Pflege ist anstrengend, auch in seelischer Hinsicht Foto: dpa

Dass Pflege ein Knochenjob ist, bestätigt eine Studie der DAK. Zentrales Ergebnis: Wer Angehörige daheim pflegt, muss häufiger zum Arzt.

Berlin - Geht es um die Pflege in Deutschland, rücken beinahe reflexhaft die Pflegeheime ins Zentrum der Debatte. Sicher hat das damit zu tun, dass im stationären Sektor oft schwerere Fälle versorgt werden. Das bringt Aufmerksamkeit, nicht zuletzt angesichts wiederkehrender Berichte über gravierende Missstände in Heimen.

Gemessen daran fristet die Versorgung, die Angehörige daheim leisten, ein Schattendasein. Und das, obwohl 70 Prozent aller Pflegebedürftigen zu Hause betreut werden – von ihren Kindern oder Partnern. „Ohne sie würde das Pflegesystem zusammenbrechen“, lobte DAK-Chef Herbert Rebscher am Donnerstag bei der Vorstellung des Pflegereports 2015 der mit 6,2 Millionen Versicherten drittgrößten Krankenkasse. Nicht umsonst spreche man vom „größten Pflegedienst Deutschlands“.

Es lag also nahe, dass die DAK für ihren diesjährigen Report mit dem Titel „So pflegt Deutschland“ diejenigen anschaut, die die Hauptlast der Pflege tragen. Dazu wurden anonymisierte Daten von 500 000 Versicherten ausgewertet und zudem Daten von 12 000 pflegenden Angehörigen mit Daten nicht pflegender Personen verglichen und im Hinblick auf Krankheiten analysiert.

Depressionen sind häufig, Rückenschmerzen auch

Die Studie bestätigt die landläufige Einschätzung, dass Pflege ein Knochenjob ist. Ein zentrales Resultat: Wer Mutter, Vater oder den Partner versorgt, wird um zehn Prozent häufiger wegen psychischer Leiden behandelt. Bei Depressionen sind es acht Prozent mehr. „Das zeigt, wie viel Druck auf Menschen lasten, die neben Job und Familie noch die Pflege eines Angehörigen übernehmen müssen“, so Rebscher.

Doch nicht nur seelisch, auch körperlich sind die Pflegenden trotz möglicher Hilfen von Pflegediensten, Pflegekassen und weiteren Institutionen starken Belastungen ausgesetzt. So musste jede sechste Pflegeperson 2014 wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen zum Arzt. Bei nicht pflegenden war nur jeder Zehnte betroffen.

Neben der Datenanalyse hat die DAK auch eine Befragung vornehmen lassen. Danach schätzt über die Hälfte der pflegenden Angehörigen die persönliche Belastung als hoch bis sehr hoch ein. Viele fühlen sich von ihrer Aufgabe überfordert, in körperlicher (50 Prozent), psychischer (68) und zeitlicher (71) Hinsicht. Überlastung und Überforderung steigen an, wenn das zu versorgende Familienmitglied dement ist. Bei jedem dritten Befragten trifft das zu.

Pflegende Männer sind immer noch selten

Dass meist Frauen daheim pflegen, gehört zu den wenig überraschenden Ergebnissen. In nur einem von zehn Fällen übernimmt ein Mann den Job. Ein Drittel der Pflegenden ist berufstätig, von ihnen wiederum arbeitet nur ein Fünftel in Vollzeit. Gepflegt werden überwiegend Menschen mit Pflegestufe 1 (knapp 50 Prozent). Aber auch Fälle mit den Stufen 2 (30 Prozent) und 3 (10 Prozent) sind in der heimischen Pflege vertreten, ungeachtet des intensiven Betreuungsbedarfs.

Der Pflegewissenschaftler Thomas Klie von der Uni Klagenfurt, Mitautor der Studie, zeigte sich überrascht, dass externe Hilfsangebote wie Pflegekurse der Kassen wenig bekannt und selten genutzt werden. Auch deshalb hat die DAK einen zertifizierten Online-Pflegekurs entwickelt. Das Angebot unter www.dak.de/pflegecoach steht auch Versicherten anderer Kassen offen.

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