Hier mit Anne-Sophie Mutter, in Stuttgart solo: Daniel Barenboim. Foto: dpa

Seit fast 60 Jahren kann man Daniel Barenboim als Pianist auf den Konzertbühnen der Welt erleben. Am Samstag war das „letzte Musikgenie“ unserer Zeit zu Gast im Beethovensaal.

Seit fast 60 Jahren kann man Daniel Barenboim als Pianist auf den Konzertbühnen der Welt erleben. Am Samstag war das „letzte Musikgenie“ unserer Zeit zu Gast im Beethovensaal.

Stuttgart - Seit fast 60 Jahren kann man Daniel Barenboim als Pianist auf den Konzertbühnen der Welt erleben. Der Kritiker Joachim Kaiser adelte ihn zum „letzten Musikgenie“ unserer Zeit. Bis auf den letzten Platz besetzt war denn auch der Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle am Samstag, als Barenboim mit einem Schubert-Programm gastierte.

Die Faszination, die von Barenboim ausgeht, ist eine ganz und gar eigene. Schon während seines Spiels ist eine besondere Stille und Konzentration im Publikum auszumachen, und die Begeisterung für den 71-Jährigen äußert sich keinesfalls am Ende des Konzerts dadurch, dass sich vor der Bühne eine Menschentraube bildet. Die Gründe dafür sind vielfältig: Im normalen Straßenanzug betritt Barenboim die Bühne, setzt sich ohne Umschweife ans Klavier und endet nach dem letzten Schlussakkord mit einem entwaffnenden „Das war’s“. Der letzte große Universalmusiker unserer Zeit ist einfach unglaublich normal geblieben.

Natürlich – wer als junger, investigativer Kritiker mit gespitztem Bleistift auf Barenboims Klavierkunst angesetzt ist, hätte schnell ein paar Negativeinträge: Schon in der einleitenden Sonate A-Dur (D664) sind rasche Skalen zuweilen verhuscht, der Gebrauch des rechten Pedals überschreitet immer mal wieder durchaus, was in der Liederhalle gemeinhin üblich ist. Und schließlich gehört Barenboim so gar nicht zu den Pianisten, denen Transparenz das Heiligste ist und die in den abseitigsten Motivverästelungen neue „Melodien“ herausbuchstabieren.

Statt dessen ergeben sich unvergleichliche Momente, wenn er das zweite Thema im langsamen Satz der D-Dur Sonate (op. 53) um eine winzige Nuance leiser spielt, sodass es fast zu verstummen droht. Welch eine milde, aber tiefe Innigkeit verströmte dem liedhaften Andante der Sonate op.42, welch großer Wurf schließlich die zwingende Geschlossenheit des Rondo-Finales der abschließenden Sonate op. 53. Danach viele Hervorrufe, aber keine Zugabe.

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