Daimler-Chef Dieter Zetsche (links) war am Freitag bei einem Arbeitsbesuch beim französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Foto: Daimler

Im lothringischen Werk Hambach soll neben dem Zweisitzer von Smart auch ein kompakter Mercedes produziert werden. Dafür werden 500 Millionen Euro investiert.

Stuttgart - Im Herbst 2015 gab es heftige Proteste der Gewerkschaften im Smart-Werk in Hambach. Der Autobauer wollte die wöchentliche Arbeitszeit von 35 auf 39 Stunden anheben. Die längere Arbeitszeit war Teil einer geplanten Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung, mit der es zumindest bis 2020 keine Kündigungen geben sollte. DerStreit schlug weit über die lothringer Fabrik hinaus Wellen. Denn er fiel mitten in die Zeit, in der Emmanuel Macron, der damals Wirtschaftsminister war, die 35-Stunden-Woche in Frankreich generell in Frage stellte. Die Werkleitung setzte sich nach einem monatelangen Tauziehen durch. Fast alle Beschäftigte stimmten individuellen Vertragszusätzen zu, in denen die längere Arbeitszeit geregelt war. Die Gewerkschaften wurden mit diesen individuellen Vereinbarungen ausgebremst.

Am Freitag nun verkündete Daimler-Chef Dieter Zetsche nach einem Arbeitstreffen mit dem mittlerweile zum Präsidenten aufgestiegenen Macron im Elysee-Palast in Paris, dass Daimler in Hambach ein kompaktes Elektromodell von Mercedes bauen will. Für neue Hallen und die Entwicklung das Autos sollen laut Daimler insgesamt 500 Millionen Euro investiert werden. Heute sind dort rund 800 Mitarbeiter beschäftigt.

Zusätzliche Jobs werden wohl nicht geschaffen

Zusätzliche Jobs jedoch werden durch den neuen Stromer nach Angaben eines Unternehmenssprechers wohl nicht geschaffen. Denn Smart soll bis 2020 zu einer reinen Elektro-Marke werden. Die Produktion der Zweisitzer mit Verbrennungsmotor wird eingestellt. Heute sind etwa 40 Prozent der ausgelieferten Wagen elektrisch. Auch wenn das Unternehmen heute über Lieferfristen bei den Stromern klagt, dürfte die Nachfrage bis 2020 nicht so stark wachsen, dass der Wegfall der Wagen mit Verbrennungsmotor ohne zusätzliches Modell ausgeglichen werden könnte. Der Zweisitzer von Smart war bisher das einzige Modell des Werks. Die Fabrik wurde 1997 vom damaligen Präsidenten Jacques Chirac und dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl eingeweiht. Bis heute sind rund zwei Millionen Smart For­two in Hambach vom Band gelaufen.

„Wir wollen die langjährige Erfahrung des Standorts Hambach beim Bau von Elektrofahrzeugen nutzen“, erklärte die Smart-Chefin Annette Winkler. Für die Mitarbeiter zahle sich nun aus, dass sie bereits vor einigen Jahren mit dem Beschäftigungspakt zu einer deutlichen Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts beigetragen hätten. In Hambach werden bereits seit 2012 elektrische Smart in Serie produziert. Smart ist nach Angaben der Markenchefin im ersten Quartal der Marktführer unter den vollelektrischen Autos in Deutschland.

Der Absatz von Smart geht deutlich zurück

Während der Zweisitzer Smart Fortwo in Hambach produziert wird, läuft der viersitzige Forfour sowohl mit Verbrenner als auch in der Elektrovariante in einem Renault-Werk in Slowenien vom Band. Dort werden auch der Twingo und der Clio von Renault produziert. Der Twingo hat unter dem Blech bei der Technik viel gemeinsam mit dem Smart Forfour.

Obwohl die elektrischen Smart stark gefragt sind, bekommt die Marke insgesamt zu spüren, dass die Zwei- und Viersitzer schon seit einigen Jahren auf dem Markt und nicht mehr die Frischesten sind. In den ersten vier Monaten dieses Jahres ging der weltweite Absatz um 9,4  Prozent auf 40 854 Autos der Marke Smart zurück.

Der kompakte Stromer von Mercedes, der künftig in Hambach produziert werden soll, ist Teil einer großen Elektro-Offensive des Stuttgarter Autoherstellers. Bis zum Jahr 2022 will Mercedes-Benz unter dem Kürzel EQ in allen Fahrzeugsegmenten mehr als zehn Elektroautos auf den Markt bringen. Den Auftakt macht im nächsten Jahr der Geländewagen EQC, der in Bremen produziert wird. Insgesamt sollen die Stromer an sechs Standorten auf drei Kontinenten produziert werde, unter anderem auch in Sindelfingen und in Rastatt.

Das badische Werk in Rastatt hat in der Autosparte Mercedes-Benz Cars die Führungsrolle bei der Produktion von kompakten Modellen. Vor kurzem erst ist die neue Generation der A-Klasse in Amsterdam vorgestellt worden. Hambach wird nach Angaben von Mercedes-Produktionschef Markus Schäfer nun Teil des Produktionsverbunds für Kompaktwagen.

In Rastatt ist bereits die B-Klasse von Mercedes-Benz mit Elektroantrieb produziert worden, deren Erfolg aber sehr überschaubar war. Im vergangenen Jahr ist die Produktion ausgelaufen. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt hat der Stuttgarter Autohersteller im vergangenen Jahr mit der Fahrzeugstudie EQA einen ersten Vorgeschmack auf das künftige Kompaktmodell gegeben, das in Rastatt hergestellt werden soll. Die Erwartungen des Unternehmens sind hoch. Der neue kompakte Stromer soll eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern haben. Bis 2025 sollen nach den Planungen des Unternehmens 15 bis 25 Prozent der verkauften Autos elektrisch fahren.

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