Die Bande in Aktion: Alex Bausch als Sänger und Gitarrist mit Bruder Matthias am Keyboard. Zu fünft spielen sie noch keine zwei Jahre zusammen, zählen aber schon zehn Konzerte. Foto: Privat

Vor zwei Jahren hat sich die Coverband Knallerbande gegründet und bereits eine treue Fangemeinde im Kreis Böblingen erspielt. Um die zum Tanzen zu bringen, ist jedes Gitarrenriff recht.

Ein für diesen Sommer typischer warmer, aber verregneter Samstagnachmittag irgendwo auf den Gartengrundstücken zwischen Maichingen und Magstadt. Hier steigt das alljährliche „Stückle-Feschd“. Die Veranstalter haben Bar, Bühne und Bierbänke regenfest gerichtet, die ersten Gäste trudeln ein, die Stimmung ist entspannt und die Band testet den Bühnensound. Denn ohne Band geht es auf dem Fest schon lange nicht mehr. Diesmal ist es die Knallerbande, die heute Abend für schwingende Hüften und nickende Köpfe sorgen soll. Es ist nicht ihr erstes Mal.

 

Obwohl sie sich erst vor knapp zwei Jahren gegründet haben, spielen sie hier schon zum zweiten Mal in Folge und bewiesen bereits bei Events wie dem Sindelfinger Straßenfest oder dem Grafenauer Lichterfest ihre Partyqualitäten. Die Band ist auch auf dem Stückle mit dem Sound zufrieden. Nachdem noch eingetroffene Bekannte und Verwandte standesgemäß begrüßt wurden, geben sie ein paar mehr Bandinfos aus erster Hand preis.

Die Knallerbande in Aktion Foto: privat

Der Gründungsmythos besagt, dass Alex, Marc, zweimal Matze und Sascha sich in der Bibliothek der Eton School of Rock kennengelernt und nur wenige Wochen später als Nachnominierte den MTV-Newcomer-Award für Coverbands gewonnen haben. Grinsend räumen sie ein, dass hier der Pressereferent wohl etwas übertrieben hat. Die Namen und die Kategorie „Coverband“ sind hingegen korrekt. Tatsächlich ist es so, dass vor knapp zwei Jahren Schlagzeuger Marc Hassler (45) und Bassist Matthias Adam (37), die schon zusammen in einigen Bands gespielt hatten, das Gefühl hatten, im Kreis Böblingen fehle noch eine richtig rockende Coverband – und diese Lücke wollten sie füllen.

Da sie gut in der Musikerszene vernetzt sind, waren schnell potenzielle Mitstreiter gefunden: Gitarrist Sascha Czeppel (35) und die beiden Brüder Alex (34) und Matthias Bausch (31) als Barden an der Stromgitarre und am Keyboard. Schon bei der ersten Probe war klar: Chemie und Attitüde stimmen. Ein gewisser Hang zur Musik der härteren Gangart gepaart mit dem Wunsch, ein Publikum zum Wippen und Tanzen zu bringen. Dazu reichlich Können und Erfahrung, dies direkt in die Tat umzusetzen.

Für ein Akronym der Anfangsbuchstaben fehlen die Vokale

Fehlte nur noch der Bandname. Für ein klingendes Akronym aus den Anfangsbuchstaben der Mitgliedervornamen waren es zu viele Ms und nur ein Vokal. Nur, wie kamen die fünf auf Knallerbande? Die lakonische Begründung: „Es sollte nach Party klingen. Und außerdem war die Internetadresse noch frei“, sagen sie. Akzeptiert. Und mal ehrlich: Solche Fragen mussten sich „Die Toten Hosen“ in ihren Anfängen ebenso gefallen lassen.

Für alle fünf ist die Bande ein wichtiges Hobby: man trifft sich möglichst einmal in der Woche zur Probe. Der Auftritt auf dem Stückle-Feschd ist bereits ihr zehnter. Gemeinsamer Antrieb ist der Spaß, den man zusammen und auf den Konzerten hat, denn: „Alle Gagen gehen direkt wieder in die Band: Soundanlage, Licht und so weiter. Ausgezahlt wird nichts“, sind sie sich einig. Im echten Leben gehen sie bodenständigen Berufen nach: Vom Kfz-Sachverständigen bis zum Wirtschaftsinformatiker. Nur für Gitarrist Sascha Czeppel bedeutet die Musik als Gitarren- und Klavierlehrer auch den Broterwerb.

Kleine und mittlere Feste sind ihr Metier Foto: privat

Mittlerweile hat sich die Wiese vor der Bühne mit Gästen gefüllt, obwohl der Regen sich nicht verzogen hat. Bei der Band gibt es noch letzte Anpassungen an der Playlist und dann geht es los – doch die Freude währt nur kurz. Nach den ersten 30 Sekunden fliegt die Sicherung raus. Doch von Panik fehlt jede Spur. Mithilfe der Versuch-macht-kluch-Methode finden sie nach zwei, drei Anläufen eine funktionierende Verkabelung. Und als zwei Lieder ohne Stromausfall über die Bühne gehen, steht wieder Feiern im Vordergrund und nicht die Elektrik.

Klassische Rockerposen

Der Knallerbande sieht man den Spaß an. Immer wieder werden die klassischen Rockerposen zelebriert – breitbeinige Soli, erhobene Fäuste, rhythmisches Gitarrenhalsschwenken. Aber das nicht nur bei Metallica oder Billy Talent – auch Outkast und Deichkind erhalten mehr Wumms als im Radio. Bei dieser Bandbreite macht es sich bezahlt, zwei Sänger am Mikrofon zu wissen. Beim traditionellen Knaller-Abschluss „Killing in the Name of“ der US-Rocker von Rage against the machine gibt es im Publikum kein Halten mehr und die Band-Mitglieder heben ab zum Stagedive und lassen sich vom Publikum auf Händen tragen. Nach dem finalen Rausschmeißer von Robbie Williams genießen sie ihren Applaus, grinsen zufrieden und klatschen sich ab. Der anhaltende Sommerregen kann der Stimmung nichts anhaben. Im Gegenteil.