In Schorndorf können sich Freiberufler oder Homeoffice-Müde in einem neuen Coworking-Space einmieten – nah beim Schlosspark. Die beiden Gründerinnen wollen mehr als einen besonderen Arbeitsplatz bieten.
Schorndorf - Notgedrungen haben sich viele Berufstätige in den vergangenen zwei Pandemiejahren damit auseinandersetzen müssen, wo sie arbeiten können und wollen. Im Homeoffice hat es manch einer schätzen gelernt, sich nicht mehr jeden Morgen durch Staus zu quälen. Auf der anderen Seite ist der heimische Esstisch nicht immer dafür gemacht, als Arbeitsplatz zu dienen: Der Rücken ächzt, und die Nerven liegen angesichts von Kinderlärm während der Videokonferenz blank.
Es gibt noch kaum Coworking-Angebote im Remstal
„Wir möchten das Arbeiten an einem dritten Arbeitsort, wohnortnah, flexibel anmietbar und bezahlbar möglich machen“, erzählt Alicia Feig. Sie hat mit ihrer Mutter Karin im vergangenen Herbst CoWirken in Schorndorf gegründet. Dahinter verbergen sich Räume mit voll ausgestatteten Arbeitsplätzen, die nicht nur von Homeoffice-Müden, sondern auch von Freiberuflern oder Projektgruppen flexibel nutz- und buchbar sind: tageweise oder mehrere Tage in der Woche, an wechselnden oder festgelegten Plätzen. Solche gemeinschaftlichen Büros verbreiten sich immer mehr. In einer eher ländlichen Gegend wie dem Remstal ist diese neue Arbeitsform bisher selten zu finden. „Wir wollen diese Idee, diese Arbeitswelt nach Schorndorf bringen und denken, dass es in diese wirtschaftsstarke Region passt.“
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Alicia Feig kennt Cowork-Spaces aus ihrer Studienzeit in Berlin und von Auslandsaufenthalten. „Diese zeichnen sich oft dadurch aus, dass ungemütliche Bänke in riesige Industriebrachen gestellt werden“, sagt die 27-jährige Geschäftsführerin und lacht. Von einer Brache ist CoWirken in Schorndorf weit entfernt. Die Arbeitsplätze befinden sich im modernen Anbau einer denkmalgeschützten Jugendstilvilla, in der ebenfalls Räume zur Verfügung stehen – für kleinere oder größere Besprechungen oder auch mal für After-Work-Anlässe, für die sich zum Beispiel der stimmungsvolle Gewölbekeller anbietet. Das ganze Ensemble befindet sich direkt neben dem Schorndorfer Schlosspark. „Mir ist es zudem wichtig, dass unsere Büros nachhaltig sind“, erzählt Alicia Feig, die selbst Nachhaltigkeitsmanagement studiert hat. Schon das Teilen der Räume an sich würde Ressourcen einsparen – genauso wie der kürzere Weg zur Arbeit. Verpflegung und Mobiliar aus der Region, eine Erdwärme-Pumpe sowie eine Klimatisierung durch die Betonkern-Temperierung sind weitere Bausteine des Konzepts.
Nachhaltigkeit und Kinderbetreuung sind weitere Ziele
Doch nicht nur deswegen ist CoWirken in Schorndorf etwas Besonderes. Denn der Plan ist es, dass diejenigen, die dort arbeiten, ihre Kinder im gleichen Gebäudekomplex betreuen lassen können – und damit die Kleinen nicht nur in ihrer Nähe wissen, sondern auch die Zeit fürs Hinbringen zur Kita oder das Abholen einsparen können. Die Räume im Erdgeschoss der Villa gibt es schon, auch einen Betreiber haben Alicia und Karin Feig an der Hand.
Unternehmen als feste Mieter von Betreuungsplätzen gesucht
Allerdings hängt die Realisierung von den Finanzen ab: „Wir haben kompetente Partner an der Seite und suchen Cowirker und Engagierte, die dieses Pilotprojekt – Coworking mit geregelter Betreuung für Kinder von null bis drei Jahren – mit an den Start bringen“, sagt die Inhaberin Karin Feig. Die Kommune sei bereit, Plätze abzunehmen. Nun ist man auf der Suche nach Firmen, die ebenfalls bereits wären, für einen festgelegten Zeitraum Betreuungsplätze für die Kinder ihrer Mitarbeiter zu buchen – etwa für Teilzeitkräfte, die nach der Elternzeit wieder in ihren Beruf einsteigen.
Wo ist dabei der Vorteil für die Arbeitgeber? „Es fehlen Fachkräfte, deswegen ist es notwendig, auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen“, sagt Alicia Feig. „Zwei Unternehmen sind bereits stark interessiert“, sagt die Geschäftsführerin, die sehr hofft, dass sich dieser Baustein von Sommer an umsetzen lässt – und sich die Büros mit weiterem Leben füllen.
Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.cowirken.de . In Winnenden steht mit Winworks ebenfalls ein neuer Coworking-Space in den Startlöchern.