Der Stern zählt zu den bekanntesten Markenzeichen der Welt – der spanische Frauenname Mercedes gilt als Inbegriff für Autos. Foto: dpa/Uli Deck

Vor 120 Jahren wurde der Name eines elfjährigen Mädchens zum Inbegriff für Autos und zur ersten Luxusautomobilmarke der Welt. Wir erklären, wie die Fahrzeuge aus Stuttgart zu ihrem Namen kamen.

Stuttgart - Vor 120 Jahren war die Geburtsstunde einer Modellreihe, die heute unter dem Namen Mercedes-Benz eine der weltweit erfolgreichsten Marken der Automobilindustrie ist. Der Stern zählt zu den bekanntesten Markenzeichen auf dem Globus – der spanische Frauenname Mercedes gilt als Inbegriff für Autos. Am 2. April 1900 entschied die Daimler-Motoren-Gesellschaft, ihre Automobile Mercédès zu nennen. Der Begriff wurde am 23. Juni 1902 zum Warenzeichen angemeldet und schließlich am 26. September 1902 gesetzlich geschützt. Fortan zierte der geschwungene „Mercédès“-Schriftzug die Kühler der Daimler-Personenwagen. Der Mercedes 35 PS, das erste Fahrzeug mit diesem Namen, gilt als Urtyp des modernen Automobils. Doch wie kam die Marke Mercedes vor 120 Jahren überhaupt zu ihrem Namen?

Der Name Mercedes bedeutet Gnade

Mercedes ist ein spanischer Frauenname und bedeutet Gnade. Mercedes hieß die 1889 geborene Tochter des in Baden bei Wien und in Nizza lebenden österreichischen Geschäftsmanns Emil Jellinek. Der sportbegeisterte Jellinek war ein Anhänger des technischen Fortschritts und überzeugt, dass das Automobil die Zukunft verändern würde. Bereits 1897 reiste er nach Cannstatt und bestellte seinen ersten Daimler-Wagen, einen 6-PS-Riemenwagen mit Zweizylindermotor. Schon bald war das im Oktober 1897 gelieferte Fahrzeug mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 24 Stundenkilometern Jellinek zu langsam.

Jellinek forderte von der DMG (Daimler-Motoren-Gesellschaft) immer stärkere und schnellere Fahrzeuge und meldete diese ab 1899 auch zu Rennveranstaltungen an – allen voran bei der Woche von Nizza. Bei diesen Rennen trat er gewöhnlich unter seinem Pseudonym Mercédès auf. Diesen in Automobilistenkreisen schließlich sehr bekannten Namen benutzte Jellinek zunächst nicht als Automobilmarke, sondern als reinen Team- und Fahrernamen. Anfang April 1900 trafen die DMG und Jellinek eine Vereinbarung über den Vertrieb von Daimler-Wagen und -Motoren. Mit der Entscheidung, einen neuen Motor zu entwickeln, der den Namen Daimler-Mercedes führen sollte, wurde Jellineks Pseudonym auch zur Produktbezeichnung.

Mercedes stand früher nicht nur für Pferdestärken

Am 22. Dezember 1900 lieferte die DMG den ersten mit dem neuen Motor ausgerüsteten Wagen an Jellinek, einen 35 PS-Rennwagen. Dieser erste Mercedes, entwickelt von Wilhelm Maybach, dem Chefkonstrukteur der DMG, sorgte zu Beginn des Jahrhunderts für Furore und gilt heute als das erste moderne Automobil. Als Jellinek im Jahre 1900 für 550.000 Goldmark 36 Fahrzeuge bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft orderte, machte er den Vorschlag, sie nach seiner Tochter Mercedes zu benennen. Als 1926 dann die beiden Unternehmen der Automobil-Erfinder Karl Benz (Mannheim) und Gottlieb Daimler (Stuttgart) zur Daimler-Benz AG verschmolzen, blieb der Markenname, ergänzt um das Wort Benz, erhalten.

Der Begriff Mercedes-Benz ist heute zwar untrennbar mit Fahrzeugen verknüpft. Doch das war nicht immer so: Die Firma Lindauer etwa ließ um 1900 die Marke Mercedes als Warenzeichen für eine Korsettmarke beim kaiserlichen Patentamt eintragen. Nach 1914 taucht der Name im Sortiment der Firma Lindauer dann nicht mehr auf. Auch die Cannstatter Schuhfabrik Haueisen & Cie AG. vertrieb nach dem Ersten Weltkrieg ihre Erzeugnisse unter der Marke Mercedes in Verbindung mit einem Affen, der einen Schuh in der rechten Hand hielt. Nicht zuletzt informiert das Archiv des Stuttgarter Autobauers darüber, dass früher auch Zigaretten unter dem Namen Mercedes vertrieben wurden.

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