Ola Källenius muss nicht nur eine Strategie verfolgen, sondern auch Brandherde löschen. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Die Autohersteller bauen zahlreiche Stellen ab. Zu lange betrachtete man den Wohlstand im Südwesten als eine Selbstverständlichkeit. Das rächt sich nun, meint StN-Autor Klaus Köster

Stuttgart - „Es wirkt nur der Abschied vom Verbrennungsmotor“, sagte einst der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn, und die Entwicklung gibt ihm recht: Autozulieferer geraten in Schieflage, Bosch baut in nie gekanntem Ausmaß Arbeitsplätze ab, bei Daimler bahnt sich ein gewaltiges Sparprogramm an. Der Abschied vom Verbrennungsmotor wirkt. Und das besonders nachhaltig in einer Stadt, die sich bereits durch ihre Wortschöpfung „Feinstaubalarm“ weltweite Bekanntheit verschaffte.

Kein Vertrauen ins eigene Produkt

Natürlich ist Kuhn bei Weitem nicht allein verantwortlich für die Misere, in die die Autobranche vor aller Augen schlittert. Doch viel zu lange wurde der Wohlstand in der Region als eine bare Selbstverständlichkeit betrachtet, auf den man geradezu einen Rechtsanspruch zu haben schien. Nun, da der einstige Wohlstandsmotor Diesel am Boden liegt, ist die Ratlosigkeit groß. Womöglich kommt der saubere Diesel, der viele Arbeitsplätze nahezu ohne Schadstoffemissionen sichern könnte, zu spät. Wenn man nicht einmal dort Vertrauen in die neue Technologie hat, wo sie produziert wird – wer sollte dann noch an sie glauben?

Der Unterschied zwischen Bruch und Wandel

Auch ohne die hausgemachte Vertrauenskrise wäre der Wandel der Technologie gekommen, auf den sich die deutsche Autobranche reichlich spät vorbereitet hat. Die Entwicklung von Autos, die wenig oder keine Schadstoffe ausstoßen und – ebenso wichtig – auch nicht an anderer Stelle für Schadstoffausstoß verantwortlich sind, ist der richtige Weg. Es macht aus der Sicht eines Industrielands aber einen großen Unterschied, ob sich der Wandel kontinuierlich vollzieht oder in Form eines Bruchs, den man auch noch selbst mit herbeiführt. Was an Arbeitsplätzen durch das ökologisch durchaus fragwürdige Batterieauto hinzukommt, wird die Lücke bei Weitem nicht schließen. Die sozialen Folgen dieses Wandels machen sich bereits bemerkbar, bevor er richtig begonnen hat. Deutschland zeigt Wirkung.

klaus.koester@stuttgarter-nachrichten.de

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