Links neben der 45-Meter-Schanze wird derzeit eine 75-Meter-Schanze gebaut. Foto: Schütte

Mit ihrer Goldmedaille im Skispringen lässt Carina Vogt die Kritiker einer neuen Schanze in ihrem Heimatort verstummen.

Mit ihrer Goldmedaille im Skispringen lässt Carina Vogt die Kritiker einer neuen Schanze in ihrem Heimatort verstummen.

Schwäbisch Gmünd - Sensations-Olympiasiegerin Carina Vogt aus Schwäbisch Gmünd hat mit ihrem Sieg beim Skispringen in Sotschi nicht nur für einen sportlichen Paukenschlag gesorgt. Sie lässt in ihrer Heimat auch die Diskussion über eine neue Schanze verstummen.

Wintersport hat eine lange Tradition am Fuße der Schwäbischen Alb. Schon 1922 hatten sich Dorfbewohner im Gmünder Stadtteil Degenfeld zusammengetan, um einen Skiclub zu gründen. Zunächst zog es vor allem Skiläufer aus Stuttgart an die Hänge des Albtraufs, die sich bis auf 800 Meter Höhe erstrecken. 1969 wurde sogar ein Sessellift gebaut. Die verwegenen Burschen des SC Degenfeld wollten bald nicht mehr nur Ski fahren, sondern auch fliegen. Die Folge: Der Bau einer Sprungschanze.

Nach und nach entwickelte sich der kleine Ort zu einem kleinen Skisprung-Mekka. Jedem Kind in Degenfeld, so heißt es, wird die Mitgliedschaft für den Skiclub bereits in die Wiege gelegt. Und bevor der eine oder andere Knirps Fahrrad fahren lernt, macht er seine ersten Hüpfer auf der kleinen Schanze.

Dergestalt startete auch die Karriere der 22-jährigen Carina Vogt, die an einem Schnupperkurs im Rahmen des Kinderferienprogramms des SC Degenfeld teilgenommen hatte. Einmal im Winter ist das ganze Dorf auf den Beinen, um in reiner Handarbeit die Hauptschanze fürs „große Springen“ zu präparieren. Mangels Elektronik steht am Rande der Naturschanze eine Heerschar von Wertungsrichtern, um bei 100-Meter-Sprüngen per Handzeichen die exakten Weiten zu bestimmen. Den Durchbruch zu einem Leistungszentrum brachte der Bau einer K-45-Mattenschanze (K steht für den kritischen Punkt). Sie gilt als die Heimstätte der Goldmedaillengewinnerin.

Großer Bahnhof für die Olympiasiegerin in Schwäbisch Gmünd

Neben der 45-Meter-Schanze, auf der regelmäßig unterklassige und Jugend-Wettkämpfe ausgetragen werden, befindet sich derzeit eine riesige Baustelle. Vor zwei Jahren hat sich der Skiclub an den Bau einer großen K-75-Anlage herangewagt. 1,5 Millionen Euro kostet das Projekt, geschultert von Kommune und mehreren Partnern. Die Proteste ließen nicht lange auf sich warten – unter anderem von Naturschützern. Im Gemeinderat von Schwäbisch Gmünd stellten Stadträte das Vorhaben heftig infrage. In Degenfeld drohte die Spaltung. Unvergessen eine Sitzung des Ortschaftsrats, in der Sportbürgermeister Joachim Bläse die Hälfte der Ratsmitglieder wegen Befangenheit (Vereinsmitgliedschaft im Skiclub) auf die Zuhörerplätze verbannte. Nach Protesten bekamen sie als „sachkundige Bürger“ doch noch das Wort erteilt. Alles andere hätte zu einer Dorfrevolte gegen die Stadt geführt.

„K 75“ ist nun im Bau, begleitet von zahlreichen Eigenleistungen und Spenden der Degenfelder. Seit den beiden goldenen Sprüngen des prominenten Vereinsmitglieds ist kein Sterbenswörtchen mehr von Kritik und Zweifel an dem 1,5-Millionen-Euro-Bau im Landschaftsschutzgebiet zu hören. Der kritische Punkt des Bauprojekts scheint endgültig übersprungen. Alle Beteiligten sind der festen Überzeugung: Der kleine Ort wird nun einen neuen Boom als Wintersport- und Leistungszentrum erleben. Neben dem Skispringen sind es vor allem die Langlauf-Loipen, die Wintersportler anlocken. Auch zwei Vereins-Schlepplifte und viel ­Hüttenzauber locken wieder alpine Gefühle auf der Alb – wenn denn mal wieder Schnee liegt.

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