Hat die Entscheidung im Asylstreit mit der CDU und mit Regierungschefin Angela Merkel bis nach dem EU-Gipfel Ende Juni vertagt: Innenminister Horst Seehofer (CSU). Foto: dpa

CDU und CSU führen ihren Streit nur scheinbar um die Zuwanderung. StN-Chefredakteur Christoph Reisinger wagt in diesem Kommentar die Prognose, wer dafür den höchsten Preis bezahlen wird.

Stuttgart. - Die Geschichte ist voll von solchen Fällen. Einst erfolgreiche Politiker vermasseln sich ihre Bilanz, kommen zu Fall, weil sie ihre großen Konflikte nur noch vordergründig um großer Sachen willen führen. Tatsächlich aber aus Abneigung, Hass, Rechthaberei. Und aus dem trügerischen Gefühl: Mir kann keiner.

Kleines Karo

Der Zwist der Kanzlerin mit ihrem Innenminister hat das Zeug zu einem solchen Fall. Unabhängig davon, wie der Asylstreit zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer sowie zwischen den nur noch so genannten Schwesterparteien CDU und CSU in der Sache ausgehen wird. Denn offensichtlich ist das ein kleinkarierter Streit um falsche Inhalte.

Selbstverständlich hat Seehofer Recht, wenn er absurde Vollzugsdefizite im Asylrecht beseitigen will. Aber das ist ja noch keine Antwort auf das Streben von Millionen Menschen, ihr Glück in Europa zu suchen. Weswegen Merkel selbstverständlich Recht hat, dass eine solche Antwort eine EU-weite sein muss. Jede andere ginge unmittelbar zu Lasten des Zusammenhalts der EU. Der ist nötiger denn je – nicht nur wegen der Zuwanderung.

Vergiftete Argumente

Dass die CSU daraus eine ultimative Machtfrage stricken kann, zeigt wie weit Merkel hinter dem Zenit ihrer Macht angelangt ist. Aber die CSU wird nicht siegen. Selbst ihre besten Argumente werden dadurch vergiftet, dass es ihr so viel weniger um Deutschland als um die Abrechnung mit Merkel geht. Form und Zeitpunkt, den die Christsozialen für die Konfrontation gewählt haben, belegen das.

Der größte Schaden entsteht so dem Land. Wer in Europa wird auf deutsche Interessen Rücksicht nehmen, die von einer Kanzlerin vertreten werden, die nicht einmal ihr Kabinett im Griff hat?

christoph.reisinger@stuttgarter-nachrichten.de

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: