Daniel Ginczek ist bereits zum zweiten Mal Matchwinner beim VfB Stuttgart. Foto: Getty Images

Daniel Ginczek gehört zu den großen Hoffnungsträgern des VfB Stuttgart im harten Abstiegskampf. Mit seinen beiden Treffern gegen Bremen hat der bullige Angreifer bewiesen, dass die Schwaben auf ihn zählen können.

Stuttgart - Für Daniel Ginczek war es das schönste vorgezogene Geburtstagsgeschenk und für den VfB Stuttgart ein überlebenswichtiger Erfolg im Kampf um den Klassenverbleib. Mit einem Doppelpack zum hart erarbeiteten, aber hoch verdienten 3:2 (1:0) über Werder Bremen krönte der wuchtige Stürmer des abstiegsbedrohten schwäbischen Fußball-Bundesligisten seine starke Leistung am Abend vor seinem 24. Geburtstag. „Der Siegtreffer in der Nachspielzeit war Emotion pur“, sagte Ginczek. „Als kleiner Junge träumst du von so einem Spiel. Unfassbar, mir fehlen die Worte.“

Trainer-Doyen Ottmar Hitzfeld bezeichnete Stuttgarts Sieggaranten als „ein Geschenk des Himmels“. Huub Stevens kommentierte dieses Lob amüsiert: „Wenn Ottmar das sagt....“ Der sichtlich gelöste VfB-Coach wollte auch nach dem Befreiungsschlag gegen Bremen keinen einzelnen Akteur herausheben, sondern strich die „großartige Leistung“ der gesamten Mannschaft heraus. „Ob Daniel die Tore schießt oder ein anderer, ist egal“, relativierte Stevens den Anteil des neuen Torjägers.

Neben Ginczek (70. Minute und 90.+1) traf auch Kapitän Christian Gentner (16.) in dieser vor allem am Schluss spannenden und nervenaufreibenden Partie. Werder-Joker Davie Selkie (50.) und Innenverteidiger Jannik Vestergaard (86.) glichen zweimal aus.

An diesem denkwürdigen Sonntagabend demonstrierte jedoch in erster Linie Ginczek beeindruckend, wie sehr er in Bestform dem bislang vor allem zu Hause so harmlosen VfB helfen kann. „Er kann aus dem Nichts ein Tor machen“, wies Sportdirektor Robin Dutt auf die klassischen Knipser-Qualitäten des 1,90 Meter großen Modellathleten hin. Wobei die beiden Treffer gegen Werder „gut vorbereitet waren“, wie der Manager zu Recht erwähnte.

Ginczek war lange verletzt

Hinter Ginczek liegt eine lange Leidenszeit. Noch vor seinem Wechsel zum VfB im vergangenen Sommer erlitt er beim 1. FC Nürnberg einen Kreuzbandriss. Nach monatelanger Reha arbeitete sich der Hoffnungsträger mühsam wieder heran. Mit mehreren Einsätzen im Drittligateam sammelte Ginczek Spielpraxis und gewann zudem durch einige Tore weiteres Selbstvertrauen. „Wir haben Daniel lange aufbauen müssen, damit er da ist, wo er jetzt steht“, sagte Stevens.

„Er war lange verletzt und musste sich anhören, dass es ein Fehler gewesen sei, ihn zu holen“, erinnerte Gentner an die schwere Zeit seines Teamkollegen. „Jetzt dieser Doppelpack.“ Aber schon in Nürnberg habe Ginczek „Zug und Willen zum Tor“ gezeigt.

An diesem Samstag will der Matchwinner im nächsten Schlüsselspiel beim Europa-League-Anwärter FC Augsburg nachlegen. „Mit dem Riesenspiel im Rücken wollen wir da den nächsten Sieg“, kündigte er kämpferisch an. „Das gibt uns Auftrieb für die restliche Saison. Und am Schluss wollen wir feiern.“

Bis dahin ist es aber noch ein schwerer Weg. „Wir sind noch nicht gefestigt“, warnte Stevens vor Überheblichkeit. „Wir haben noch sechs Endspiele.“ Das werde nicht einfach. Aber auch der Mahner räumte ein, dass dieser zweite Heim-Sieg hintereinander extrem wichtig war. Der einst als „Knurrer von Kerkrade“ gebrandmarkte strenge Routinier lobte die „unglaubliche Moral der Jungs“. Erst Gelb-Rot für Martin Harnik (84.), dann der bittere Ausgleich - und in der Nachspielzeit Ginczeks zweiter Streich. „Eine Mannschaft die tot ist, kann keine solche Antwort geben“, stellte Stevens klar. „Die Mannschaft lebt!“