Der CSD-Sprecher wird von vermutlich linken Aktivisten angegriffen. Die Polizei hat Videoaufnahmen der Tat, die nun ausgewertet werden sollen. Was zeigen diese?
Normalerweise hält sich die Polizei mit der Kommentierung von Taten zurück und beschränkt sich auf die Fakten. Aber bei dem Angriff auf den CSD-Sprecher Detlef Raasch ist es damit vorbei: „Es ist uns völlig unverständlich, wie man mit so einer Aktion eine so schöne und friedliche Veranstaltung mit mehreren Hunderttausend Menschen in der Stadt stören kann“, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann.
Umstehende solidarisieren sich mit den Angreifern
Der Angriff geschah auf dem Schlossplatz, als sich die Parade dem Ende zuneigte und die Kundgebung starten sollte. Der Truck des CSD-Vereins hatte auf der Planie gewendet, um in Position gebracht zu werden als Bühne für die Abschlusskundgebung. Raasch war im Wagen. Eine kleine Gruppe habe sich formiert und den Lkw blockiert. Als der Sprecher ausstieg, sei es direkt zu dem Angriff gekommen. Die Personen trugen medizinische Masken und Sonnenbrillen, was unter Umständen als Vermummung gewertet werden könnte. Die Polizei sei schnell eingeschritten und habe die Gruppe isoliert, da sich Umstehende solidarisiert hätten. Die Angreifer sowie die sich mit ihnen solidarisierenden Personen seien dem linken Spektrum der Antifa zuzuordnen, so die Polizei. Wenn eine Tat von einer Gruppe mit einem politschen Hintergrund ausgeht, schaltet die Polizei die Staatsschutzabteilung ein, das werde auch im vorliegenden Falle geschehen. Es hieß am Samstag, dass ein mögliches Motiv der Protest gegen die Teilnahme der CDU sein könnte. Auch die Position zum CSD-Plakat in Freiburg, auf dem eine Frau in Bollenhut und Sturmhaube abgebildet worden war, kommt als Motiv infrage. Raasch hatte dazu gesagt, der CSD-Stuttgart-Verein sei gegen jede Art von Radikalismus.
Die Tatverdächtigen erhalten einen Platzverweis
Die tatverdächtigen Personen seien dann ins Neue Schloss gebracht worden, wo die Polizei sich eingerichtet hatte. Dort wurden die Personalien aufgenommen, und die 17 Aktivistinnen und Aktivisten erhielten Platzverweise für den Bereich der City.
Zur Aufklärung werde man Videoaufnahmen heranziehen, auf denen der Angriff zu sehen sei. Sie stammen nicht von der stationären Videoüberwachung des Schlossplatzes, die ohnehin tagsüber und zudem bei Versammlungen, wie die CSD-Parade eine ist, ausgeschaltet sind. Als es zu der Auseinandersetzung kam, habe die Polizei mobile Videokameras, die zur Beweissicherung verwendet werden dürfen, eingesetzt.
In der Nacht zum Sonntag kam es zu weiteren Straftaten am Rande: An der Kirchstraße wurden vier Zelte von Lebensmittelständen aufgebrochen und Vorräte gestohlen. Das seien „klassische Einbrüche“ gewesen, so die Einschätzung der Polizei, auf eine queerfeindliche Tat deute dort nichts hin.