In Shanghai hat Daimler im vorigen Jahr die Fahrzeug Foto: MediaPortal Daimler AG

Der Stuttgarter Autobauer Daimler sieht auch 2017 gute Chancen auf dem chinesischen Markt. Die neue E-Klasse soll zusätzlichen Schwung bringen.

Stuttgart - Mercedes-Benz hat in diesem Jahr in China stärker beschleunigt als erwartet. Bis November hat der Absatz auf dem größten Markt der Welt um rund 28 Prozent auf rund 429 000 Autos zugelegt. Damit sind die Stuttgarter deutlich stärker gewachsen als der Markt, der bis Ende Oktober um rund 15 Prozent zugelegt hat – Zahlen für November gibt es noch nicht. Und auch beim Blick ins nächste Jahr zeigt sich Daimlers China-Vorstand Hubertus Troskagut gelaunt. „Ich bin sehr, sehr positiv gestimmt“, sagt Troska – und dies, obwohl der deutsche Branchenverband VDA voraussagt, dass der chinesische Markt 2017 mit einem Plus von fünf Prozent auf 24,2 Millionen Personenwagen das Tempo deutlich drosseln soll.

Der Wachstumsschub kommt laut Troska vor allem von den Modellen, die gemeinsam mit dem chinesischen Partner BAIC in Peking produziert werden. Die dort hergestellte C-Klasse und der kompakte Geländewagen GLA laufen sehr gut, so Troska, vom Geländewagen GLC könne man gar nicht so viele Autos herstellen, wie verkauft werden. Seit diesem Herbst wird nun zusätzlich die neue E-Klasse verkauft, die nach Angaben des Daimler-Vorstands eine enorme Bedeutung für das China-Geschäft hat und im nächsten Jahr für zusätzlichen Schwung sorgen soll. Weiterhin stark gefragt ist nach Angaben des Daimler-Vorstands auch Mercedes-Maybach, die die Spitzenvarianten des Flaggschiffs der Marke mit dem Stern bilden. Immer noch werden jeden Monat rund 500 dieser im Werk Sindelfingen produzierten Luxuslimousinen verkauft, wobei die Käufer sogar bereit seien mehr als den Listenpreis zu zahlen, weil die Nachfrage so groß sei und chinesische Autokäufer nicht gerne auf ihren Wagen warten wollen. Angesichts dieser ausgeprägten Zahlungsbereitschaft macht sich Troska auch keine Sorgen wegen der seit Anfang Dezember geltenden zusätzlichen Steuer von zehn Prozent, mit der die Führung in Peking die Zurschaustellung von Luxus bekämpfen will. Diese Zusatzsteuer trifft neben dem Maybach auch besser ausgestattete Modelle der S-Klasse.

Internetdienste im Auto sind sehr beliebt

Besonders hoch sei die Nachfrage nach Internetdiensten im Auto, sagte Troska. Sehr beliebt sei beispielsweise der sogenannte Concierge Service, bei dem Fahrer auf Knopfdruck beispielsweise Tipps für Restaurants erhalten könne. Die Service-Mitarbeiter schicken dann die Route zum ausgewählten Restaurants ins Navi.

Wenig beunruhigt zeigt sich der China-Chef von Daimler über vor kurzem bekanntgewordene Pläne des Industrieministeriums, den Autobauern schon von 2018 an feste und steigende Absatzquoten für Elektroautos vorzuschreiben. Die chinesische Führung will Elektroautos zum Durchbruch verhelfen. Noch ist unklar, ob die Pläne in der bekanntgewordenen Schärfe umgesetzt werden. „Schaun wir mal,“ meint Troska achselzuckend. Bisher geht das Geschäft mit Elektroautos weitgehend an den deutschen Autobauern vorbei. China zahlt zwar eine hohe staatliche Förderung, aber nur für Wagen, die auch in der Volksrepublik produziert werden. Deshalb dominieren bisher rein chinesische Autobauer wie BYD das Geschäft mit den alternativen Antrieben.

Bisher hielt sich der Erfolg von Denza sehr in Grenzen

Daimler hat ein Gemeinschaftsunternehmen mit BYD und für dieses Elektroauto vor einigen Jahren die Marke Denza kreiert, deren speziell für den chinesischen Markt entwickelte Wagen in einer BYD-Fabrik produziert werden. Für diese Autos wurde auch ein spezielles Vertriebsnetz aufgebaut. Bisher war der Erfolg indes sehr überschaubar. Vor kurzem wurde die Reichweite der Batterie auf 400 Kilometer aufgestockt. Ob dies die Nachfrage beflügelt, lässt sich laut Troska aber noch nicht sagen, weil dieses Angebot erst seit kurzem auf dem Markt sei. Daneben produziert Daimler im Gemeinschaftsunternehmen mit BAIC in Peking eine Hybridvariante der E-Klasse sowie einen Plug-in-Hybrid der C-Klasse, dessen Batterie an der Steckdose aufgeladen werden kann.

Auf dem Pariser Autosalon hat Daimler im Herbst eine Elektroauto-Offensive angekündigt. Unter der neuen Marke EQ sollen zehn neue Modelle entwickelt werden, zehn Milliarden Euro will Daimler dafür investieren. Das erste Modell soll 2019 starten. Ein beträchtlicher Teil dieser Investitionen dürfte nach China fließen, denn Erfolg könne man nur mit Elektroautos haben, die dort auch produziert werden, sagt Troska. Dazu gehöre dann auch eine eigene Batteriefabrik.

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