Cro beim Finale der dreizehnten Staffel der Castingshow «Germany’s Next Topmodel» (GNTM) im ISS Dome. Foto: dpa/Marcel Kusch

Ist es der Schlussstrich des Maskenrappers Cro? Der in der Nähe von Stuttgart geborene Musiker Carlo Waible deutet das Ende seines Alter Ego an.

Berlin - Vom Trendsetter zum Maskenverweigerer? Der als Cro bekannt gewordene Rapper Carlo Waibel deutet das Ende seines Alter Ego an. „Ich habe so viele Dinge auf dem Schirm, dass ich dachte, unter Cro an dieser Stelle vielleicht mal einen Schlussstrich zu ziehen. Wer weiß, was noch kommt“, sagte der 31-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. An diesem Freitag erscheint mit dem Doppelalbum „trip“ die vierte Studioplatte des Musikers.

Cro in der Nähe von Stuttgart geboren

Der Rapper, der bei Auftritten stets eine Maske trägt, wurde vor zehn Jahren mit dem Song „Easy“ bekannt. Der gelernte Mediengestalter überlegt, mehr Zeit in seine Kunst zu stecken, und hat Ideen für ein englischsprachiges Musikprojekt.

Ein weiteres Album als Cro schließt er aber nicht ganz aus. „Du kannst es nie sagen. Ich lebe eher im Jetzt und von Tag zu Tag“, sagte der in der Nähe von Stuttgart geborene Musiker weiter. „Vielleicht denke ich in einem Monat oder einem Jahr: „Ach komm, lass uns doch noch eins machen.“

Wohnzimmer-Lounge mit Blick auf den Dschungel

Eine offene Wohnzimmer-Lounge mit Blick auf den Dschungel: So hat Cro bislang die Corona-Pandemie erlebt. Der Rapper, der schon vor zehn Jahren die Maske salonfähig machte, lebt seit über zwölf Monaten in seinem Haus auf Bali. Dort produzierte er sein Doppelalbum „trip“. Die Tracks sprühen nur so vor Kreativität und tropischer Lässigkeit.

„Für mich war klar, dass ich hier bleibe. Hier scheint die Sonne das ganze Jahr, hier ist es warm, ich kann viel draußen sein“, erklärt Cro im Telefoninterview. Vier Jahre sind vergangen seit seinem letzten Album „tru“, auf dem er sich schon vom Image des Gute-Laune-Mainstream-Pop-Rappers verabschiedete.

Cro so weit weg vom Mainstream-Radio wie Bali von Baden-Württemberg

Auf seiner vierten Platte zeigt sich der als Carlo Waibel geborene Rapper noch vielschichtiger. Die elf Songs auf „Solo“, der ersten Seite des Albums, schwanken zwischen Disco-Funk („Smooth“), French House à la Daft Punk („Alles Dope“) und klassischen Rap-Beats zusammen mit Capital Bra („Blessed“).

Auf der zweiten Hälfte, einem musikalischen „Selbstfindungstrip“, spielt der 31-Jährige mit diversen Instrumenten und psychedelisch anmutenden Tracks („LMF2“). Hier ist Cro so weit entfernt vom Mainstream-Radio wie Bali von Baden-Württemberg.

Dabei hat die Karriere des Mannes mit der Pandamaske vor zehn Jahren mit einer Mischung aus Rap und Pop („Raop“) und Hits wie „Easy“ oder „Bye Bye“ begonnen. Doch nicht nur seine Masken sind über die Jahre kantiger und kreativer geworden (aktuell zeigt er sich meist mit einer Kreation, die an die Stormtrooper-Armee in „Star Wars“ erinnert).

In „Letzter Song“ schließt er vielleicht nicht nur mit einer alten Liebe ab

„Ich habe Tracks rumliegen, die genau in das Schema „Radio-Single vom Cro 2011-2016“ passen würden. Aber die haue ich nicht raus, weil das zu einfach wäre“, sagt der 31-Jährige selbstbewusst. Textlich gleicht aber noch vieles auf „trip“ dem zehn Jahre jüngeren Carlo. Es geht vor allem um Geld und Frauen, die er wahlweise als „chicks“, „babes“ oder „beauties“ betitelt.

Auf seinen beiden Abschlussliedern überrascht der cool-lässige Cro mit seiner verletzlichen Seite. Auf „Hoch“ spricht er mit klarer Stimme und unterstützt von einem Gospel-Chor lyrisch ansprechend von enttäuschter Liebe. Und in „Letzter Song“ schließt er vielleicht nicht nur mit einer alten Liebe ab.

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