CSD-Parade: Eine Demonstration für Vielfalt und Gleichstellung. Foto: 7aktuell/Friedrichs

Der Christopher-Street-Day war in Stuttgart wieder eine Kundgebung für die Gleichstellung und Akzeptanz von Schwulen und Lesben. Zwei Teilnehmer der Parade machten danach an einem Taxistand aber eine andere Erfahrung.

Stuttgart - Es gab in dieser Nacht einige Gründe, guter Stimmung zu sein. Die Parade des Christopher Street Day, für den Jörg Brunzendorf vier Wagen organisiert hatte, war gut verlaufen. Der Getränkestand bei der Party auf dem Schillerplatz, an dem Amir Goltic gearbeitet hatte, war abgebaut. Mit 175 000 Zuschauern war der CSD, bei dem Schwule und Lesben jedes Jahr für rechtliche Gleichstellung und Akzeptanz werben, ein voller Erfolg.

Hunde und Schwule nicht erwünscht

Auf dem Heimweg freilich kam das Paar mit einer gesellschaftlichen Realität in Berührung, in der es mit der Toleranz gegenüber Homosexuellen offenbar nicht so weit her ist. Als die beiden mit Freunden und ihrem kleinen Mini-Malteser Melli am Stand unweit des Schillerplatzes ein Taxi nehmen wollten, weigerte sich der Fahrer, sie zu transportieren. „Er hat gesagt: ‚Hunde und Schwule nehme ich aus religiösen Gründen nicht mit‘“, erzählt Amir Goltic. Der 48 Jahre alte Justizvollzugsbeamte aus Karlsruhe ist noch völlig aufgebracht. „Das war erniedrigend, das ist eine Beleidigung – so etwas habe ich noch nirgendwo erlebt.“ Das Paar, das seit vielen Jahren in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, kommt viel herum, Jörg Brunzendorf ist Eventmanager und seit Langem an vielen CSD-Paraden in deutschen Großstädten beteiligt. Amir Goltic versichert, keiner der Gruppe sei auffällig gekleidet gewesen: „Da stehe ich nicht drauf, wir waren ganz normal angezogen, mit T-Shirts und kurzen Hosen.“ Das Taxikennzeichen hat sich der 48-Jährige im Eifer der Situation nicht aufgeschrieben, ein Foto, das er gemacht habe, sei ihm in seiner Aufregung und Wut misslungen. Die ist auch jetzt nicht abgeklungen. Die Herkunft des Fahrers konnte Amir Goltic zwar nicht klar bestimmen, es habe sich aber um einen Migranten gehandelt. „Wir sind in Deutschland, wir sind nicht in Afghanistan“, schimpft der 48-Jährige. Wer hier lebe, müsse sich anpassen und akzeptieren, dass es auch Schwule und Lesben gebe. „Sonst hat der den falschen Beruf gewählt“, sagt Goltic. Mit Ausländerfeindlichkeit habe sein Haltung im Übrigen nichts zu tun. „Ich komme selbst aus Bosnien-Herzegowina, ich bin Moslem.“

In der Taxizentrale kann man sich das nicht vorstellen

Murat Arslan kann sich nicht vorstellen, dass sich der Vorgang so abgespielt hat. Der Vorstandsvorsitzende der Taxi-Auto-Zen­trale glaubt, dass der Hund der Grund für das Verhalten des Fahrers gewesen sei. Tiere würden aus Sicherheitsgründen nicht im Fußraum eines Taxis, sondern in Boxen des Halters transportiert. Was die sexuelle Orientierung des Kunden angeht, fragt sich Arslan, wie der Fahrer diese überhaupt ­habe erkennen können. Der Taxi-Vorstand kann sich nur vorstellen, dass der Fahrer „vielleicht einen Gag“ habe machen wollen, und man müsse „nicht jedermanns Humor verstehen“. Wäre sie ernst gemeint gewesen, „wäre der Fahrer in der Branche falsch“, findet auch er. Schwarze Schafe könne es bei 6000 Fahrern immer geben. „Aber bei uns werden keine Unterschiede gemacht, wir fahren die unterschiedlichsten Gäste.“ Und auch einer der Vorstände der Taxizentrale sei homosexuell.

Murat Arslan moniert, dass der Kunde die Taxinummer nicht notiert habe. Das ärgert auch Amir Goltic. „Ich hätte gleich die Polizei rufen sollen – aber ich war so baff.“

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