Daimler-Chef Dieter Zetsche will 2021 Chef des Aufsichtsrats werden. Foto: dpa

Der Daimler-Chef hat bei dem kränkelnden Konzern das Steuer nachhaltig herumgeworfen. Doch mit dem schlechten Manangement der Dieselkrise beschädigt er sein eigenes Erbe.

Stuttgart - Ist das Glas nun halbvoll oder halbleer? Ob Dieter Zetsches angekündigter Abgang als Daimler-Chef ein Ausweis der Souveränität ist, den Zeitpunkt des Wechsel selbst zu bestimmen, oder ob es eher dazu dient, einen weiteren Ansehensverlust zu vermeiden – das liegt im Auge des Betrachters. Fest steht, dass es Zetsche gelungen ist, beim Daimler-Konzern das Ruder herumzureißen und vom Schlusslicht in der Troika der deutschen Premiumhersteller zum Marktführer zu werden. Fest steht aber auch, dass ihn am Ende das Glück verlassen hat. Es ist ihm nicht gelungen, Daimler aus dem Strudel des VW-Skandals herauszuhalten, was ihn von seinem Rivalen bei BMW deutlich unterscheidet. Bei Daimlers Dieseln gab es teilweise groteske Abweichungen zwischen den Abgaswerten auf der Straße und denen im Labor – das machte immer mehr Menschen die Unterscheidung von VW schwer. Dass der Bundesverkehrsminister der klagefreudigen Deutsche Umwelthilfe mit Blick auf den Diesel einmal näher stehen würde als dem Daimler-Konzern, hätte vor wenigen Monaten wohl niemand auch nur geahnt.

Wahl des Zeitpunkts ist kein Zufall

Zetsche kündigt seinen Abgang wenige Tage vor der Entscheidung der Politik über die Diesel-Nachrüstung an, bei der die Branche einen schweren Stand haben wird. Zu lange hat auch Zetsche versucht, die Verantwortung für eigenes fragwürdiges Verhalten auf den Kunden abzuwälzen und sich stattdessen mit der Politik einen kleinteiligen Streit über die rechtliche Zulässigkeit von Zwangsrückrufen geliefert, anstatt den Schaden wiedergutzumachen. Monatelang stritt man sich um die vergleichsweise billige Software-Nachrüstung, nun kommt es für die Branche womöglich viel teurer.

Als Manager hat Zetsche eine Herkulesarbeit geleistet – seine drastische und durchaus riskante Kurskorrektur bei den Modellen zog im großen Stil junge und weibliche Kunden an und veränderte die Marke zum Positiven. Neue Technologien treibt er heute massiv voran, und in China machte er das Unmögliche möglich und vollzog für Daimler einen sagenhaften Aufstieg. Doch Unmögliches tat er auch gegenüber der Politik, was wohl als erheblicher Makel an ihm hängenbleiben wird. Einen besseren Abschied hätte er sich redlich verdient.

klaus.koester@stuttgarter-nachrichten.de

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