Der Schulzweckverband hat den Abriss der einstigen Hauptschule beschlossen. Somit wäre der Weg frei für den Neubau der Darmsheimer Grundschule auf dem Areal. Mehrzweckhalle und Hallenbad sollen saniert werden – oder neu gebaut.
Dagersheim/Darmsheim - Nach dem Sindelfinger Gemeinderat hat am Montag auch der Schulzweckverband Böblingen-Dagersheim/Sindelfingen-Darmsheim beschlossen, dass die asbestverseuchte Rappenbaumschule abgerissen wird. Auch der Sanierung der Mehrzweckhalle und des Hallenbads stimmte der Zweckverband zu. Prüfaufträge sollen zuvor der Frage nachgehen, ob ein jeweiliger Neubau nicht wirtschaftlich günstiger käme.
Sindelfingens Erster Bürgermeister Christian Gangl gab pflichtschuldigst auch das weiter, was ihm die übergroße Gemeinderatsmehrheit zuletzt als Weisung mit auf den Weg in die Dagersheimer Zehntscheune gegeben hat: die Verlegung der Grundschule Darmsheim aus dem Birkleweg in einen Neubau auf dem Rappenbaum-Gelände.
Wie berichtet, hatte der Sindelfinger OB zuletzt noch die dortige Sanierung favorisiert und für eine vielköpfige Projektgruppe Schulentwicklung inklusive Bürgerbeteiligung plädiert. Doch bis auf drei Enthaltungen seitens der Linken und von AfD-Mann Winfried Meffert war dem Stadtoberhaupt niemand gefolgt. Der Wunsch aus dem Darmsheimer Ortschaftsrat sei seit Jahren einmütig. Dem wolle man sich nicht entgegenstellen, hatte es bereits im Ausschuss für Bildung und Betreuung vor dem Gemeinderat geheißen. „Wir sind nicht klüger als der Ortschaftsrat“, hatte damals FDP-Gemeinderat Maximilian Reinhardt gesagt – und vielen aus dem Herzen gesprochen.
Der Ball liegt nun in der Böblinger Hälfte
Nun weiß man also auf Böblinger Seite, was Sache ist. Also ist nun der Ball in der Böblinger Hälfte. Ortschaftsrat, Verwaltungsausschuss und letztlich der Gemeinderat sind am Zug. „Die Gesamtmeinung aus Böblingen werden wir dann über unsere Mitglieder im Schulzweckverband mitteilen“, sagte Josef Fischer auf Anfrage. Der Amtsleiter für Jugend, Schule und Sport geht davon aus, dass das bis zur nächsten planmäßigen Sitzung des Schulzweckverbands im Dezember der Fall sein wird. Und dass bis dahin auch Architekten geprüft haben, ob die Sanierung von Mehrzweckhalle und Hallenbad möglich ist beziehungsweise mehr Sinn macht als ein Neubau – oder umgekehrt.
„Im Augenblick gehen wir davon aus, dass das Bad in seinem jetzigen Zustand bleibt und ertüchtigt werden kann“, so Fischer. Schwimmtrainer und Betriebsleiter-Fachmann Uwe Ozimek, der seinen Ruhestand verschiebt, bleibt diesbezüglich eine Schalt- und Waltstelle. Ozimek hatte zuvor aufgelistet, was in den vergangenen Monaten getan worden ist: etwa angerostete Rohre und Druckleitungen ausgetauscht, Fliesen teils repariert. Bei der Wasseraufbereitung würde die Ersatzteilversorgung indes „immer schwieriger“. Seit Mai seien nach Corona-Schließungen wieder 3000 Menschen im Hallenbad gewesen – 500 von Schul-, 2500 von Vereinsseite. Ein rasches Handeln sei angesagt, so Ozimek.
Zehn Jahre nach der Schließung der Rappenbaumschule 2012 und einer Interims-Nutzung zur Flüchtlingsunterbringung ist nun klar, dass die Grundschule Dagersheim am althergebrachten Standort verbleibt und die Darmsheimer Grundschule im Birkleweg umziehen will. Sie ist beengt in vier Gebäuden untergebracht und operiert in geliehenen Containern. Platz für Erweiterung bleibt kaum, obgleich der wichtig wäre. Spätestens 2016 soll ja stufenweise ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder kommen. Das verlangt andere Raumbedarfe, wie sie auf knapper Fläche nicht darstellbar seien, argumentiert der Ortschaftsrat Darmsheim mit einstimmiger Geschlossenheit seit langem.
Darmsheimer Strategiepapier bringt Druck in den Kessel
Das Fleckenparlament hatte zuletzt mit einem gut 20-seitigen Arbeitspapier „Rappenbaum Campus 2.0“ vom April Bewegung in das jahrelang stagnierende Thema gebracht – und den Stellenwert eines Campus für die Ortsgemeinschaft dargelegt. So ein Synopsen- und Argumentations-Papier, sagten nicht wenige Kommentatoren, hätte man sich eigentlich von der Sindelfinger Stadtverwaltung gewünscht.
Die Expertise aus Darmsheim taxiert einen Schulneubau am Rappenbaum auf knapp sieben Millionen Euro, eine Sanierung am Birkleweg auf 7,4 Millionen. Doch selbst wenn der Neubau, wie Erster Bürgermeister Christian Gangl befürchtet, viel mehr kostet als in Darmsheim geschätzt – den Rätinnen und Räten ist eine Mehrausgabe allemal lieber als das Risiko eines Fasses ohne Boden für ein Gebäude-Konglomerat aus den 50er-Jahren. Die weitere Entwicklung dürften die Darmsheimer in pragmatischer politischer Gesinnung aufmerksam auf ihrem Radar behalten. Manche ulken schon, sie seien im Begriff, den Sekt kalt zu stellen für die Siegesfeier nach einer jahrelangen Hängepartie.