Im baden-württembergischen Cyber Valley wird an Robotern und künstlicher Intelligenz geforscht. Foto:  

Künstliche Intelligenz (KI) klingt abstrakt, hat aber für den Alltag enorme Auswirkungen: Betroffen sind Bankgeschäfte, Versicherungen und die Gesundheit. Nun wollen Forscher aus der Region gesellschaftliche Folgen von KI prüfen.

Stuttgart - Europas größte Forschungskooperation auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI) bewertet seine Projekte künftig nach ethischen Kriterien und möglichen Folgen für die Gesellschaft: Das in Stuttgart und Tübingen angesiedelte Cyber Valley richtet zu diesem Zweck einen öffentlichen Beirat ein. „Dieser soll dazu beitragen, dass ein ethisches und gesellschaftliches Leitbild für KI-Forschung entwickelt wird“, sagt die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Ihr sei wichtig, die Perspektive der jungen Generation einzubeziehen. „Denn ihr Lebensalltag wird von der zunehmenden Durchdringung mit künstlich intelligenten Systemen maßgeblich geprägt sein.“

Die Frage von ethischen Aspekten der KI-Anwendungen hat zuletzt sowohl in der Wissenschaft als auch in gesellschaftlichen Debatten an Bedeutung gewonnen: Künstliche Intelligenz funktioniert dank Mustererkennung. Computer werten dabei große Datenmengen aus, beispielsweise Krankenakten, persönliche Bewegungsprofile, Online-Einkäufe oder Finanzgeschäfte. Aus den Daten können KI-basierte Computersysteme Menschen beispielsweise nach Gruppen sortieren und Pro­gnosen darüber erstellen, wie groß persönliche Gesundheitsrisiken sind oder ob Menschen umsichtig mit Geld umgehen. Dies wirkt sich schon heute in vielen Fällen darauf aus, ob und in welchem Umfang Menschen Kredite gewährt werden und wie günstig Versicherungen Konditionen anbieten.

Auf gesellschaftliche Veränderungen vorbereiten

„Künstliche Intelligenz wird unser Leben und Arbeiten wesentlich verändern“, sagt Bernhard Schölkopf, Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme. „Für die Gesellschaft ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir diese Veränderungen antizipieren und uns auf sie vorbereiten.“ Der künftige Projektbeirat soll Anträge der Cyber-Valley-Forschungsgruppen prüfen, ethische Bewertungen erstellen und daraufhin Empfehlungen aussprechen. Die Wissenschaftsministerin hat die Mitglieder des Gremiums berufen, in dem Vertreter der Wissenschaft die Mehrheit besitzen. Unter anderen werden Armin Grunwald vom Karlsruher Institut für Technologie, Ulrich Hemel, Direktor des Weltethos-Instituts, sowie Sandra Richter, die Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach, das Cyber Valley beraten. Der Forschungsverbund ist 2016 ins Leben gerufen worden – zahlreiche Industriepartner wie Daimler und Bosch sind mit dabei.

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