Dänischer Prinzgemahl gestorben Prinz Henrik wäre so gerne König gewesen

Von André Anwar 

Er wäre so gerne selber König gewesen: der verstorbene Prinz Henrik von Dänemark (1934-2018) und seine Gattin Königin Margrethe Foto: dpa
Er wäre so gerne selber König gewesen: der verstorbene Prinz Henrik von Dänemark (1934-2018) und seine Gattin Königin Margrethe Foto: dpa

Prinz Henrik von Dänemark ist im Alter von 83 gestorben. Der eigensinnige Prinz kämpfte lange um den Königstitel und machte sich damit viele Feinde. Er wird nach seinem Willen nicht im Familiengrab beigesetzt.

Kopenhagen - Nach zwei Wochen im Kopenhagener Rigshospitalet wollte Prinz Henrik seine letzte Zeit zuhause im Schloss Fredensborg mit seiner Ehefrau Königin Margrethe II. (77) und den beiden Söhnen Frederik (49) und Joachim (48) verbringen. Dort ist er in der Nacht auf Mittwoch um 23.18 Uhr im Alter von 83 Jahren friedlich eingeschlafen, wie der Königshof mitteilte. Prinz Henrik wurde zuletzt wegen eines gutartigen Lungentumors und einer Lungenentzündung behandelt. Sein Zustand verschlechterte sich jedoch drastisch. Bis zuletzt soll er Haltung bewahrt und seinen sehr eigenen Humor behalten haben.

Dänemarks Untertanen trauern mit ihrer Königin, die den attraktiven und lebensfrohen französischen Grafensohn und Diplomaten 1965 in London kennengelernt hatte. Zwei Jahre später heiratete sie ihn, weil sie „unsterblich verliebt“ sei, wie die Kronprinzessin damals sagte.

Der gebürtige Franzose nahm selten ein Blatt vor den Mund

Für diese große Liebe musste Henri Marie Jean André Graf de Laborde de Monpezat einiges aufgeben. Seinen französischen Namen, seine Staatsbürgerschaft und seinen katholischen Glauben. „Vergessen Sie nie, stolz auf Frankreich zu sein“, hatte Präsident Charles de Gaulle den jungen Diplomaten beim Abschied ermahnt. Das hat der selbstsichere und streitbare Prinz auch nicht. Das nüchterne und abgeschottete dänische Königshaus versah der Lebemann mit einer neuen Lockerheit und Internationalität. „Er gab der Königin Liebe, Geborgenheit und Mut eine der besten Monarchinnen Dänemarks zu werden“, würdigt die Zeitung Jyllands-Posten.

Untypisch skandinavisch nahm der kulturinteressierte Franzose selten ein Blatt vor den Mund. Er sorgte für Überraschungen, wich vom Protokoll ab. „Er ist ein Spaßmacher. Wenn er eine Gelegenheit zu einer Überraschung sieht, nimmt er sie gern wahr. Etwa durch einen unerwarteten Auftritt. Er kann da verkleidet sein oder einfach eine kleine Houdini-Verschwindenummer hinlegen“, sagte Prinz Joachim zum 80. Geburtstag seines Vaters.

Gern unterstrich Prinz Henrik die Überlegenheit der französischen Gourmetküche

Einmal zum Beispiel ist Prinz Henrik spontan in der für ihren Haschischverkauf bekannten, alternativen Freistadt Christiania erschienen und trank dort ein Helles mit den Hippies. Gern unterstrich er die Überlegenheit der französischen Gourmetküche und Lebensart gegenüber der dänischen. Er war ein Snob und volksnah zugleich. Nur widerwillig erlernte er die dänische Sprache, die er bis zuletzt nicht wirklich gut beherrschte. All das fanden die Untertanen zunächst charmant.

Doch er wurde mit den Jahren umstrittener. Vor allem konnte sich der traditionell geprägte Familienvater nie mit seiner Rolle als Prinzgemahl und Schatten der Königin abfinden. Er war eigentlich ein klassisches, autoritäres Familienoberhaupt. „Unser Vater verlangte konsequent Erfolge. Das war unsere große Sorge in der Kindheit“, erinnerte sich Prinz Joachim einmal. Unter dem Pantoffel wollte Henrik nie stehen und tat es privat auch nicht.

Ohne Königstitel werde er nicht ernst genommen, sagte der Prinzgemahl

Doch er forderte, auch offiziell König sein zu dürfen. Er werde sonst nicht ernst genommen, klagte er. Neben seiner Frau habe sogar sein Söhnchen Kronprinz Frederik bei Empfängen einen höheren Status als er. „Das ist so, weil ich nicht den gleichen Rang habe wie meine Frau. Ich werde das nie akzeptieren“, sagte er einmal. Übel nahmen ihm die Untertanen, als er den 75. Geburtstag seiner Königin schwänzte. Er sei krank, sagte er da, wurde aber am Tag darauf als Tourist in Venedig abgelichtet.

Im vergangenen Jahr kam dann der Eklat. Er wolle nicht neben der Königin im Familiengrab begraben werden, gab Prinz Henrik bekannt. „Meine Frau gibt mir nicht den Respekt, den eine normale Ehefrau ihrem Ehemann geben sollte. Sie macht mich zum Narren“, polterte er da. „Wenn sie will, dass wir zusammen begraben werden, muss sie mich zum Königinnengemahl machen. Fertig“, ließ er vermelden.

2017 gab der Hof bekannt, dass Prinz Henrik an Demenz leide

Dementsprechend negativ gefärbt waren einige Nachrufe in dänischen Zeitungen am Mittwoch. Doch 2017 hatte der Hof auch bekannt gegeben, dass Prinz Henrik an Demenz leide. Die Untertanen hatten deshalb Nachsicht. Nun wird er tatsächlich ganz anders als andere Mitglieder der Königsfamilie begraben.

Die Hälfte seiner Asche soll gemäß seinem letzten Willen ins dänische Meer gestreut, die andere Hälfte soll in einer Urne im Schlossgarten von Fredensborg begraben werden. „Prinz Henrik war ein facettenreicher Mann mit Mut und Kanten. Er wagte es, sich selbst und seine Person aufs Spiel zu setzten und weigerte sich, nur ein Zuschauer des Lebens zu sein“, sagte Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen und fuhr fort: „Die königliche Familie hat einen Anker verloren.“

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