Liebe gibt es in vielen Formen und Farben. Foto: IG CSD Stuttgart

Gerade im Hinblick auf den CSD fragen sich viele Menschen immer wieder: Was bedeutet diese seltsame Buchstabenkombination? Und warum heißt es mal LGBTIQ, mal LGBTQIA, LGBT+ oder LSBTIQ*?

Stuttgart - Der russische Schriftsteller Leo Tolstoi hat einmal gesagt: „Man kann ohne Liebe Holz hacken, Ziegel formen, Eisen schmieden. Aber man kann nicht ohne Liebe mit Menschen umgehen.“ Dennoch scheint immer noch der Gedanke weit verbreitet zu sein, dass die Liebe eine Entscheidung ist.

Bis 1994 wurde Homosexualität auch in Deutschland noch unter Strafe gestellt. In anderen Ländern steht auf homosexuelle Handlungen noch immer die Todesstrafe. Und auch in Baden-Württemberg war im vergangenen Jahr ein Anstieg homophober Delikte zu verzeichnen. Am Samstag findet in Stuttgart der Christopher Street Day statt. Dabei begegnen einem immer wieder Buchstabenkombinationen wie LGBTI. Aber was hat es damit auf sich?

Die Abkürzung LGBTI*

Seit Mitte der 1980er wurde die Abkürzung LGB als Ersatz für die rein sexuelle und damit teils abwertend empfundene Bezeichnung „homosexuell“ verwendet. Dabei steht L für Lesbian, also lesbisch, G für Gay, also schwul und B für Bisexual, also bisexuell. Im deutschen Sprachraum wird daher das G für Gay oft durch ein S für schwul ersetzt. Im Laufe der Jahre schlossen sich auch andere sexuelle Minderheiten der LGB-Bewegung an und auch die Wissenschaft entwickelte sich weiter. Damit kommen heute Abkürzungen wie LGBTQIA+ zustande, die auch Transsexuelle und Transgender, Queere, Intersexuelle und Asexuelle mit einschließen. Ein Sternchen oder ein Pluszeichen am Ende soll dabei für diejenigen stehen, die sich keiner eindeutigen Kategorie zuordnen lassen.

Was sind die Unterschiede zwischen Transsexuellen und Transgender?

Allgemein bekannt ist, dass eine Frau, die sich zu anderen Frauen hingezogen fühlt, lesbisch ist. Die Bezeichnung „schwul“ betitelt einen Mann, der sich zu Männern hingezogen fühlt. Während sich bisexuelle Personen oft anhören müssen, sich nicht entscheiden zu können oder Angst vor einem vollständigen Outing zu haben, fühlen sie sich lediglich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen.

Unbekannter sind die Unterschiede zwischen Transsexuellen und Transgendern. Die Bezeichnung Transgender gilt für Personen, die sich mit ihrem zugewiesenen Geschlecht falsch oder unzureichend beschrieben fühlen oder auch jede Form der Geschlechtszuweisung und -kategorisierung grundsätzlich ablehnen. Ganz allgemein wird Transgender oft als Oberbegriff für sämtliche Menschen verwendet, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen lassen.

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Dagegen ist nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Transsexualität oder Transidentität der explizite Wunsch, als ein anderes Geschlecht zu leben und anerkannt zu werden. Intersexuelle sind Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht eindeutig ist, bei denen beispielsweise sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane vorhanden sind. Dagegen werden Personen, deren Geschlecht und Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht übereinstimmt, dem sie bei der Geburt zugewiesen wurden, als Cisgender bezeichnet.

Transgender, Transsexualität und Intersexualität sind jedoch unabhängig von sexueller Orientierung. So können betreffende Personen heterosexuell, homosexuell, bisexuell oder asexuell sein, oder eine nähere Bezeichnung ihrer Sexualität ablehnen.

Asexuelle wünschen sich oft eine rein platonische Beziehung

Eine nicht vorhandene sexuelle Anziehung anderen gegenüber, fehlendes Interesse an Sex oder nicht vorhandenes Verlangen nach Sex wird als Asexualität bezeichnet. Allerdings ist Asexualität nicht gleichbedeutend mit sexueller Abstinenz, fehlender romantischer Anziehung oder Auftreten von sexueller Erregung. Oft wünschen sich Asexuelle Beziehungen auf rein platonischer Basis. Damit ist Asexualität von Nonlibidoismus (keine sexuellen Gefühle zu empfinden) und Aromantik (dem Fehlen von romantischer Anziehung) abzugrenzen.

Die Bezeichnung Queer stammt aus der englischen Sprache und bezeichnet als Adjektiv Dinge, Handlungen oder Personen, die von der Norm abweichen. Das Wort steht heute vor allem für eine von der Heteronormativität abweichenden Geschlechterrolle, Geschlechtsidentität und Lebensweise. Damit verknüpft wird vor allem die Überzeugung, dass es Menschen erlaubt werden sollte, ihr Leben mit unterschiedlichen sexuellen und geschlechtlichen Identitäten und Vorstellungen uneingeschränkt leben zu dürfen. Davon ausgenommen sind selbstverständlich Neigungen wie Pädophilie, bei denen Unbeteiligte zu Schaden kommen.

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