In normalen Zeiten freuen sich Sammler über alte Kleider. Gerade wäre für sie weniger aber mehr. Foto: Caroline Holowiecki

Die Altkleidersammler geraten wegen der Corona-Krise aktuell stark unter Druck. Die Aktion Hoffnung mit Sitz in Stuttgart-Degerloch appelliert daher auch an Spendewillige.

Riedenberg/Sillenbuch - Es ist eine Stelle auf dem Präsentierteller. Wer durch Riedenberg fährt, sieht den Kleidercontainer an der Kirche. Und der macht nicht immer die beste Figur. Regelmäßig hängen volle Säcke an der Ecke Schempp- und Olivenstraße aus der Sammelbox. Mit unschönen Folgen. Interessierte ziehen Kleidungsstücke heraus, die landen dann oft achtlos auf dem Boden, bestätigt die Pfarrerin Elisabeth Jooß. Einen Nachbarn störe das Durcheinander so sehr, dass er vor Feiertagen oder Festen regelmäßig den Betreiber kontaktiere, damit der das Chaos, das andere hinterlassen, beseitige.

In der Corona-Krise kommt es besonders häufig vor, dass Container überquellen. Der Sammelbehälter in Riedenberg und etwa 1500 andere im Land gehören der Aktion Hoffnung, einer kirchlichen Hilfsorganisation der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Sitz in Degerloch. Die Klamotten daraus werden in eigenen Second-Hand-Shops – eine neue „Secon­­tique“ soll im Juni im Einkaufszentrum Gerber eröffnen – und insbesondere an einen kommerziellen Verwerter weiterverkauft. Mit dem Erlös werden mildtätige Projekte unterstützt. Aktuell ruft die Aktion Hoffnung allerdings Spendewillige auf, Kleider daheim zu lagern und zu einem späteren Zeitpunkt einzuwerfen. „Aufgrund der Verbreitung des Coronavirus ist der Markt für gebrauchte Kleider zusammengebrochen“, liest man online. „Unsere Lager sind voll.“

Aktuell stockt die Kette wegen Corona

Warum das so ist, weiß der Sprecher Jochen Mack. Abnehmer, etwa Läden, hätten Bestellungen storniert, außerdem setzten Grenzschließungen der Branche zu, dennAltkleider aus Deutschland gehen beispielsweise nach Osteuropa oder Afrika.

Dass die Kette aktuell stockt, merken auch andere. Die Malteser teilen ebenfalls mit, dass sie an ihre Grenzen stoßen, weil viele Sortierbetriebe und Kleiderkammern wegen der Pandemie geschlossen sind und Spenden nicht weiterverwertet werden können. In Baden-Württemberg haben die Malteser rund 900 Container, pro Jahr landen in nur einer Box rund drei Tonnen Altkleider. Diese Menge habe sich in der Corona-Krise allerdings merklich erhöht, denn die freie Zeit nutzen viele zum Ausmisten. „Grundsätzlich freuen wir uns über jede Spende, doch in diesen Tagen ist Zurückhaltung der bessere Weg“, wird der Regionalgeschäftsführer der Malteser in Baden-Württemberg, Klaus Weber, zitiert.

Sowohl Malteser als auch Aktion Hoffnung kooperieren mit der Firma Striebel in Langenenslingen im Kreis Biberach. Dort werden pro Tag 30 bis 35 Tonnen Kleider sortiert, heißt es aus der zuständigen Abteilung Originalware. Zwar würden Lieferungen von Fahrern angenommen, „wir stehen ja in der Pflicht“, aber die Lager seien „voll bis unters Dach“.

Die Lage habe sich massiv verschärft

Laut Jochen Mack ist die Branche ohnehin unter Druck. „Die Qualität von Textilien sinkt, die Zyklen werden kürzer.“ Billiganbieter fluteten den Markt mit Stücken, „die teilweise nicht mal mehr als Putzlappen verwendet werden können“. Oftmals seien die supergünstigen Teile schadhaft oder durch einen hohen Kunststoff- und Chemikalienanteil unbrauchbar. Jochen Mack betont: „Durch Corona hat sich die Lage massiv verschärft.“

Der Aktion-Hoffnung-Vorstand Anton Vaas stellt in einer Mitteilung klar: Könnten eingehende Spenden nicht mehr sortieren und veräußern werden, „bekommen wir innerhalb kurzer Zeit ein enormes Lager- und Absatzproblem, was unkalkulierbare finanzielle Risiken für unsere Hilfsorganisation mit sich bringt“.

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