Kein Eishockey-Camp beim Stuttgarter EC über Ostern – dem Club fehlen rund 20 000 Euro. Foto: Baumann

Oster- und Pfingstturniere, Trainingscamps – alles fällt dem Sportverbot zum Opfer. Gut ein Drittel aller württembergischen Sportvereine hat beim WLSB seine finanziellen Schäden gemeldet.

Stuttgart - Es hätte so schön sein können. Der TSV Plattenhardt veranstaltet sein 50. Pfingstturnier, die Fußballabteilung begeht das 100-Jahr-Jubiläum, und der Gesamtverein feiert 125-jähriges Bestehen. Doch dann kam das Virus. „Das trifft uns volle Breitseite“, sagt Vorstandsmitglied Christoph Dast, „wir mussten alles absagen – vom Festakt bis hin zum Turnier.“

Nun kicken keine U-19-Spieler über Pfingsten im Weilerhau, dabei hatten Orgachef Dast und Kollegen alles vorbereitet, um Teams aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, der Türkei und Island in Hotels unterzubringen, der Fahrdienst stand bereit, das Catering war gebucht, es waren Schausteller mit Fahrgeschäften verpflichtet sowie Musikbands für die Partys angeheuert worden. Doch am 27. März fiel der Vorhang, ehe er geöffnet worden war. Die Plattenhardter hatten Glück im Unglück. Kein Vertragspartner machte Ersatzansprüche geltend, selbst die Hotels verzichteten auf Stornogebühren. Allerdings muss der Club auf einen ordentlichen fünfstelligen Einnahmebetrag verzichten. Etwa zehn Prozent des Gesamtetats dürften dem Virus zum Opfer gefallen sein. „Wir kommen wohl ohne finanzielle Schäden davon“, sagt der 39 Jahre alte Dast, räumt aber ein, dass der TSV prüft, ob es sinnvoll ist, den entstandenen Schaden beim Württembergischen Landessportbund (WLSB) zu melden.

Mehr als 2000 Clubs benötigen Hilfe

Das haben mehr als 2000 von 5700 württembergischen Vereinen getan, die Online-Meldefrist läuft noch bis mindestens 17. Mai. Die Notfälle lauten: Gebuchte Räume oder bestellte Leistungen wurden nicht benötigt, müssen aber bezahlt werden; ein Clubheim ist wegen der Pandemie lange geschlossen, oder es werden Beiträge für entfallene Kurse zurückgefordert. Der Gesamtschaden liegt bei mehr als 150 Millionen Euro. „Die Menge an Vereinen ist besorgniserregend“, sagt WLSB-Präsident Andreas Felchle, „ich weiß nicht, wie lange es noch gut geht, wenn unsere Vereine weiter von ihren Rücklagen leben müssen.“ Wegen ihrer Gemeinnützigkeit können Sportvereine nur Rücklagen in begrenztem Umfang anhäufen und sind auf ihre laufenden Einnahmen angewiesen. „Wer Beiträge zurückfordert, weil kein Angebot möglich ist“, betont Felchle, „gefährdet die Existenz der Sportvereine.“

Auch der TuS Ergenzingen hat einen Hilfsantrag gestellt. Der Club wollte das 49. Fußball-Pfingstturnier für U-17-Junioren ausrichten, an dem der VfB Stuttgart, FSV Mainz 05, FC Valencia, FC Porto und Young Boys Bern teilgenommen hätten. Erfreulicherweise für den Club verzichteten ebenfalls die meisten Partner wie Hotels und Caterer auf eine Zahlung. „Wir sind glimpflich davongekommen“, sagt Cheforganisator Jürgen Schäfer. Den Fußballern fehlen allerdings bis zu 25 Prozent des Jahresetats durch entgangene Einnahmen, was die Abteilung hart trifft – weil vor allem der gut aufgestellte Jugendbereich finanziert werden muss. „Wir werden den Turnierausfall spüren“, ist der 49-Jährige überzeugt, weshalb der Club den Antrag beim WLSB gestellt hat.

Mitunter zeigen sich Partner kulant

Nicht nur Fußballer wurden getroffen, das Handball-Osterturnier der TG Biberach, an dem von der C- bis zur A-Jugend Mädchen- und Jungenteams teilnehmen, fiel ebenfalls aus. „Die Veranstaltung stellt eine elementare Grundlage unserer wirtschaftlichen Potenz dar“, sagt Organisator Jürgen Klein, „die Absage tat extrem weh.“ Rund 1500 Menschen, die wegen des Turniers nach Biberach kommen, waren über Ostern nicht in der Stadt und haben nicht die Kassen des Clubs gefüllt. Mit den Einnahmen rund ums riesige Spektakel bestreitet die TG die Spielzeiten der Jugend- und Aktiventeams, dieser Betrag im fünfstelligen Bereich fehlt nun. Immerhin konnte Klein aus dem meisten Verträgen rechtzeitig aussteigen, andere zeigten sich kulant – und die Sponsoren standen zu ihrem Wort. „Uns ist kein allzu hoher Schaden entstanden“, sagt der 61-Jährige, „das blaue Auge verheilt langsam.“

Das kann Christian Ballarin vom Stuttgarter EC kaum sagen. Der Eishockeyclub aus Degerloch hofft auf ein baldiges Ende des Sportverbots, sonst könnte es eng werden. Das Frühjahrscamp in den Osterferien für die Jugendlichen ist ausgefallen, Ähnliches droht für die Camps im Sommer. „Diese Camps“, sagt Clubchef Ballarin, „sind für uns die größten Veranstaltungen im Nachwuchsbereich – organisatorisch und finanziell.“ Von den Gebühren bestreitet der Club Fixkosten wie Trainergehalt sowie Raummieten – das Problem: Die Gebühren musste der SEC den Teilnehmern erstatten. Das Loch in der Kasse betrug etwa 20 000 Euro, weitere 10 000 Euro würden fehlen, wenn auch das Sommercamp ausfallen müsste. Als schnelle Hilfe hat Clubvize Olav Schnier eine Spende für die kommende Saison in Höhe von 10 000 Euro bereits jetzt überwiesen. „Ich will sicherstellen“, sagt er, „dass auch in der kommenden Saison die Basis für gute Nachwuchsarbeit vorhanden ist.“ Über ein Hilfsprogramm des Landes hat der Club weitere 9000 Euro zur Deckung der Kosten erhalten. „Wir sind aktuell nicht in unserer Existenz gefährdet“, betont Ballarin. Immerhin eine gute Nachricht.

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