Die eben zu Ende gegangene Darts-WM hat den Boom um die Sportart mit den Wurfpfeilen weiter befördert. Die Stars der Szene sind demnächst im Sindelfinger Glaspalast live zu bewundern.
Beiläufig wurde es in einer der jüngsten Kreistagssitzungen erwähnt: Der Landkreis habe sich mit dem Betreiber des Sindelfinger Glaspalastes und der Darts-Corperation (PDC) juristisch geeinigt.
Zugrunde lag ein Vertragsstreit: Als im Februar 2021 der Krieg in der Ukraine ausgebrochen war, befürchtete der Landkreis Böblingen, er müsse Flüchtlinge im Glaspalast unterbringen. Damit musste der Europäische Grand Prix, eines der größten Darts-Turniere der Welt, im vorigen Jahr abgesagt werden und in die Hanns-Martin-Schleyer-Halle nach Stuttgart ausweichen. Vor allem durch das Stuttgarter Catering entstanden Mehrkosten, und die Anwälte wurden im Anschluss bemüht, um herauszufinden, wer wem einen Schadenersatz leisten muss.
„Wir rechnen mit 20 000 Zuschauern“
Dass die Veranstaltung in diesem Jahr trotzdem wieder nach Sindelfingen zurückkommt, ist für den Geschäftsführer des Glaspalastes, Claus Regelmann, ein Segen. Denn nicht nur für den Darts-Sport, auch für das Programm des Glaspalastes ist der Grand Prix ein Leuchtturm. „Wir rechnen mit insgesamt rund 20 000 Zuschauern, die an den drei Tagen in den Glaspalast kommen.“ Dort treten die Spitzenkräfte der Sportart an, „und wir sind froh, dass wir sie in Sindelfingen begleiten können“, sagt Regelmann.
Denn Darts boomt. Kaum eine Sportkneipe, in der nicht jüngst – vor allem, aber nicht nur – Männer mit den kleinen Pfeilen über den Fernseher flimmerten. Es schien so, als sei nach dem überaus kläglichen Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Katar mit dem Darts-Sport ein Ausgleich für die darniederliegenden nationalen Sportgefühle gefunden.
Die Hoffnungen der Nation ruhten dabei auf Gabriel Clemens, dem German Giant, der mit seinen 1,91 Meter nicht nur von der Körpergröße her bei der eben zu Ende gegangenen Weltmeisterschaft in London eine überragende Rolle spielte, sondern auch im Blick auf seinen Turniererfolg.
Der Weltmeister kassiert 500 000 Pfund
Gabriel Clemens hat zwar den Einzug ins Finale verpasst, hat die britische Hauptstadt aber trotzdem stolz verlassen können. Schließlich hatte er es als erster Deutsche ins Halbfinale einer WM geschafft – auch wenn er dann an einem souverän spielenden Michael Smith scheiterte. Im Jahr zuvor hatte Clemens als erster Deutscher ein WM-Achtelfinale erreicht. Während Gabriel Clemens mit 100 000 Pfund, etwa 113 000 Euro Preisgeld, und dem größten Erfolg seiner Karriere aus dem Londoner Alexandra Palace abreiste, hat sich Michael Smith am vergangenen Dienstag im Endspiel die Trophäe geholt plus 500 000 Pfund Preisgelder.
Der Sindelfinger Grand Prix ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Spitzenturnier. Es gastiert seit 2012 im Glaspalast und hat sich seit dieser Zeit stetig weiterentwickelt. „Damals sind die Spieler noch mit Kleintransportern angereist, heute kommen sie mit Sattelschleppern“, erinnert sich Claus Regelmann. Das Turnier entwickelte sich so stürmisch, dass der Grand Prix in manchen Jahren als größtes Turnier auf dem europäischen Festland galt. Doch jetzt haben andere Standorte wie etwa Dortmund nachgezogen. Natürlich fragen auch kleinere Darts-Turniere bei den Sindelfingern an, aber mittlerweile hat es nicht mehr genügend Platz im Terminkalender für alle Interessenten.
„Absolute Topspieler in Sindelfingen“
Der Veranstalter des Grand Prix in Sindelfingen ist die PDC in München, die Professional Darts Corporation, deren Pressesprecher Philip Brzezinski nicht müde wird, die „absoluten Topspieler“ aufzuzählen, die vom 26. bis zum 28. Mai in Sindelfingen zu sehen sind. Er ist überaus erstaunt darüber, welche große mediale Aufmerksamkeit der Darts-Sport zurzeit bekommt, und denkt, dass der Erfolg von Clemens dem Sport einen weiteren Aufschwung bescheren wird.