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Die Zeichen stehen gut, dass auch Cros zweites Album „Melodie“ alle Rekorde brechen wird. Der Stuttgarter Rapper im Gespräch über schnellen Ruhm, die Anonymität hinter der Maske, sein Modelabel und Immobilienexposés.

Die Zeichen stehen gut, dass auch Cros zweites Album „Melodie“ alle Rekorde brechen wird. Der Stuttgarter Rapper im Gespräch über schnellen Ruhm, die Anonymität hinter der Maske, sein Modelabel und Immobilienexposés.

Stuttgart - Hallo Carlo.
Hallo, wir kennen uns doch.
Ja, aus dem Pressehaus. Sie hatten während Ihrer Ausbildung eine hübsche Collage zu Peter Maffay gemacht.
Ja, stimmt. Ich erinnere mich. Da ist viel passiert in der Zwischenzeit.
Vor allem bei Ihnen als Cro. Wann war denn Ihr Handy zuletzt ausgeschaltet?
Das war vor ein paar Tagen. Mein Handyakku war randvoll, auf einmal ging nichts mehr. Gar nichts mehr. Ich musste zweieinhalb Tage warten, bis es leer war. Ich konnte es nicht mehr ausschalten und auch nicht mehr telefonieren.
Zweieinhalb Tage ohne Handy?
Das war schlimm. Es gibt so viele Dinge abzuchecken. Gerade am Ende der Albumproduktion. Das musste ich alles per Mail machen. Wie 1990 oder so. Schlimm.
Sie sind schon ein Kind der sozialen Netzwerke?
Mit Maß und Ziel. Ich bin nicht abhängig. Ich brauche das nicht ständig und kämpfe nicht um Likes. Für mich als Künstler ist es aber richtig wichtig.
Denn ohne das Internet wären Sie vermutlich nicht so schnell zum Star geworden.
Das stimmt. Das Internet ist Fluch und Segen zugleich.
Alle hetzen durch den Tag. Sind Sie selbst ein Paradebeispiel dafür?
Den letzten Urlaub hatte ich vor zwei Jahren. Da war ich wirklich weg. Wenn die Leute nichts mehr von mir hören, denken sie, ich hätte frei. Doch ich habe immer etwas zu tun. Das Lied „Rennen“ erinnert mich selbst daran: „Chill mal.“ Man sieht es mir an den Augenringen an. Ich habe wenig Schlaf. Noch weniger als im Pressehaus.
Wie kommen Sie runter?
Als ich vor zwei Jahren Urlaub gemacht habe, bin ich weit weg, an einen weißen Strand auf einer kleinen Insel, mit einem Mädchen, und wir waren den ganzen Tag nackt. Das war perfekt. Als wir dort waren, war das schon sehr langweilig. Im Nachhinein aber war das richtig super.
Cro hat über 2 Millionen Fans auf Facebook. Ist das inzwischen so viel wert wie CD-Verkäufe?
Es ist ein Maßstab. Ich mache aber keine Musik für Goldene Platten oder so. Ich hatte ja auch drei, vier Jahre nur für mich Musik gemacht. Ohne dass es jemand interessiert hat. Ich hatte eigentlich viel mehr Spaß, weil ich viel freier arbeiten konnte. Natürlich ist das nett, eine Bestätigung, wenn der Erfolg einem recht gibt.
Im ersten Song auf Ihrem neuen Album lassen Sie den Erfolg Revue passieren. Was waren die Höhepunkte in den vergangenen zwei Jahren?
Es war jede Woche irgendetwas Krasses. Das, was wir in den vergangenen zwei Jahren erlebt haben, schaffen andere nicht einmal in zehn. Die ausverkauften Hallen, die immer größer wurden, Bespaßungsangebote wie Fallschirmspringen oder Speedboatfahren oder irgendwelche Meldungen, dass wir schon wieder irgendwelche Rekorde gebrochen haben. Krass, krass, krass. Das kann man gar nicht in ein Lied reinpacken. Da habe ich nur die Preise aufgezählt.
Wie verarbeitet man einen solchen rasanten Erfolg?
Ich habe zwei Jahre darauf gewartet, dass der Punkt kommt, dass ich es kapiere. Doch ich bin da reingewachsen. Das ging schon.
„Viele Rapper hassen mich“ heißt es in dem Lied auch. Warum hassen andere Hip-Hopper einen putzigen Pandabären, der niemand was zuleide tun will?
Wahrscheinlich stoße ich da in ihr Revier. Ich habe halt mehr Erfolg als viele andere. Das mögen die dann nicht. Das würde mir auch so gehen. Aber ich ziehe mir kein ­T-Shirt an, auf dem ein Kopf mit einem Messer drin abgebildet ist.
Sie setzen sich mit Ihrer Generation in unterschiedlichen Songs auseinander. Die Älteren unterstellen der Generation gerne, sie wäre nur an Freizeitoptimierung interessiert.
