Das ist fast vier Jahre her: Uwe Hück (Mitte) zeigt dem damaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel, wie man ein guter Thaiboxer wird anlässlich der Einweihung des Bildungs- und Sportzentrums der Lernstiftung Hück in Pforzheim. Foto: factum/Granville

Wenn Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück in Pforzheim eine konkurrierende Wahlliste zur SPD aufmachen will, droht ihm ein Ausschlussverfahren. Ein Rauswurf des einstigen Aushängeschilds wäre jedoch ein Desaster für die Genossen. Die bemühen sich nun um das Gespräch mit ihm.

Stuttgart - Die Ankündigung von Uwe Hück, in die Kommunalpolitik zu wechseln, hat die SPD ins Mark getroffen. Am deutlichsten wurde am Montag der Pforzheimer SPD-Fraktionschef Ralf Fuhrmann: „Wenn er als SPD-Mitglied eine eigenständige Liste aufmacht, müsste das Folgen für die Parteizugehörigkeit haben.“ Denn die Parteisatzung verbietet eine Kandidatur auf einer konkurrierenden Liste.

Einst wollte er Landesvorsitzender werden

Das heißt: Entweder Hück träte freiwillig aus, oder er müsste gedrängt werden. Es wäre kein Novum in der Südwest-SPD, doch ein unvergleichliches Desaster für die ohnehin geschundene Partei: Ausgerechnet Uwe Hück, der der Partei seit 1982 angehört und sie vielerorts heftig verteidigt hat, der Parteitage schwindelig redete und mit dem früheren Parteichef Sigmar Gabriel sowie anderen prominenten Genossen freundschaftlich verbunden ist, der zudem vor drei Jahren ihr Co-Vorsitzender auf Landesebene werden wollte, soll rausgeworfen werden? Bisher ist das undenkbar.

Um das Debakel abzuwenden, bemüht sich Landeschef Andreas Stoch zunächst um den direkten Kontakt. „Wir hören heute zum ersten Mal von diesen Plänen“, sagte sein Sprecher. Dazu werde man „gerne und ausführlich“ das Gespräch mit Hück suchen. „Wir würden uns sehr freuen, wenn er – gerade in schwierigen Zeiten – weiterhin in der SPD um die gute Sache ringt und nicht außerhalb.“ Falls er aber „je mit einer eigenen Liste antritt, verstößt er gegen das Statut der SPD“. Die Pforzheimer Bundestagsabgeordnete Katja Mast ergänzt: „Uwe Hück überrascht gerne – der erste Schritt ist jetzt das gemeinsame Gespräch.“

Das Gerücht ging schon länger herum

Das Gerücht von der Kandidatur hatte die Pforzheimer SPD schon länger gehört, es aber nicht ernst genommen, denn erst Anfang des Jahres und ohne die SPD bisher formal zu informieren, hat Hück neben Mühlacker einen weiteren Wohnsitz in der „Goldstadt“ angemeldet. Dieser ist Voraussetzung, um bei Kommunalwahlen zu kandidieren. „Wir hätten uns gewünscht, dass er erst mal die SPD fragt“, sagt Fuhrmann. Der Stil „ist schon etwas seltsam“. Auch wenn außer Frage stehe, dass Hück vieles in der Stadt unterstützt und vorangebracht habe: „Uwe Hück in der Kommunalpolitik – das passt nicht so ganz.“ Und sein Rücktritt als Betriebsratsvorsitzender habe „sicher nichts mit der Kandidatur zu tun“.

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