Daimler-Truck-Chef Martin Daum läutet eine neue Phase des China-Geschäfts ein. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Nicht nur Daimler Truck, sondern die ganze deutsche Automobilindustrie setzt weiter voll auf den chinesischen Markt. Daran sollten sich kleinere Unternehmen besser nicht orientieren, meint Matthias Schiermeyer.

Während die Bundesregierung die deutsche Wirtschaft immer offener zur schrittweisen Abkehr vom chinesischen Markt drängt, setzt Daimler Truck einen grellen Kontrapunkt: Jetzt wendet sich der Lkw-Hersteller erst recht den Chinesen zu, indem er vor Ort produziert. Stellvertretend für die deutsche Automobilindustrie unterstreicht Daimler Truck: Eure politischen und moralischen Bedenken sind uns gleichgültig – was zählt, ist das wirtschaftliche Potenzial. Das ist demzufolge in China größer als irgendwo sonst.

 

Peking befördert den chinesischen Markt ins Abseits

Die Fahrzeughersteller mögen der Ampelregierung die kalte Schulter zeigen – weniger große Unternehmen sollten ihren Kurs überdenken, sofern dies noch nicht geschehen ist. Wenn das Wirtschaftsministerium von Robert Habeck die staatlichen Investitions- und Exportgarantien zurückfährt, wird die Absicherung des China-Geschäfts beeinträchtigt – die Risiken nehmen zu.

Noch gravierender ist das Gebaren der Staatsführung in Peking: Mit der Null-Covid-Politik, die Ausländer aus dem Land treibt und Lieferketten kollabieren lässt, mit der Drangsalierung der Bürger, den staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft und einer außenpolitischen Abschottung vom Westen befördert sie den eigenen Markt ins Abseits. Wenn schon die europäische Handelskammer in China – wie gerade geschehen – einen Abgesang anstimmt, sollten hierzulande eigentlich alle gewarnt sein.