Hinter diesen Fassaden tut sich was – der Daimler-Konzern strukturiert sich um Foto: dpa

Der Daimler-Konzern arbeitet wieder in einer Holding-Struktur. Diese hatte Jürgen Schrempp, der Vorgänger von Konzernchef Dieter Zetsche, einst abgeschafft, weil sie zu bürokratisch sei. Nun kommt diese Struktur erneut – mit der gegenteiligen Begründung.

Stuttgart -

Manchmal ändern sich die Zeiten so sehr, dass die Entwicklung einen Punkt erreicht, an dem sie schon einmal war. Etliche Jahre lang hatte die Daimler-Benz AG die Tochterfirma Mercedes-Benz AG, die für das Autogeschäft verantwortlich war. Doch seine Erfolge halfen Mercedes-Chef Helmut Werner wenig, denn Konzernchef Jürgen Schrempp legte Daimler mit Mercedes zusammen – und drängte Werner aus dem Amt. Durch die Doppelstruktur gebe es einen Wasserkopf von Mitarbeitern, die einander blockieren, hieß es damals.

20 Jahre später plant Schrempps Nachfolger Dieter Zetsche nun wieder eine Holdingstruktur. Eine Struktur, wie sie Schrempp als Wasserkopf betrachtete, hält Zetsche nun für eine entscheidende Voraussetzung, um flexibler zu werden. „Meine Argumente sind wie meine Kinder, ich lasse nichts auf sie kommen“, sagte einst der Hochschullehrer Michael Marie Jung.

Die Struktur kann neues Geld in den Konzern spülen

Allerdings hat Zetsche in der Tat gute Argumente auf seiner Seite. Selbst ein Weltkonzern wie Daimler muss immer mehr strategische Allianzen eingehen, um sich das Know-how für digitale Geschäftsmodelle, für das autonome Fahren und für die E-Mobilität zu sichern. Dafür ist es hilfreich, wenn nicht nur der riesige Konzern, sondern auch einzelne Einheiten als Partner zur Verfügung stehen. Durch Beteiligungen an diesen Einheiten lassen sich zudem so Mittel für Investitionen ins Haus holen.

Für wie wichtig Zetsche die neue Struktur hält, zeigt sich auch daran, dass er sich dafür eine langjährige Jobgarantie für die Mitarbeiter abtrotzen ließ. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass Vereinbarungen keine Jobs sichern können. Das geht nur durch wettbewerbsfähige Produkte und Geschäftsmodelle – zu denen die neue Struktur beitragen kann.

klaus.koester@stuttgarter-nachrichten.de

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: