Das Cybermobbing-Problem hat sich in der Corona-Zeit erheblich verschärft. Foto: imago images/Shotshop/Monkey Business 2

Während der Coronakrise wurde deutlich mehr gemobbt als noch 2017 – und das verstärkt im Internet. Die Autoren einer neuen Studie schlussfolgern, dass Homeschooling und digitales Lernen das Problem verschärft haben.

Karlsruhe - Die Zahl der von Cybermobbing betroffenen Schülerinnen und Schüler ist seit 2017 um 36 Prozent angestiegen – das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing und der Techniker Krankenkasse. Zwischen März und November 2020 haben sie dafür rund 4400 Schülerinnen und Schüler befragt – von denen mehr als ein Drittel angab, schon mal gemobbt worden zu sein. Rund 17 Prozent waren bereits Opfer von Cybermobbing.

 

Wir haben die wichtigsten Ergebnisse der am Mittwoch vorgestellten Studie grafisch aufbereitet.

Schülerstudie: Bist du in der Schule schon einmal gemobbt worden?

Schülerstudie: Warst du schon einmal Opfer von Cybermobbing?

Die anhand der Schülerstudie hochgerechnet rund zwei Millionen Cybermobbing-Opfer sind laut den Autoren „etwa 500 000 mehr, als bei gleichbleibenden Bedingungen wie 2017 zu erwarten gewesen wären“. Sie rechnen das den besonderen Umständen durch die Pandemie zu.

Zusätzlich zu der Studie unter Schülern haben die Studienautoren im Februar und März auch Eltern befragt. Die dritte Erhebung erfolgte unter Lehrerinnen und Lehrern zwischen Februar und Mai 2020.

Elternstudie: War Ihr Kind schon Opfer von Cybermobbing?

Lehrerstudie: Wie häufig kommt Cybermobbing unter Ihren Schülern vor?

Ein Ergebnis der Studie ist allerdings, dass betroffene Schüler sich nicht immer an ihre Eltern oder Lehrer wenden. Es kann also sein, dass diese viele Mobbingfälle nicht mitbekommen.

Schülerstudie: Erste Anlaufstellen bei Cybermobbing

Auch die Art und Weise des Cybermobbings war Thema von „Cyberlife III – Spannungsfeld zwischen Faszination und Gefahr“, wie die Studie offiziell heißt.

Schülerstudie: Formen des Cybermobbings

Schülerstudie: Zum Mobbing genutzte Medien

Die psychischen Folgen dieser Angriffe sind Verletzung, Wut und Angst. Sie können aber noch gravierender sein: „Besonders erschreckend und alarmierend ist der Umstand, dass fast jeder vierte Betroffene Suizid-Gedanken äußerte und circa jeder Fünfte aus Verzweiflung zu Alkohol und Tabletten gegriffen hat“, schreiben die Studienautoren. Auch diese Zahlen sind seit 2017 deutlich gestiegen: die Zahl der Betroffenen mit Suizid-Gedanken um 20 Prozent, die derjenigen mit Alkohol- und Tablettenkonsum sogar um fast 30 Prozent.

Schülerstudie: Folgen des Cybermobbings bei den Opfern

Die Motive der Täterinnen und Täter sind dagegen eher trivial: Spaß, Langeweile oder schlechte Laune gehören dazu. Interessant ist, dass fast ein Drittel der Täter selbst schon mal Opfer von Cybermobbing war.

Schülerstudie: Die Motive der Täter

Was Prävention und Kontrolle der Internetnutzung von Schülern angeht, kritisieren die Studienautoren die nur „sporadische Beaufsichtigung von Kindern und Jugendlichen bei der Internetnutzung“ durch die Eltern. Sie schließen aus den Daten, dass Eltern häufig überfordert sind und möglicherweise mehr Unterstützung bei der Medienerziehung brauchen.

Elternstudie: So stark kontrollieren die Eltern

Vergleich: Das sagen Eltern und Schüler zur Kontrolle

Es ist allerdings nicht so, dass den Eltern die Gefahren nicht bewusst wären – auch das ist ein Ergebnis. Die Forscher fragten ab, ob die Eltern bestimmte Begriffe im Themenbereich Cybermobbing kennen. „Cybermobbing“ selbst war dabei mit 94 Prozent fast allen Eltern ein Begriff, auch „Cyberstalking“ (83 Prozent) und „Cybercrime“ (79 Prozent) waren bekannt.

Glossar: Cybermobbing, Cyberstalking, etc.

Cybermobbing, das; Schikanieren, Diffamieren von Personen über das Internet

Cyberstalking, das; Verfolgung, Belästigung, Verleumdung, Bedrohung u. Ä. einer Person über das Internet, auch Missbrauch ihrer Identität im Internet

Cybercrime, das oder die; illegale Handlung im Computer- und Telekommunikationsbereich, besonders über das Internet

Grooming, das; gezielte Kontaktaufnahme eines oder einer Erwachsenen mit minderjährigen Personen in der Absicht, sie sexuell zu missbrauchen

Hatespeech, der oder die; Hassrede; Hass verbreitende Art des Sprechens oder Schreibens

Quelle: duden.de

Mehr Prävention ist nötig

96 Prozent der Befragten stufen diese Phänomene als gefährlich ein. Ebenso ist den meisten bewusst, dass in Chatrooms oder Sozialen Netzwerken die Gefahr lauert, dass ihre Kinder Opfer von Cybermobbing werden.

Insgesamt schlussfolgern die Autoren aus den drei sehr umfangreichen Studien, dass Cybermobbing ein wachsendes Problem ist und inzwischen sogar Grundschulen betrifft. Die Maßnahmen infolge der Pandemie verschärfen die Situation mit hoher Wahrscheinlichkeit. Prävention wird aus Sicht der Autoren „viel zu wenig“ betrieben.

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Die Ergebnisse sind nach Angaben der Forscher repräsentativ für die deutsche Bevölkerung in Bezug auf die Verteilung auf die Bundesländer. In Bezug auf andere soziostrukturelle Merkmale entspricht die Stichprobe jedoch nicht immer der Gesamtheit der Deutschen.