Bernd Nolte, Bankexperte Foto: Nicole Hentschke

Mit schwäbischem Humor hat Bankexperte Bernd Nolte die Folgen der Wirtschaftskrise erklärt.

Dachswald - So nah bei seinem Wohnort hat der Finanzexperte Bernd Nolte noch nie referiert. „Ich wohne nur 500 Meter weiter“, sagte der Professor am Donnerstagabend im Dachswald. Viele Besucher seines Vortrags „Der Euro – wie es wirklich um ihn steht und was wir konkret tun können“ kennen ihn als ihren Nachbarn oder aus dem Tennisverein.

An 200 Tagen im Jahr ist Nolte als Finanzspezialist auf der ganzen Welt unterwegs. Er unterrichtet an den Universitäten von Stuttgart, Berlin, Tokio und Ulan Bator, schreibt Fachartikel für Wirtschafts- und Tageszeitungen und ist in Fernsehbeiträgen zu sehen. „Derzeit beraten mein Team und ich die chinesische Regierung beim Aufbau von Regionalbanken“, so Nolte. Als der Bürgerverein Dachswald ihn als Redner einlud, war die Zusage für ihn selbstverständlich. Normalerweise füllt er mit seinen Vorträgen große Hallen und spricht vor Hunderten Zuhörern. Im Walter-Mann-Haus waren es gerade einmal 50, die wissen wollten, wie ihr Erspartes auch in Zukunft sicher angelegt ist.

Mit spitzer schwäbischer Zunge erklärte Nolte seinem Publikum, wie das weltweite Finanzwesen funktioniert und wie es mit der Realwirtschaft und dem Staatssektor verknüpft ist. Die Wirtschaftskrise, ist er sich sicher, sei bei weitem nicht beendet.

„Beschäftigen Sie sich mit ihrem Geld

Im europäischen Raum macht er sich wenig Sorgen um Griechenland. „Das ist nur ein Übungsfeld im Kleinen“, winkte Nolte ab. Die marode Staatswirtschaft Frankreichs bereitet ihm mehr Kopfzerbrechen. Deutschland stehe im Vergleich zu anderen Ländern im Euroraum gut da. Die Wirtschaftskraft werde in diesem Jahr wohl „auf hohem Niveau“ stagnieren, sagte Nolte voraus. So gut diese Prognose klingt, sie birgt für Sparer ein Problem. Denn ein hohes Bruttoinlandsprodukt bedeutet eine steigende Inflation und damit höhere Preise. Die Kaufkraft des Ersparten wird geringer. „Festgeld- und Sparbuch-Sparer werden verlieren. Die Inflation frisst die Rendite“, warnte Nolte seine Zuhörer. Vor allen Dingen die Altersvorsorge sieht er gefährdet.

Ein Patentrezept, wie Erspartes sicher angelegt werden kann, hat aber auch Nolte nicht. Anlagemodelle, die früher als sicher galten, sind inzwischen mit Vorsicht zu sehen. Den Kauf von Immobilien, dem „Betongold“, empfiehlt er nicht. Als Verkaufsstrategie sei der Immobilienkauf zu riskant. Auch beim Aktienkauf riet der Finanzexperte, Vorsicht walten zu lassen und langfristig zu planen. „Kurzfristige Anlagen sind unrentabel“, betonte er. Von Staatsanleihen riet er von vornherein ab, auch Gold sei auf Dauer zu unsicher.

Er setzt viel mehr auf eine gestreute Anlage in Aktien krisenfester Industrieunternehmen. Anleger sollten ihr Geld nie nur in einen Topf werfen, empfahl er den Anwesenden. „Beschäftigen Sie sich mit ihrem Geld. Bringen Sie auch Ihren Kindern den Umgang mit Geld bei“, riet Nolte den Zuhörern. In einer Zeit, in der das Sozialsystem und die Familie ein immer schwächeres Netz bilden, müsse man schon selbst für eine finanzielle Absicherung sorgen.

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