Ein Report der DAK zeigt: Die mit negativen Klischees überhäufte Gen Z hat zwar minimal häufiger Probleme mit Älteren am Arbeitsplatz, meldet sich aber selten länger krank.
Keine Generation wird so oft abwertend beschrieben wie die Gen Z (zwischen 1995 und 2010 geboren). Ihre Ansprüche in der Arbeitswelt seien zu hoch, schrieb erst die Tage die „Neue Zürcher Zeitung“. Zudem brächten sie neue Gepflogenheiten mit, wie etwa „career catfishing“: einen Job annehmen, am ersten Tag nicht erscheinen und den Arbeitgeber ohne Absage im Ungewissen lassen – quasi „Ghosting“ im Berufsleben. Verlässliche Zahlen zu dieser These fehlen jedoch.
Eine Umfrage der Plattform „Intelligent“ für Bildungs- und Karriereberatung ergab, dass bis 2025 die Hälfte der befragten Unternehmen bereits Gen-Z-Mitarbeiter entlassen haben werde. Der Grund: mangelnde praktische Erfahrung und fehlende Soft Skills. Am häufigsten werfen Arbeitgeber dieser Generation „mangelnde Motivation“ vor.
Gen Z hat mehr Konflikte mit anderen Generationen
Die Gen Z sorgt auf jeden Fall nach wie vor für Diskussionen in der Arbeitswelt. Laut des aktuellen Gesundheitsreports der Krankenversicherung DAK erlebten 23 Prozent der unter 30-Jährigen im Arbeitsalltag in Baden-Württemberg Konflikte mit älteren Kollegen. Bei anderen Generationen lag der Wert mit 21 Prozent aber nur geringfügig niedriger. Rund 1,2 Millionen Erwerbstätige im Land sind unter 30 – ein Fünftel aller Beschäftigten. „Alt und Jung arbeiten nicht immer reibungslos zusammen. Generationenkonflikte im Job sind für viele Beschäftigte ein Thema“, sagt Siegfried Euerle, Landeschef der DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg.
Für den Gesundheitsreport 2025 wertete die DAK anonymisierte Daten von 269 000 Versicherten in Baden-Württemberg aus und ließ zusätzlich 1 000 Berufstätige zwischen 18 und 65 Jahren durch das Forsa-Institut befragen.
Im vergangenen Jahr berichtete die DAK, dass junge Erwachsene sich wegen psychischer Erkrankungen so häufig krankmeldeten wie nie zuvor. Dieses Jahr zeigt ein leicht anderes Bild: Der Krankenstand der unter 30-Jährigen liegt bei 4,2 Prozent unter allen DAK-Versicherten, während er insgesamt 4,7 Prozent beträgt. Zwar lassen sich Jüngere häufiger krankschreiben, aber mit durchschnittlich 5,9 Tagen auch viel kürzer. Hauptgründe sind Atemwegsinfekte, erst dann folgen psychische Erkrankungen.
Aber was wünschen sich junge Menschen von der Arbeitswelt? Entgegen vieler Klischees legen junge Menschen laut Umfrage besonderen Wert auf ein gutes Verhältnis zu ihren Kollegen – die Work-Life-Balance steht überraschend nicht an erster Stelle. Zwei Drittel der Befragten gaben sogar an, krank zur Arbeit zu gehen, um ihre Kollegen nicht im Stich zu lassen. Über 80 Prozent sagten aber auch, sie würden eher mal zu Hause bleiben, so dass Krankheiten schneller heilen.
Junge Menschen werden gerne zu hohe Ansprüche unterstellt
Eine gute Bezahlung und gründliche Einarbeitung sind für über 60 Prozent der Befragten ebenfalls wichtig. Die oft unterstellte Anspruchshaltung der Gen Z bestätigt der DAK-Report nicht: Ihre Prioritäten ähneln denen anderer Altersgruppen.
Auch eine Studie der Universität Bamberg unter Deutschlands beliebtesten Unternehmen zeigt: Sieben von zehn Gen-Z-Kandidaten schätzen durchaus ihre Work-Life-Balance hoch ein. Überraschend ist jedoch, dass dieser Wert bei der Babyboomer-Generation noch höher lag – und zwar um 15,4 Prozentpunkte.
Das Magazin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) räumt mit weiteren Vorurteilen auf. „Die Annahme, die Gen Z fordere viel, arbeite aber wenig, ist falsch.“ Dies war das Fazit einer eigenen Erhebung. Sie seien nicht nur auf die Viertagewoche fixiert oder ausschließlich auf ihre Work-Life-Balance bedacht. „Die jungen Leute sind fleißig, wie lange nicht mehr. “ So stieg die Quote der 20- bis 24-Jährigen in Voll- und Teilzeitbeschäftigung zwischen 2015 und 2023 um 4,9 Prozentpunkte auf 72 Prozent.
DAK-Landeschef Siegfried Euerle betont, wie wichtig es für Arbeitgeber sei, Verständnis für die junge Generation zu entwickeln und gezielt ein gesundes Miteinander zu fördern. „Das Erfolgsmodell der Zukunft sind generationengemischte Teams“, so glaubt er und ergänzt: „Wir müssen junge Menschen beim Eintritt in die Arbeitswelt daher gut unterstützen.“