D. J. Fontana ist tot Der Drummer, der den Sound von Elvis prägte

Von Thomas Klingenmaier 

D. J. Fontana in reiferen Jahren: In seiner Zeit bei Elvis hat er oft mit einem viel kleineren Schlagzeug gearbeitet. Foto: Getty
D. J. Fontana in reiferen Jahren: In seiner Zeit bei Elvis hat er oft mit einem viel kleineren Schlagzeug gearbeitet. Foto: Getty

D. J. Fontana war ein Glücksfall für Elvis: Dieser Schlagzeuger hatte Swing und Pepp, aber er verlor nie die Kontrolle. Mit 87 Jahren ist er nun gestorben – und war längst eine Legende seiner Zunft.

Stuttgart - „Mach bloß keinen Lärm“, habe die wichtigste Lektion aus seiner Zeit in der Country-Musik gelautet, hat der Drummer D. J. Fontana gern erzählt. Die schluchzenden Sänger hatten Angst, sich gegen ein Schlagzeug nicht durchsetzen zu können. „Die Basstrommel durfte ich kaum einsetzen, die wummste ihnen viel zu sehr“, amüsierte sich Fontana. Anfang der fünfziger Jahre war er Haustrommler der TV-Show „Louisiana Hayride“, die Country- und Westernmusik vorstellte. Deren Fans fanden Drums zu wild, also wurde Fontana im Studio hinter einem Vorhang versteckt. Von dort sollte er dezent, aber kraftvoll den Country ein wenig an modernere Musik heranführen, ohne die konservativen Fans auf die Palme zu bringen.

Endlich vor dem Vorhang

Als Elvis Presley beim „Hayride“ einen Einjahresvertrag bekam und die Jüngeren verzückte, obwohl einige Ältere grollten, durfte Fontana endlich vor den Vorhang. Und als Elvis auf größere Bühnen weiterzog, nahm er diesen Fernsehtrommler, der seinen Sound entscheidend prägte, klugerweise mit. Fünfzehn Jahre lang blieb Fontana beim „King“ und hat auf vielen der klassischen Hits gespielt: „Heartbreak Hotel“ etwa, „Hound Dog“ und „Don’t be cruel“.

Fontana brachte den pfiffigen Swing der Jazz-Drummer, die Wirbel aus dem Handgelenk, in den Rock’n’Roll – konnte bei Bedarf aber jederzeit die Zurückhaltung seiner Country-Jahre an den Tag legen. Und wenn er wilder wurde, wie auf „Hound Dog“ und „Jailhouse Rock“, dann blieb er doch cooler, sparsamer, beherrschter als die jungen Wilden der Beat-Musik, die sich gerne mal in ihrem Enthusiasmus verstolperten.

Nach seinen fünfzehn Jahren bei Elvis hat Fontana viel als Studio-Drummer gearbeitet, das Publikum las seinen Namen selten. Kollegen und Insider aber zogen stets den Hut. Das Magazin „Rolling Stone“ führt ihn auf seiner Liste der größten Rock-Drummer aller Zeiten auf Platz 13. Am 13. Juni 2018 ist Dominic Joseph Fontana nun im Alter von 87 Jahren gestorben.

Auch auf Youtube kann man seiner gedenken, mit ein paar Clips aus den Aufbruchsjahren einer neuen Musik. Im Folgenden stellen wir ein paar vor.

„Hound Dog“

Elvis’ frühe Musik verdankte dem schwarzen Rhythm & Blues sehr viel. „Hound Dog“ hatte 1953 die Bluessängerin Big Mama Thronton aufgenommen. Drei Jahre später wurde es ein Megahit für den jungen Hüftschwinger aus Memphis – und D. J. Fontana legte eine Drum-Arbeit hin, die seitdem zum Grundstudium jedes Rockschlagzeugers gehört.

„Blue Suede Shoes“

Den Rockabilly-Gitarristen Carl Perkins kannte Presley aus den Tagen beim „Lousiana Hayride“. “Blue Suede Shoes“ wurde der größte Hit von Perkins, der damit als erster „Country-Künstler“, wie er eingestuft wurde, bis auf Platz 3 der Rhythm & Blues-Charts vorstoßen konnte. Am 30. Januar 1956 schnappten sich Presley und seine schlanke Band – Scotty Moore an der Gitarre, Bill Black am Bass und Fontana an den Drums – das Stück und spielten spontan im Studio eine Cover-Version ein, ohne vorher zu proben. Diese Fassung wurde zunächst nicht so erfolgreich wie die von Perkins, ist heute aber die viel bekanntere.

„King Creole“

Bei vielen TV-Aufnahmen des jungen Presley ist die Band gar nicht zu sehen, die Kamera zeigt nur den Sänger, das damals größte Popmusikphänomen in den USA. In vielen Kinofilmen mit Elvis wurden dann die Originalmusiker der besseren Optik wegen durch junge Statisten ersetzt. In diesem Clip von „King Creole“ darf Fontana selbst am Schlagzeug sitzen. Aber ausgerechnet ihn verdeckt 99% der Zeit über Presley, der genau vor ihm steht: symbolischer geht’s nicht.

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