Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, spricht auf der Hauptversammlung des Konzerns in Berlin Foto: AP

Der chinesische Großaktionär verunsichert die übrigen Daimler-Anleger. Mit gutem Grund, meint Harry Pretzlaff. Es sei nur schwer vorstellbar, dass dieser sehr aktive Konzernschmied sich auf Dauer bei Daimler bescheiden zurückhält.

Stuttgart - Der neue größte Aktionär von Daimler glänzte auf der Hauptversammlung des Autokonzerns durch Abwesenheit. Der chinesische Milliardär und Chef des Konzerns Geely Li Shufu, der seit Kurzem fast zehn Prozent der Anteile hält, schickte einen Vertreter zum Aktionärstreffen in Berlin. Bei den Anteilseignern hat dieser überraschende Einstieg zu Recht zahlreiche Fragen aufgeworfen. Sie machen sich Sorgen, dass der Investor nicht nur an Dividenden und steigenden Aktienkursen interessiert ist, sondern das Stuttgarter Unternehmen als Vehikel für den weiteren Ausbau seines eigenen Fahrzeugimperiums einspannen könnte.

Zetsches Aussagen lassen Raum für Spekulationen

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat auf der Hauptversammlung wie schon auf dem Genfer Autosalon Anfang März betont, dass der chinesische Investor in erster Linie Aktionär sei. Alles andere werde man prüfen. Eine industrielle Zusammenarbeit werde man ausloten. Eine Kooperation in China werde von vornherein jedoch nur zustande kommen, so der Daimler-Chef, wenn die bisherigen dortigen Daimler-Partner BAIC und BYD damit einverstanden wären.

Dies lässt jedoch viel Raum für Spekulationen und zeigt zugleich das Risiko, das für Daimler in dem Engagement des neuen Aktionärs aus der Volksrepublik steckt, denn für Li Shifu dürfte der Reiz groß sein, den weltweit größten Premiumhersteller zur Stärkung seiner eigenen Firmen einzusetzen. Dies könnte jedoch zu einem Konflikt mit den bisherigen China-Partnern führen. Zwar gibt ihm eine Beteiligung von zehn Prozent noch nicht das Recht, auf Mitsprache zu pochen, aber eine Aufstockung ist nicht ausgeschlossen, zumal die Aktien bei den derzeitigen Kursen recht günstig zu haben sind.

Die Engagements fügen sich wie Puzzlestücke zusammen

Der chinesische Milliardär hat im Laufe der Jahrzehnte nicht nur Geely zu einem großen Autobauer aufgebaut, sondern auch den Pkw-Hersteller Volvo gekauft, ebenso eine Beteiligung am Nutzfahrzeughersteller Volvo erworben wie eine ganze Reihe weiterer Fahrzeugbauer. All diese Engagements erscheinen wie Puzzlestücke, die mit deutscher Hilfe zu einem ganzen Bild zusammengefügt werden könnten. Es ist nur schwer vorstellbar, dass dieser sehr aktive Konzernschmied sich auf Dauer bei Daimler bescheiden zurückhält.

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