Daimler-Chef Zetsche verkündete letzte Woche einen Gewinnrückgang um knapp ein Drittel. Foto: dpa

Der Gewinneinbruch schlägt sich auch in den Bezügen der Daimler-Vorstände nieder. Dem scheidenden Konzernchef Dieter Zetsche wurden für 2018 sechs Millionen Euro zugesagt – allerdings kommen noch Zahlungen aus früheren Jahren hinzu.

Frankfurt - Nach dem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr hat Daimler seinen Managern die Bezüge gekürzt. Die für 2018 gewährten Gehälter und Bonuszusagen für die acht Vorstandsmitglieder sanken insgesamt um zehn Millionen auf 23,2 Millionen Euro, wie aus der gemäß Handelsgesetzbuch (HGB) aufgestellten Tabelle im Geschäftsbericht hervorgeht. Davon entfallen sechs Millionen Euro auf den scheidenden Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche. Bezieht man die Zahlungen ein, die dem 65-Jährigen noch aus langfristigen Boni früherer Jahre zufließen, so kommt er allerdings auf 8,3 Millionen Euro.

Im Vergleich zu 2017 sind beide Summen gesunken: Damals waren Zetsche 8,6 Millionen Euro zugesagt worden. Einschließlich der verzögerten Auszahlung von Boni aus den Vorjahren erhielt der Daimler-Chef im Jahr 2017 sogar gut 13 Millionen Euro.

Zusagen versus Zuflüsse

Darüber, welche Zahl aussagekräftiger ist, wird seit Jahren diskutiert. Zu der Darstellung nach HGB sind die Unternehmen gesetzlich verpflichtet, sie wird auch von den meisten Medien verwendet. Denn auf dieser Basis lässt sich die langfristige Entwicklung der Vorstandsgehälter am besten nachvollziehen. Allerdings fehlen in der HGB-Tabelle Angaben zur Altersvorsorge. Ein weiteres Manko: Bezüglich der Bonuszahlungen enthält die HGB-Tabelle letztlich nur eine Schätzung. Denn nur ein Teil der Leistungsprämien fließt direkt. Der Rest wird über Jahre gestreckt, und die endgültige Summe hängt oft von Erfolgskriterien wie der Entwicklung des Aktienkurses ab. Ob der für 2018 nach HGB ausgewiesene Bonus am Ende tatsächlich in dieser Höhe fließt, ist also ungewiss. Von „Vergütungs-Illusion“ spricht der Experte Michael Kramarsch von der Unternehmensberatung hkp.

Der Deutsche Corporate-Governance-Kodex empfiehlt daher ergänzend eine Auflistung der Beträge, die im jeweiligen Geschäftsjahr tatsächlich vom Unternehmen ausgegeben wurden. Die größten börsennotierten Konzerne haben daher sogenannte Zuflusstabellen erstellt. Bei langjährigen Vorständen gehen die darin erfassten Zahlungen zu einem erheblichen Teil auf Bonuszusagen aus früheren Jahren zurück.

So liegen die Zuflüsse nicht nur bei Zetsche, sondern auch bei anderen altgedienten Daimler-Managern deutlich über den HGB-Zahlen: Finanzchef Bodo Uebber kommt laut HGB auf eine Gesamtvergütung von 2,8 Millionen Euro. Die Zuflüsse im Jahr 2018 summieren sich aber auf 4,9 Millionen Euro. Auch bei seinen Vorstandskollegen Hubertus Troska und Wilfried Porth überstiegen die Zuflüsse im vergangenen Jahr die Bezüge nach HGB deutlich: Troska bekam rund vier Millionen Euro ausgezahlt, Porth 3,7 Millionen.

Nicht bei allen sind die Zuflüsse höher

Es geht aber auch umgekehrt: Beim für Rechtsfragen zuständigen Vorstandsmitglied Renata Jungo Brüngger, Vertriebschefin Britta Seeger und dem für die Truck-Sparte verantwortlichen Manager Martin Daum sind die 2018 geflossenen Beträge geringer als die gewährten Zusagen. Diese drei sind nämlich erst 2016 und 2017 in den Vorstand aufgerückt und haben in der Vergangenheit noch keine großen Ansprüche angehäuft. Besonders groß ist der Unterschied bei Seeger, die 2018 laut Zuflusstabelle 1,7 Millionen Euro erhielt. Die für das Geschäftsjahr gewährte, aber eben noch nicht vollständig ausgezahlte Gesamtvergütung beläuft sich auf 2,4 Millionen Euro.

Ebenfalls verwirrend: Die in den Zuflusstabellen aufgeführten Gesamtsummen schließen auch jenen Betrag ein, den das Unternehmen im jeweiligen Jahr für die Altersvorsorge seines Vorstands aufwendet. Daraus lässt sich aber nicht die spätere Rentenhöhe ableiten.

Zetsche bekommt Rente von mehr als einer Million Euro jährlich

In Zetsches Fall spielt das keine Rolle, weil Daimler für seine Altersvorsorge schon seit Jahren keine weiteren Beträge zurücklegt. Seine Ansprüche aus einem bis 2005 gültigen Pensionsplan wurden eingefroren, sie sichern ihm eine jährliche Rente von 1,05 Millionen Euro. Zetsche hat allerdings noch weitere Ansprüche aus einem neueren Pensionsplan erworben, in den zwar ebenfalls keine Beiträge mehr fließen, dessen endgültiger Wert aber erst bei seinem Eintritt in den Ruhestand Ende Mai berechnet wird. Nach Angaben des Konzerns könnte dieser Pensionsplan „rechnerisch zu einer zusätzlichen jährlichen Rente von circa 500 000 Euro führen“.

Über Zetsches Altersbezüge in diesem Jahr soll der nächste Vergütungsbericht Auskunft geben, der auch die Zahlungen für seine letzten Monate im Amt enthalten wird. Wie viel Geld dem Manager in den nächsten Jahren noch aus aufgeschobenen Bonusleistungen zufließt, wird dann allerdings nicht mehr aufgeschlüsselt. Diese Zahlungen würden „in der Summe der gewährten Bezüge an ehemalige Vorstandsmitglieder“, erfasst, teilte Daimler auf Anfrage mit. Das ist laut hkp-Experte Kramarsch allgemein üblich – „hier besteht eine Transparenzlücke“.

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