im ehemaligen Kommunalen Kino zum beliebten Volksfest mit Gratis-Open-Air auf der tageslichttauglichen Großbildwand entfaltet.

Kunst trifft Kommerz

Auch wenn noch kein Film diesen Aufstieg fassen kann: Zur 25. Ausgabe des Festivals kann man ihn jetzt nachlesen. Eine dicke Festschrift (200 Seiten, 10 Euro, beim Festival erhältlich) zeichnet den langen Weg des Festivals nach. Schmökern wird man aber gewiss erst nach dem 29. April.

Die Preise des Festivals gelten noch immer vor allem dem künstlerischen Animationsfilm. Das ist bemerkenswert, weil sich das Trickfilm-Festival zwar anfangs hart gegen die kommerzielle Animation abgrenzte. Aber längst hat es sich den TV-Serien, den Kinofilmen und Computerspielen geöffnet, es ist näher an die Schwesterveranstaltung FMX herangerückt, an den großen Branchentreff für Digitalbildprofis aus aller Welt im Haus der Wirtschaft. Es will nun Business-Drehscheibe sein – und hat doch den künstlerischen Anspruch nicht aufgegeben.

Eigenbrötler und Welterfolge

Mit fröhlicher Beharrlichkeit lädt man Kunst und Kommerz zur Begegnung ein. Dahinter steckt die Überzeugung, dass gerade aus extrem individualistischem Eigenbrötlertum die Weltmarkterfolge von morgen erwachsen können. Bei den „Simpsons“ und bei „Shaun das Schaf“ etwa hat das funktioniert.

Die Macher beider Serien sind nicht zum ersten Mal zu Gast beim Trickfilm-Festival. Will Becher vom britischen „Shaun das Schaf“-Studio Aardman lässt am Freitag, 27. April, um 17 Uhr im Metropol in die Werkstatt seines kommenden Kinofilms „Early Man“ blicken. Und „Simp­sons“-Miterfinder David Silverman führt am Samstag, 28. April, um 23 Uhr im Gloria durch die Geschichte der bekanntesten gelben Familie der Welt.

Sehen Sie hier den Trailer zum Festival:

Beim Internationalen Wettbewerb in den Kinos Gloria und Metropol bekommt man eine furiose Vielfalt der Stile und Themen geboten. Wer es konzentrierter mag, kann sich Werkschauen einzelner Künstler oder Überblicksrollen über die Animationsszene diverser Länder ansehen. Dieses Jahr gibt es einen Schwerpunkt Baltikum, aber auch wieder vertiefte Einblicke in die Arbeit von Produzenten auch aus Stuttgart. Studio Filmbilder und Luxx stellen als Heimchampions ihre Projekte vor, Norwegens wichtigstes Animationsstudio Qvisten ist da, Cartoon Saloon aus Dublin und die Moonbot Studios aus den USA, die einen Kurzfilm-Oscar vorzuweisen haben.

Auch für die Kinder ist gesorgt

Wer Kinder mitnehmen möchte, ist im Wettbewerb Tricks for Kids gut aufgehoben – oder eben auf dem Schlossplatz, wo im Open-Air-Programm täglich ab 14 Uhr viel Familientaugliches läuft. Die bereits traditionell gewordene und doch stets hochmoderne Game Zone hat ein neues Zuhause gefunden: einerseits im Kunstmuseumswürfel am Schlossplatz, andererseits – einmalig zum Jubiläum – im Pavillon Lichtwolke, der hinter der Leinwand beim Neuen Schloss aufgebaut wird. Man kann hier neue, gern mal vom Üblichen abweichende Spiele – beziehungsweise ganze virtuelle, durchanimierte Welten – ausprobieren, oder Vorträgen und Diskussionen zu aktuellen Entwicklungen in diesem boomenden Entertainmentsektor folgen.

Das ganze Festival erleben? Nein, das geht nicht mehr, auch wenn man sich ein paar Tage Urlaub nimmt. Die Zusammenarbeit mit der Oper Stuttgart bei „Don Pasquale“ und „Don Giovanni“, das einmalige Gastspiel des Theaters Dortmund mit dem Bühnen-Animations-Mix „Der futurologische Kongress“ am 25. April im Theater Rampe, dazu all die vielen Filmrollen: Wer neugierig geworden ist, tut gut daran, rechtzeitig das Programm zu durchforsten und sich seinen eigenen Fahrplan für eine quietschbunte Erlebnisreise zu erstellen.

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