Daimler-Chef Ola Källenius verlangt, dass die Führungskräfte beim Stellenabbau Härte zeigen. Foto: AFP/THOMAS KIENZLE

Über 10 000 Mitarbeiter will der Daimler-Konzern abbauen. Ein internes Papier deutet darauf hin, dass er dabei mit heftiger Gegenwehr rechnet. Denn angesichts der Coronakrise sinkt die Bereitschaft der Mitarbeiter zum freiwilligen Ausscheiden offenbar rapide.

Stuttgart - Der Stuttgarter Daimler-Konzern bereitet seine Führungskräfte auf harte Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern vor, die sich dem geplanten Stellenabbau widersetzen. In einem internen Papier, das unserer Zeitung exklusiv vorliegt, werden die Führungskräfte aufgefordert, die Trennungsabsicht unmissverständlich zu kommunizieren und jeden Eindruck zu vermeiden, dass es noch einen Spielraum für Verhandlungen gebe. Die Gespräche seien möglichst nach 15, spätestens aber nach 30 Minuten zu beenden. In dieser Zeit solle ein Vertreter der Personalabteilung bereits den weiteren Ablauf der Trennung erläutert haben.

Dringend wird den Chefs davon abgeraten, sich von der Entscheidung zum Personalabbau zu distanzieren, obwohl sie auch selbst noch davon betroffen sein könnten.

Was, wenn die Frau schwer krank ist?

Die Führungskräfte sollten sich auf sehr unterschiedliche Reaktionen der Mitarbeiter vorbereiten. Dazu gehörten Aussagen wie: „Meine Frau/Mann ist schwer krank“, „jetzt soll ich ausbaden, was das Management verbockt hat“, „du hattest mich doch schon immer auf dem Kieker“ oder „bist du verrückt? Gerade jetzt? In dieser unsicheren Zeit?“. Die Führungskräfte sollten respektvoll auftreten, sich aber zugleich darüber im Klaren sein, wie wichtig es ist, die Mitarbeiter tatsächlich zur Unterschrift unter einen Aufhebungsvertrag zu bewegen.

Wer stur bleibt, hat es schwer

Wer stur bleibt, dem solle die Botschaft übermittelt werden, es könne sein, dass sich „alles für dich verändert. Dann musst du in Zukunft sehen, wie du mit dieser Unsicherheit im beruflichen Umfeld umgehen kannst.“ Zudem müsse dann die Frage geprüft werden, welche Auswirkungen die Situation „auf die nächsten Performance-Gespräche und Feedbacks“ habe. Somit wirkt sich die Verweigerung einer Unterschrift möglicherweise auf künftige Leistungsbeurteilungen des Mitarbeiters aus.

Keiner will in der Coronakrise gehen

Nach Informationen unserer Zeitung erwartet der Konzern, dass angesichts der Corona-Krise wesentlich weniger Mitarbeiter freiwillig ausscheiden werden als bisher geplant. Schon vor Corona hatte Daimler einen großen Stellenabbau angekündigt. Die Schulung soll offenbar dazu führen, dass Vorgesetzte den Druck auf Beschäftigte erhöhen. Konzernchef Ola Källenius appelliert in dem Papier an die Vorgesetzten, die Vorgaben erfolgreich umzusetzen.

Eine Konzernsprecherin wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.

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