Daimler-Chef Ola Källenius: Auch Prognosen über zwei bis drei Monate sind nicht möglich. Foto: dpa/Marijan Murat

Am Beispiel Daimler zeigt sich, wie groß die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sind. Staatliche Hilfen sind nötig, können aber nicht mehr leisten als Erste Hilfe, meint StN-Autor Klaus Köster.

Stuttgart -

Auch das Kurzarbeitergeld konnte nicht verhindern, dass der Gewinn bei Daimler sich in den vergangenen drei Monaten nahezu verflüchtigt hat – und dass nicht noch weiter gesunken ist, liegt womöglich nur daran, dass sich die Coronakrise erst in der Mitte des Quartals bemerkbar machte. In atemberaubendem Tempo haben sich die Prioritäten verschoben – es geht nun vor allem um die Sicherung der Liquidität, also um die Zahlungsfähigkeit des Konzerns. Wie sehr das Unternehmen nun auf Sicht fahren muss, zeigt sich auch daran, dass sich Konzernchef Ola Källenius nicht einmal mehr für die nächsten zwei bis drei Monate eine Prognose der Entwicklung zutraut. Woraus sollte er sie auch ableiten.

Daimler noch vergleichsweise stabil

Auch wenn Daimler schon vor der Coronakrise angeschlagen war, etwa durch die Dieselkrise, Handelskonflikte und die immensen Investitionen für den Schnellstart in die Elektromobilität – gemessen an der Situation vieler Zulieferer stand und steht der Konzern sogar noch vergleichsweise stabil da. Dass es selbst bei Daimler rapide abwärts geht, lässt ermessen, welche zum Teil noch gar nicht sichtbaren Auswirkungen auf die Wirtschaft die Krise haben wird. Die Notmaßnahmen, die die Politik der Wirtschaft derzeit leistet, hat zwar viele Unternehmen vor der Pleite gerettet. Doch es zeigt sich immer deutlicher: Es wäre eine Illusion zu glauben, dass sie auch nur annähernd das ausgleichen können, was derzeit wegbricht. Die Wirtschaft bekommt derzeit Erste Hilfe.

Prämien sind kein Ersatz

Auch eine weitere Kaufprämie neben dem bereits bestehenden Ökobonus für E-Autos, wie Daimler sie nun fordert, kann kein Ersatz für eine Belebung der Wirtschaft sein; subventionsgetriebene Geschäftsmodelle sind das Letzte, was die deutsche Wirtschaft zur Wahrung ihrer Wettbewerbsfähigkeit gebrauchen kann. Doch derzeit steht das Abbremsen des Einbruchs über allem anderen. Auch die Politik fährt auf Sicht und kann nur wenig Rücksicht darauf nehmen, ob die eingeschlagene Richtung stimmt. Zu den längerfristigen Folgen der Coronakrise dürften daher nicht nur angeschlagene Unternehmen aller Größen gehören, sondern auch die wachsende Abhängigkeit der Wirtschaft vom einem Staat, der seinerseits an die eigenen Grenzen geht.

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