Ich schreibe gerne Lieder über das schöne Leben. „Mann, was für ein Scheißtag heute wieder war“ hört sich einfach nicht so gut an. Es geht bei mir immer noch um Mädchen, Jugend, die gute Zeit, den Sommer.
„Never Cro Up“ heißt ein anderes Lied. Sie möchten nicht erwachsen werden?
Es gibt zwei Carlos. Der eine ist voll erwachsen und checkt das ab, dass das alles funktioniert. Es gibt viele Entscheidungen zu treffen, ich habe ein Modelabel, viele Mitarbeiter. Ich muss schauen, dass mein Geld nicht kaputtgeht. In dieser Hinsicht bin ich abgecheckt. Doch ich bin trotzdem noch ein Kind, das ganz flapsig Dinge entscheidet.
Sind Sie sich Ihrer Vorbildfunktion bewusst?
Deshalb gebe ich keine großen Statements. Ich würde keine politische Richtung vorgeben. Ich bin eher die Begleitmusik der Jugend. Ich bin kein Moralapostel. Jeder hat seine Meinung, aber die brauchen nicht meine Meinung.
Sie tragen immer noch die Pandamaske.
Ich werde die noch ewig tragen. Ich habe bestimmt 60, 70 Masken in der Zwischenzeit gebraucht. Aber es ist immer noch die vom Anfang.
Wollen Sie die nicht mal ablegen?
Mein DJ beispielsweise wird immer bekannter, und er wird überall erkannt. Das nervt. Ständig müssen wir stehen bleiben. Ständig muss ich aufpassen, dass ich nicht mit ihm fotografiert werde. Ich habe es doch so gut. Ich kann einfach rausgehen und machen, was ich will.
Ist es schwierig, nicht aufzufliegen?
Ich muss auf ein paar Dinge verzichten. Ich kann nicht wie alle anderen auf eine After-Show-Party gehen und Spaß haben. Entweder ich muss mit Maske hin, dann ist es unerträglich, weil ich keinen Schritt gehen kann, ohne dass irgendwelche Mütter durchdrehen und Autogramme für ihre Töchter wollen. Oder ich gehe halt alleine und stehe hinterm Vorhang. Auch nicht schön. Dann verzichte ich lieber und kann dafür das Leben genießen.
Ist es ein Spiel mit den Identitäten? Es gibt den Künstler Cro und eben Carlo.
Für mich ist das identisch. Wenn jetzt jemand reinkommt, denkt er halt: Typ mit roten Schuhen und roter Mütze. Hätte ich die Maske auf, würde er das gleich mit Cro in Verbindung bringen. Insofern verleiht mir die Maske eine gewisse Kraft.
Sie haben inzwischen mehr Standbeine als nur die Musik. Sie sind Firmenchef Ihres Modelabels VioVio.
Wir haben zehn Angestellte. Meine Schwester, mein Bruder, ein Freund, mein Halbbruder und einer aus London arbeiten mit. Ich mache mit, so viel ich kann. Design, was ich auch damals im Pressehaus gemacht habe. Es läuft sehr gut. Das Label ist nicht so mit mir verbunden. Es wächst langsamer und natürlicher. Wir haben Angebote von krassen Marken, die Kollaborationen machen wollen.
Als Cro hatten Sie für H&M T-Shirts entworfen.
Wenn ich wollen würde, könnte ich mit Cro und VioVio unendlich groß werden. Dann wäre auch die Blase gleich wieder geplatzt. Das will ich aber nicht. Wir haben viel im Repertoire. Und mit einem Schuh haben wir sogar den Deutschen Schuhpreis gewonnen.
Was machen Sie eigentlich mit Ihrem Geld?
Ich habe mir heute ein Klavier gekauft. Das war aber die einzig große Anschaffung. Sonst habe ich nicht viel damit gemacht, außer sicheres Anlegen in irgendwelche Fonds, Aktien und Gold. Ich habe da jemanden, der mich gut berät. In das Unternehmen habe ich viel Geld gesteckt. Und ich lese Immobilienexposés. Da habe ich Lust drauf. Meiner Mama habe ich zum Muttertag und Geburtstag eine Ente gekauft.
Sind Ihre Eltern stolz?
Ja, sie sagen es zwar nicht. Am Anfang fanden sie die Idee, die Schule abzubrechen und nach Berlin zu fahren, nicht so cool.
Zwei Jahre liegen zwischen den Alben. Das ist nicht viel. Es heißt, Ihre Songs würden in Rekordzeit entstehen. Wie lange brauchen Sie für einen Song?
„Traum“ hat ungelogen dreieinhalb Stunden gebraucht. Manchmal sind die schnellen die besten.
Wie lang hat „Easy“ gebraucht?
Der Beat ging rasend schnell. 25 Minuten oder so? Dann habe ich aber die ganze Nacht durchgeschrieben. Als ich fertig war, habe ich die Sonne aufgehen sehen.
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